Sonntag, Juni 24

Elefantenfriedhof Deutschland – wie erfinden wir uns neu? Ein Review.

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“Elefantenfriedhof Deutschland – wie erfinden wir uns neu?” Das war das Thema des vergangenen Corporate Startup Meetup München, das letzte Woche wieder einmal mit über 100 Gästen zu vollen Rängen im WERK1 geführt hatte.

Den Auftakt der Vorträge machte Fabian Böhnlein (BMW Gruppe), der eindrucksvoll aufzeigte, vor welchen Herausforderungen die Automobilbranche gegenwärtig steht und in welchen Bereichen, dieser für Deutschland so wichtigen Branche, momentan am meisten in die Zukunft investiert wird.

Besonders spannend waren dabei sicherlich auch die anschließenden Diskussionen rund um die Themen „autonomes Fahren“ und „Elektromobilität“ und deren Entwicklungsgeschwindigkeit in Richtung neuer Geschäftsmodelle.

Als zweiter Referent ergriff Simon Rost (General Electric) das Mikro. Als Transformation Manager bei GE konnte uns Simon einen spannenden Einblick in das große Transformations-Programm von General Electric geben, das besonders auf die Umstellung auf neue Methoden und den radikalen Fokus auf die eigenen Kunden abzielt.

Spannend war die Frage, ob es überhaupt sinnvoll sei, an „unseren großen Elefanten“ herumzudoktern oder die wegweisenden Innovationen nicht den jungen Startups zu überlassen?! So könnten die etablierten Unternehmen doch auch den engeren Austausch zur Startup-Szene suchen und sich im „Daily Business“ ganz auf das Tagesgeschäft reduzieren.

Dem widersprachen zumindest unsere beiden Konzernvertreter vehement. So seien die großen Elefanten bei entsprechender Schlankheitskur doch ähnlich innovativ, zumindest in der Theorie. Großen Unternehmen fehle es heute oftmals nur an den richtigen Strukturen, Innovationen radikal anzugehen. Die Themen Kultur und Methodik scheinen dort niemanden wirklich zu überraschen. Dass aber auch reife Unternehmen die Zukunft gestalten können, konnten Fabian und Simon anhand ihrer Praxisbeispiele gut erlebbar machen.

Mit Katharina Kreitz hatten wir aber auch eine erfolgreiche Gründerin als Referenten dabei. Als studierte Ingenieurin gründete Katharina mit Vectoflow ihr eigenes Unternehmen und gehört mit ihren Produkten im Bereich der Strömungsmesstechnik mittlerweile zu den Top Playern. Katharina referierte eindrucksvoll, wie schwierig es im Ingenieurwesen ist, Innovationen schnell und radikal aufzubauen. Dafür sei das doch sehr auf Qualität gemünzte Ingenieurwesen noch recht schwergängig dazu bereit. Aber auch wie langatmig sich der angesprochene Austausch mit den etablierten Unternehmen gestaltet, konnte Katharina aus eigener Erfahrung überzeugend darstellen.  Speziell im engeren und faireren Austausch zwischen alter und neuer Wirtschaftswelt sieht Katharina sehr großes Potential für Innovations- und Wachstumsimpulse und damit ein „Win-Win“ für Konzern, Mittelstand und Startups.

Ich hatte schließlich selbst die Ehre, den Abschlussvortrag zu halten. Hier wollte ich mich trotz aller Zukunftsvisionen und dem starken Fokus auf die Fragen von Morgen einmal auf den Status Quo in Deutschland konzentrieren. Der von uns so oft gepriesene Wohlstand steht, meiner Meinung nach, auf sehr wackeligen Beinen. Kinder- und Altersarmut, wachsende soziale Spannungen, mangelnde Innovationsfreude im Mittelstand und andauernde Skandale rund um die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit klingen vielmehr nach „Zurück in die Vergangenheit“ als nach Zukunft. Dafür machte ich nochmal darauf aufmerksam, dass die Themen „Revitalisierung der Regionen“, „Zukunftsfitte Bildung“ und  „Soziale Marktwirtschaft 4.0“, endlich die Aufmerksamkeit bekommen müssen, die ihrer für uns alle enormen Relevanz genüge tut.

Abschließend kann ich wohl sagen, dass sich alle Teilnehmer zumindest bei einem Punkt einig waren. Noch, noch steht Deutschland gut da und hat beste Voraussetzungen, auch weiterhin ganz oben mitzuspielen. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weiter in die Zukunft investieren und sich auch den bestehenden Baustellen jeglicher Art konsequent zuwenden. In Zeiten der Digitalisierung und vierten industriellen Revolution stehen wir vor einem ungeahnten Paradigmenwechsel. Ein “Weiter so” darf es nicht geben. Vielmehr müssen wir endlich damit anfangen, neue Wege zu gehen und den Mut finden, diesen auch konsequent zu folgen.

Weitere Informationen: www.corporate-startup-muenchen.de

 

About Author

Christopher Meyer-Mölleringhof hat einen Bachelor-Abschluss an der WHU Vallendar und einen Master-Abschluss an der IE University in Madrid gemacht. Bei Safari Consulting hilft er Unternehmen dabei, Innovationen zu realisieren. Seiner Meinung nach stehen Wirtschaft und Gesellschaft vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Demnach verlieren alte Regeln an Gültigkeit und bedürfen einer Neubewertung. Christopher setzt sich dafür ein, Themen neu zu denken, anders zu machen und damit den Status Quo herauszufordern.

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