Montag, Juli 23

Als Unternehmensberaterin mit Marketing-Ausrichtung muss man sich ja so einiges anhören: Von „Marketöse“ bis „Pixel-Fee“ mit Tätigkeitsschwerpunk „bunte Bildchen malen“ habe ich schon so manche mehr oder weniger kreative Berufsbezeichnungen an den Kopf geworfen bekommen.

Daher ist es höchste Zeit klarzustellen, welche Marketingtrends das Jahr 2014 geprägt haben und was für 2015 zu erwarten ist.

Und schon mal vorab für alle Skeptiker: Nein, diese Trends haben nichts mit dem Posten süßer Tierbildchen mit unterlegten Werbetexten auf Facebook zu tun. Vielmehr sind für ein erfolgreiches Marketing im global vernetzen Wettbewerb ein integrierter Einsatz von Daten und Prozessen zur ganzheitlichen, kundenzentrierten Unternehmensausrichtung entscheidend. So hat Brad Rencher, SVP & General Manager Digital Marketing von Adobe, in seiner Keynote Rede auf der letzten dmexco den Marketing Manager von heute recht treffend als „Nerd“ beschrieben.

Denn der „neue“ Marketeer liebt Zahlen, versteht es „digital Footprints“ auszulesen und die gesammelten Kundendaten gewinnbringend einzusetzen.

Auf drei zentrale Marketingtrends aus dem Vorjahr, die uns auch 2015 beschäftigen werden, möchte ich genauer eingehen, um auch dem letzten Marketing-Kritiker klarzumachen, dass diese „Nerds“ die eigentlichen Keyplayer im Unternehmen sind, wenn es darum geht, Kundenbedürfnisse zu verstehen und den ROI zu optimieren.

 

Trend 1: Kundenzentrierte Serviceausrichtung

Eine konsequente, abteilungsübergreifende Service-Ausrichtung wird immer wichtigerer im Wettbewerb. Das Marketing ist dabei die Tür zum Kunden und übernimmt immer mehr eine Querschnittsfunktion im Unternehmen.

Es gilt, die momentan oftmals noch in Silos operierenden Abteilungen IT, Produktmanagement, Marketing, CRM und Vertrieb zu verbinden und die einzelnen Geschäftsprozesse kundenorientiert zu steuern. Einheitliche Werbebotschaften (Mass Marketing) sind hierzu schon lange nicht mehr ausreichend. Vielmehr geht es darum, individuelle Kundenwünsche zu verstehen und die Kommunikation mit dem Kunden an seinen persönlichen Bedürfnissen auszurichten.

Soziale Netzwerke als Plattformen für ein transparentes und kollaboratives Customer Relationship Management (Social CRM) spielen eine immer größer werdende Rolle im serviceorientierten Unternehmen. Umfassende IT-Kenntnisse sind für den Marketeer von heute unumgänglich, denn eine kanal- und abteilungsübergreifende Kundenkommunikation sind nur IT-gestützt zu bewältigen.

 

Trend 2: Content Marketingtrends 2015 und Superpersonalisierung

Wie schon im vergangenen Jahr wird auch 2015 Content Marketing eine zentrale Rolle im Marketing Mix spielen. Dabei geht es zunehmend darum, direkt mit dem Kunden zu kommunizieren und die Customer Journey aktiv zu beeinflussen.

Eine persönliche und individuelle Ansprache mit für den einzelnen Kunden relevanten Inhalten – zum richtigen Zeitpunkt, über den passenden Kanal – lassen einen authentischen Dialog entstehen.Über Personas-Analysen erhalten Zielgruppendaten ein Gesicht. Je detaillierter Personas-Profile erstellt werden, desto besser können Informations-, Service- und Unterhaltungsangebote auf sie ausgerichtet werden, wodurch die Relevanz des Contents für den einzelnen Kunden steigt.

Für den „Nerd“ gilt es dabei als Herausforderung, Insights und Präferenzen aus der gewonnenen Datenflut auszulesen und entsprechend individualisierten Content zu erstellen.

Für 2015 bedeutet das, die bereits aus dem Vorjahr vorhandenen Content Marketing Strategien zu testen, zu optimieren und nachzujustieren, um Website, Social Media Maßnahmen, E-Mail-Angebote und das Produktsortiment anzupassen. Dabei sollte jede Maßnahme zu den übergreifenden Marketingzielen beitragen und Wirkungszusammenhänge gemessen werden können. Einzelnen Kanal-KPIs wie Open-Rates oder Click-Rates sind für ein aussagekräftiges Marketing-Measurement nicht mehr ausreichend.

 

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Trend 3: Multi Display Marketing

Ganz klar: Mobile ist und bleibt Pflicht. So stellt jedes onlinefähige Endgerät einen potentiellen Touchpoint in der Customer Journey dar. Hier gewinnen neben Smartphones und Tabletts auch Smart-TVs und Spielekonsolen sowie neue Devices wie Google Glass, Digital Signage oder Smartwatches potentielle Nutzungskontexte für online Marketingmaßnahmen.

„Hauptsache irgendwie mobile“ mag zwar 2014 noch funktioniert haben; in diesem Jahr gilt es jedoch den kompletten Kommunikations- und Einkaufsprozess mobilfähig zu gestalten. Für stationäre Händler heißt das, den physischen PoS in die mobile Kommunikation zu überführen. Maßnahmen hierfür können zum Beispiel über PoS-Terminals ausgelöste Trigger-Mails oder auch Echtzeitkommunikation über das Smarthphone des Kunden sein.

Der Marketeer muss sich 2015 sowohl mit den technischen Fragestellungen an Betriebssysteme, Auflösungen, Clients und Displaygrößen der Endgeräte als auch mit den Anforderungen im Kundennutzungskontext auseinandersetzen, um integrierte, endgerätübergreifende Strategien zu entwickeln.

 

Nerd anstatt Pixel-Fee

Sowohl eine kundenzentrierte Serviceausrichtung als auch die Trends der Superpersonalisierung und das Multi Display Marketing bedürfen übergreifende Multi-Channel Strategien, die nur mit einem intelligenten Einsatz von Kundendaten (Smart Data) sowie mit entsprechenden IT-Kenntnissen zu realisieren sind. Diese Anforderungen an den Marketing Manager lassen sich wohl kaum mit ein bisschen „bunte Bildchen malen“ gleichsetzen.

Zugegeben riskiere hier gerade, künftig zwar nicht mehr als „Pixel-Fee“ dafür aber als „Nerd“ betitelt zu werden, aber mal ganz ehrlich: Was ist an einem überdurchschnittlich intelligenten IT-Sachverständigen schon auszusetzen? Mit dieser Berufsbezeichnung kann ich tatsächlich sehr gut leben. Und wie Brad Rencher schon auf der dmexco feststellte:

„Nerd is the new black“ – und damit liegen wir Marketeers auch bei den Marketingtrends 2015 vorne.

 

 

Bildhinweise:

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2 Kommentare

  1. Spannend finde ich insbesondere den Trend Multi Display Marketing am Point of Sale. Hier müssen einige Retailer noch kräftig Ihre Hausaufgaben machen. Future Stores, iBeacon, NFC, wegweisende Teppichböden, Geruchssimulationen sind nur der Anfang…

  2. “Nerd”…, Hmm, ich mag den Begriff “Marketing Technology” oder Marketing Technologist lieber. Der Marketing Technologist hat 3 Aufgaben:
    > Am Markt verfügbare Marketing Technology dem Unternehmen verfügbar zu machen
    > Die eingesetzte (Marketing) Technologie richtig aufeinander abzustimmen
    > Die Marketing Strategie des Unternehmens in die passende Marketing Technologie zu übersetzen.

    Und genau darin liegt die Herausforderung des Marketeers in der Zukunft. Denn Technologie ist reichlich da.

    @Carmen, sehr guter Artikel!