Mittwoch, April 25

Frank Thelen, bekannt aus der VOX-Sendung “Die Höhle der Löwen”, spricht im Rahmen unserer Serie zum Thema Corporate Entrepreneurship über digitale Geschäftsmodelle und das fruchtbare Zusammenspiel von Corporates und Startups.

 

Frank Thelen, wer bist Du und was machst Du?

Ich gründe seit über 20 Jahren Startups. Ich habe eine sehr unklassische Karriere hingelegt, bin Studienabbrecher, durch Zufall zur Softwareentwicklung gekommen und habe mich von da aus schrittweise hochgearbeitet. Dabei habe ich auch eine Insolvenz hingelegt mit einer AG. Heute bin ich CEO von Scanbot und investiere in Startups, die Design- und Produktgetrieben sind.

Dein Vater hat Dir geraten, Abteilungsleiter bei der Deutschen Telekom zu werden. Warum hast Du diesen Rat nicht befolgt?

(Lacht) Sehr gute Frage. Ich glaube erstmal, dass es ein guter Rat ist, den ich auch verstehen kann, da es Sicherheit bedeutet. Ich habe diesen Rat nicht befolgt, weil ich Martin Hubert getroffen habe, der in Bonn das erste Bildschirmtelefon der Welt entwickelt hat. Ich durfte dort als Praktikant mitwirken und das hat mich so fasziniert, es hat mir diesen Virus des Startups, des Erschaffens gegeben. Und wenn man einmal verstanden hat, dass man die Welt ändern kann, dann kann man eigentlich nicht mehr Abteilungsleiter bei Siemens werden. Dann ist man dazu berufen, die Welt zu verändern.

 

Wie funktionieren digitale Geschäftsmodelle und was unterscheidet sie von traditionellen Geschäftsmodellen?

Digitale Geschäftsmodelle haben die unglaubliche Möglichkeit, schnell zu skalieren – weltweit. Das heißt, wenn ich z.B. eine Restaurant-Kette aufbaue, muss ich wirklich die einzelnen Plätze mieten, Küchen einbauen und Personal vor Ort haben. Es ist also sehr schwierig, ein klassisches Geschäftsmodell schnell international zu skalieren. Anders ist dies bei einem App-Store. Wenn ich eine Messaging-App habe oder eine App, die ToDos erledigt, kann ich diese in den App-Store einstellen und bin sofort mit dem Launch in fast allen Ländern der Welt vertreten. Ich kann zudem digitales Marketing machen und es so entwickeln, dass die Kunden wieder neue Kunden akquirieren und dann tatsächlich ein explosionsartiges Wachstum generieren. Das ist nicht einfach und nur wenige schaffen das, aber ich habe zumindest die Möglichkeit dazu. In einem traditionellen Geschäftsmodell gibt es diese Möglichkeit nicht.

Welche Eigenschaften muss ein Startup – außer einer guten Idee – haben, damit Du investierst?

Ich muss vom Gründer überzeugt sein und fühlen, dass er bereit ist, durch die Hölle zu gehen. Denn Startup bedeutet nicht nur cool, fancy Office und tolle Partys. Startup bedeutet vor allem an die Grenzen zu gehen, nicht mit 250 sondern sogar manchmal mit 300 in die Kurve zu fahren und zu wissen, dass man eigentlich raus fliegt. Und es trotzdem zu tun. Wenn ich beim Gründer fühle, dass er überzeugt ist von seiner Idee und sagt „ich werde das umsetzen, egal was mir in den Weg gestellt wird“, dann ist das schon mal eine erste wichtige Voraussetzung. Darüber hinaus muss das Geschäft für mich als Investor sinnvoll sein. Ich investiere nicht in Dinge, die meiner Meinung nach nichts bringen und für die ich mich selbst nicht interessiere. Ich finde es gut, wenn ich per Knopfdruck ein Taxi rufen kann oder wenn man sein Team managen oder seine Bankgeschäfte verwalten kann. Ich versuche, sinnvolle, produktivitätssteigernde Produkte umzusetzen.

Wie können Startups und Konzerne voneinander profitieren?

Die Konzerne lernen von den Startups, was alles möglich ist. Auf einmal gibt es drei Leute, die monatelang Tag und Nacht gearbeitet und ein Produkt gelauncht haben, für das im Konzern eine Zeit- und Kostenplanung über drei Jahre mit 150 Leuten gemacht wurde. Das sind Beispiele aus der Praxis, die wahr sind. Manchmal lähmen sich Konzerne durch die Prozesse und Regulierungen einfach selbst. Hier bekommt ein Corporate durch ein Startup eine Benchmark, was alles möglich ist.

Das Startup kann auf der anderen Seite vom Corporate lernen, dass Prozesse auch gut sein können, damit beispielsweise wenn man schon eine Millionen User erreicht hat und stark gewachsen ist, nicht plötzlich eine Version in den Markt gestellt wird, mit der man alle User wieder verliert, weil man einfach keine Quality Assurance gemacht hat. Das wichtige ist, wie so oft im Leben, die richtige Balance zu finden. Das heißt, sich auf der einen Seite nicht zu sehr durch Politik zu lähmen, sodass sich nichts mehr bewegt und auf der anderen Seite, wenn man eine gewisse Flughöhe erreicht hat als Startup, auch Prozesse einzuführen, damit die Qualität des Produktes stimmt. So können die beiden Welten sich sehr gut treffen.

Welchen Beitrag kann der Corporate Startup Summit hier leisten?

Der Corporate Startup Summit verbindet diese Welten, indem hier Leute von Corporates und Startups zusammenkommen. Es werden Startups ausgewählt, die aus einem Corporate entstanden sind und den Konzern genau kennen, sich aber entschieden haben etwas Eigenes zu machen. Und der Konzern unterstützt und fördert das. Dieses Modell in die Öffentlichkeit zu tragen und zu zeigen, dass es funktioniert, ist sehr wichtig für beide Seiten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Frank Thelen

Das Team des Corporate Startup Summit beim Interview mit Frank Thelen.

 

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Der Corporate Startup Summit ist ein exklusives Networking Event mit dem Ziel, Corporates dabei zu unterstützen auch als Startup zu agieren. Auf die 250+ Teilnehmer warten interessante Vorträge, Workshops und Diskussionen mit erfahrenen Experten und anderen mutigen Intrapreneuren. Zusätzlich werden die innovativsten Unternehmen Deutschlands  im Rahmen eines exklusiven Gala Dinners mit dem Corporate Startup Award prämiert.

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About Author

Christopher Arz hält einen Master in Sales and Marketing und hat tiefgreifende Expertise in den Bereichen Product Management, Marketing und Innovationsmanagement. Im Rahmen seiner Master-Thesis beschäftigte er sich umfassend mit dem Thema Corporate Entrepreneurship.