Dienstag, November 13

Statistisch gesehen werden in Deutschland täglich ca. 1400 Kinder geboren. Weltweit sind es sogar um die 210.000. Die technischen Voraussetzungen für diese Kinder sind vielfältiger und höher als je zuvor. Schon heute gibt es Möglichkeiten und Ideen von denen unsere Großväter nur geträumt haben. Man kann behaupten, dass die Generation Start-Up in den Startlöchern steht und die Zukunft verändern wird. Was diese Generation für einen Einfluss hat, wie auch Unternehmen davon profitieren können, und was die Geburt eines der 1400 Kinder am Tag damit zu tun hat? Das erfahren sie hier:

Es ist nicht nur ein Trend, der aus dem Silicon Valley, dem gelobten Land der Start-Ups und unbegrenzten Möglichkeiten, auch nach Deutschland zieht. Nein, die Generation Start-Up ist eine Einstellung, ein Mindset der jungen Leute von heutzutage. Alle träumen sie von der großen Idee; einer Idee die Unabhängigkeit und ein gutes Leben verspricht. Der Wunsch, mit einer Idee die Zukunft möglich zu machen oder sogar zu verändern, steckt in jedem der den Weg des Gründers geht. Der Trend heutzutage geht klar hin zum Entrepreneur. Wo früher die jungen Absolventen von einer Karriere als Berater oder dem Aufstieg der Karriereleiter in einem großen Konzern träumten, steht heute der Gründungswunsch über allem.

Es mag sein, dass die vielfältigen technischen Möglichkeiten der Hauptgrund für die Start-Up Welle sind. Nichtsdestotrotz, ist es aber dieses Herzblut, dieser tiefe Wunsch, der die Generation Start-Up auszeichnet.

Und der diese Generation zu einem würdigen Nachfolger der Null-Bock Generation, der Generation Praktikum oder zuletzt der Generation Y macht. Was mich so zuversichtlich stimmt? Und was die Geburt eines Babys damit zu tun hat? Ganz einfach: Direkte Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Start-Ups vom Entrepreneurship Center an der Münchner Ludwig-Maximilians Universität (LMU).

Mehr Babys braucht die Welt

funny baby playing on notebook

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Schon seit geraumer Zeit beschäftigte ich mich bei meiner Arbeit mit Innovationen und innovativen Methoden. Der Lean Start-Up Ansatz, begründet und entwickelt von Steve Blank aus den USA, steht dabei immer mehr im Fokus. Der Ansatz stellt eine sehr radikalisierte Methode dar, wie Gründer heutzutage Start-Ups gründen sollten um ihre Erfolgschancen zu erhöhen. Dabei steht die Verprobung mit realen Menschen und Kunden an oberster Stelle. Die Mischung aus Pragmatismus und Methodik geben ein Bild ab, bei dem man sich fragt, warum das nicht schon immer so gemacht wurde?

Zu diesem Thema jedenfalls hat auch die LMU in ihrem Entrepreneurship Center, angeführt von Andy Goldstein und Kevin Milzstein, einen Kurs ins Leben gerufen. Dort sollen 12 Start-Up Teams grundlegende Methoden an die Hand gegeben und Hilfestellung in ihrem Gründungsprozess geleistet werden. Zum Thema Customer Development und Lean Start-Up sollten wir (mein Chef, Stefan Hoch, und ich) also diese Hilfestellung leisten. Customer Development in diesem Sinne bedeutet, den Kunden schon vor der Entwicklung eines Produktes mit einzubauen und tatsächliche Probleme zu lösen, für welche der Kunde am Ende auch bereit ist Geld auszugeben.

Die Vorbereitungen für den Vortrag liefen relativ schnell und unkompliziert an, doch das Schicksal sollte die Planungen auf den Kopf stellen. Da mein Kollege ausgerechnet an dem Vortragstag zum dritten Mal Vater werden sollte, kam mir die Aufgabe zu Teil, dort das Thema Customer Development gemäß der Lean Start-Up Methodik zu lehren und mein Wissen weiterzugeben. Und so kam es, dass eines der 1.400 geborenen Kinder an jenem Tag mich, nach relativ kurzer Zeit, zurück an die Uni brachte.

Doch die Vorzeichen zu meiner Unilaufbahn hatten sich doch ziemlich verändert. Ich war nicht hinter der Schulbank, ich stand davor. Ich musste nicht mehr zuhören, was andere Leute erzählen, ich durfte erzählen. Ich habe mich nicht unvorbereitet und übermüdet in den Hörsaal geschleppt, sondern war vorbereitet und nervös. Gut das übermüdet hat sich zumindest nicht verändert.

Was erzählt man Gründern zum Thema Customer Development?

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In den nächsten Tagen galt es nun also ein Konzept aufzusetzen und den Vortrag vorzubereiten. Als ehemaliger Student, war schnell klar die Präsentation sehr praxisnah aufzubauen und den Studenten anhand von Erlebten das Thema nahezubringen. Auch hier sollte uns das Kinderthema nicht loslassen, da wir einen perfekten Case gefunden haben. Es ging um ein Team von amerikanischen Studenten, die nach der Lean Start-Up / Customer Development Methode eine Produktidee vorangetrieben haben. Was war ihre Idee? Sie wollten eine kabellose Überwachung der Vitalzeichen von Kleinkindern ermöglichen, um besorgten Eltern ein Gefühl der Sicherheit zu geben.

Die Entwicklung dieses Studententeams zeigt sehr gut die Vielfalt an Möglichkeiten, seine Produktidee frühzeitig und ohne viel Geld mit den Kunden zu verproben. Das reinste Customer Development also! Das es dabei um Babys ging, war im Nachhinein natürlich auch eine super Erklärung für die Abwesenheit von Stefan, der eigentlich für den Vortrag angekündigt war. Zugegeben ein paar “Och wie süß” von den Anwesenden Damen wollten wir damit auch abstauben.

 

 

Ihr seit durch die paar Zeilen neugierig geworden und wollt mehr von dem Case wissen? Schaut doch einfach in die Präsentation und erlebt die Story von Team Owlet selbst mit.

 

 

Zusammengefasst bietet Customer Development also die Möglichkeit seine Ideen frühzeitig mit Kunden zu validieren. Frühzeitig heißt hier, noch bevor ich viel Geld in die Entwicklung stecke und noch bevor ich viel Zeit in einen Business Plan investiere. Die Möglichkeiten sind hier auf die Kreativität der beteiligten Personen begrenzt und ansonsten nicht limitiert.

Positive Erfahrungen mit der Generation Start-Up in Deutschland

 

Mio LMU

Das erste Aufeinandertreffen mit der „Generation Start-Up“ war sehr entspannt und freundlich. Die Stimmung war sehr zielorientiert. Man merkte sofort, dass die Teilnehmer nicht für eine Note lernen, sondern alle Vorträge ihrem Unternehmen und ihrer Zukunft helfen sollen. Meine Vorredner wurden also bereits gelöchert und mit vielen Fragen befeuert. Auch während meines Vortrags hat man immer gemerkt, dass sie die Nachricht verstanden hatten und gleich den Transfer auf ihre eigenen Situationen und Unternehmen durchführen wollten.

Im Anschluss zu den Vorträgen gab es am Abend noch die Möglichkeit eines Get-Togethers, was es mir ermöglicht hat auch die Ideen hinter den Teams kennenzulernen und von einigen spannenden Geschäftsmodellen zu hören. Ein paar der Ideen möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten:

(1) Bodylabs, entwickelt mobile Messstationen für ein modernes Gesundheitsmanagement in Unternehmen, Fitnessstudios oder Sportvereinen. Ein Check, der nur 20 Minuten in Anspruch nimmt, liefert den Teilnehmern sofort aussagekräftige Ergebnisse über den eigenen Gesundheitsstatus. Erfasst und erläutert werden über 50 wichtige Vitalwerte. Der Bodylabs Score liefert Referenzwerte in Bezug auf Geschlecht und Alter. Erklärungen und individuelle Vorschläge zur Verbesserung der Werte ermöglichen es den Teilnehmern, den eigenen Körper besser kennen zu lernen und nachhaltig ein verbessertes Verhalten zu etablieren. (http://bodylabs.de/)

 (2) Agenturmatching, entwickelt eine Plattform für die Zuordnung von Marketing Agenturen zu Unternehmen. Ziel ist es für ein Unternehmen und eine Agentur den bestmöglichen Fit zu finden und so die Komplikationen bei der Agenturauswahl zu minimieren und ein stückweit sogar die Kommunikationsbranche zu revolutionieren. (http://agenturmatching.de/)

(3) Ranqq,  bietet eine Möglichkeit schnell und unkompliziert Entscheidungen in einer Gruppe zu treffen. Mit einer mathematischen Formel im Hintergrund wird aus Meinungen und Ideen der Teilnehmer eine gemeinsame Präferenz abgeleitet. Der Einsatz privat oder geschäftlich ermöglicht so, einen Konsens zu treffen, welchen Kinofilm man ich mit seinen Freunden ansieht, oder welche Themen im nächsten Geschäftstermin ganz oben auf der Agenda stehen sollen. (https://ranqq.co/)

 

Nachdem Treffen dieser Start-Ups und ihrer Ideen, stellte sich mir die Frage, warum sich auch Unternehmen mit der Generation Start-Up auseinandersetzen sollten und welchen Mehrwert  durch die Digitalisierung und durch das neu entstandene Mindset in dieser Generation großen Unternehmen gestiftet werden kann. Die Antwort lässt sich in fünf Punkten zusammenfassen.

Fünf Punkte, wie Unternehmen von der Generation Start-Up profitieren können

Time for change

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(1) Vereinfachung ihrer Arbeitsabläufe:

Viele Ideen von Start-Ups zielen explizit darauf ab, den Arbeitsalltag und Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Es schafft die Möglichkeiten neue Methoden zu integrieren, die allen Mitarbeitern und dem Unternehmen selbst weiterhelfen.

(2) Qualifiziertes Personal:

Die Bewegung der Start-Ups zeigt eindeutig, dass es in dieser Generation Menschen gibt, die gewillt sind, zu leisten und zu investieren. Junge Leute sind bereit, ihre Zeit und Zukunft in eine interessante Idee zu stecken und dort eigenständig Leistung zu zeigen. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass eben dieser Leistungswille auch in einem Unternehmen eingesetzt werden kann. Dass hierfür Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen, damit diese Menschen bereit sind, in Unternehmen innovativ zu sein, ist ganz klar. ABER: Allein die Tatsache dass es diese Leute gibt, sollte alle HR-Manager und Unternehmen schon positiv stimmen.

(3) Digitale Transformation bewältigen:

In jedem Geschäftsfeld und in jeder Branche sollte es mittlerweile bekannt sein, dass sich die Welt verändert, sich digitalisiert. 

Herausforderungen, vor der die Mobilfunk und Verlagsbranche standen, werden auch zukünftig vor der Dienstleistungs- und sogar der Finanzbranche stehen. Die Generation Start-Up ist im digitalen Umfeld groß geworden. Es ist Normalität für sie. Die meisten Start-Up Ideen basieren auf der digitialen, innovativen Ideen. Als Unternehmen muss man sich das zunutze machen und dieses Wissen sichern um künftige Herausforderungen zu meisten.

(4) Neue Geschäftsmodelle und Produkte entwickeln:

In direktem Zusammenhang mit der digitalen Transformation steht der Wunsch oder der Zwang von Unternehmen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die bestehenden Geschäftsmodelle, welche die Unternehmen groß gemacht haben, sind zeitlich begrenzt. Früher oder später muss etwas Neues her, um die eigene Position zu festigen. Hierzu ist es dringend nötig, neue Einblicke zu bekommen und junge Menschen zu finden, die weder beeinflusst vom bisherigen Schaffen des Unternehmens waren, noch fremd im digitalen Umfeld sind. Ihr erkennt das Muster? Die Mitglieder der Generation Start-Up können genau diese Menschen sein.

(5) Ein Innovationsumfeld schaffen:

Wie unter (2) geschrieben, benötigt es ein kreatives Umfeld, um junge Leute und deren Qualifikation in einen Konzern zu integrieren und diese auch dort innovativ werden zu lassen. Dazu muss ein Umfeld geschaffen werden, das es ermöglicht, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Und damit sind weder Acceleratorprogramme, noch Schlafecken oder Fischteiche a la Google gemeint. Es muss die Möglichkeit geben, neben dem eigentlichen Konzerngeschäft neue Wege zu beschreiten, etwas zu entwickeln, das sich nicht an Konzernrichtlinien und Genehmigungsprozessen halten muss. Mit Kunden sprechen, schnell einen Prototyp basteln, einen Growth Hack ausprobieren, das Ergebnis nicht vorher bestimmen müssen. Einfach, ergebnisoffen, nach Innovationen suchen.

Was sind eure Erfahrungen mit der Generation Start-Up und wie können diese in Unternehmen eingegliedert werden. Können sie das überhaupt? Ich freue mich auf ein paar Erfahrungen und Meinungen.

About Author

Thomas Sontheim ist bei Safari zuständig für Produktinnovationen und erfolgreiche Geschäftsmodellentwicklung. Die Probleme deutscher Konzerne aus ihrem Kern heraus innovativ zu sein, beschäftigen ihn seit geraumer Zeit. Im Telekommunikations- und Medienumfeld sucht er als Projektmanager ständig nach neuen Lösungsansätzen für dieses Problem

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