Mittwoch, August 15

Der Deutsche Innovationspreis ist nicht nur eine Auszeichnung der innovativsten Unternehmen Deutschlands, er hat auch eine weitgreifende Bedeutung und Statements, die sie sich aus der heutigen unternehmerischen Welt nicht mehr weg denken lassen. Er ist Zeichen einer sich anbahnenden Wende und Zeichen unternehmerischen Mutes!

 

‘Industrielle Revolution’ – das hört sich immer sehr spannend an. Vielleicht kann man, wenn man auf das richtige Pferd setzt richtig viel Geld verdienen – richtig viel Geld. Man wird zukunftsfähig, garantiert sein Fortbestehen im harten Wettbewerb – damals wie heute – und sichert Arbeitsplätze. Doch haben bei den vorherigen industriellen Revolutionen immer alle gewusst, was gerade im Gange war, was sich da am Horizont zusammenbraute? Haben immer alle das verstanden, was wir in 10 Jahren nicht mehr aus unserem Leben wegdenken können?

 

Mit Sicherheit nicht – einige werden es zwar verstanden haben aber viele – sehr viele – haben sicherlich die Hände in den Schoß gelegt und gewartet, was die Herde so macht, auf Altbewehrtes vertraut sich auf die verlassen, die vielleicht wussten wie man es macht, aber dann halt auch nicht mehr. Einige werden es vielleicht auch geleugnet haben – man weiß es nicht – nicht nur weil sie dann recht schnell von der Bildfläche verschwunden sind, sondern auch, weil sie dann sicherlich aus Scharm, darüber für immer geschwiegen haben.

 

Der Innovationspreis der deutschen Wirtschaft – wohlgemerkt der erste Innovationspreis der Welt – ehrt nicht nur besonders innovative Unternehmen und Startups, sondern auch in der Kategorie Industrie 4.0 diejenigen, die auf ganz besondere Weise verstanden haben, dass wir an der Schwelle zu einer neuen industriellen Revolution stehen und dieses Wissen auf ganz besonders gescheite Weise umsetzten. Das Komitee würdigt durch ihn nicht nur die Innovationskraft, Originalität, Umsetzung und Wirtschaftlichkeit der Nominierten, sondern zeigt auch Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit und das Fortbestehen der Bewerber.

Doch was bedeutet der Innovationspreis noch?

Die Vergabe des Preises ist nicht nur ein Statement, dass die Industrie 4.0 eines der brennendsten Themen der Zukunft ist. Er hat auch einige Implikationen zur Folge, die schon im ‚Global Challenge Insight Report‘ treffend zusammengefasst wurden.

Können Sie sich vorstellen, dass bis zu 65% der Kinder, die jetzt in die Vorschule kommen, später in einem Job arbeiten, von dem heute noch keiner weiß, dass es ihn überhaupt geben oder geschweige denn ausschauen wird?

Haben Sie eine Idee davon, was es heißt wenn circa 50% des Wissens, das Studenten in ihrem Ersten Studienjahr erwerben zum Zeitpunkt ihres Abschlusses veraltet wird?

Allem Anschein nach werden zudem dann Fähigkeiten gefragt werden, von denen heute noch keiner glaubt, dass sie irgendwann für den alltäglichen Beruf gebraucht werden.

Dabei ist die unaufhaltsame Geschwindigkeit der technischen Entwicklung von entscheidender Bedeutung, Problem und Lösung zugleich! Um sicherzustellen, dass Unternehmen bestehen bleiben und sich Studieren, Lernen und Arbeiten lohnen und wird man nicht darum herum kommen sich mit der Geschwindigkeit der Entwicklungen mitzuhalten und auf Kernfähigkeiten zu vertrauen – als Unternehmer wie auch als Arbeitnehmer; das heißt für Unternehmen wie Arbeitnehmer – ständig zu lernen und die Fähigkeitslücken schnellst möglich zu schließen.

 

Ständiges Lernen und Weiterbilden

Mit den Entwicklungen im Arbeitsmarkt wird man nicht darum herum kommen, eine Resilienz [Fähigkeit von Lebewesen, ökonomischen oder sonstigen Systemen, sich gegen erheblichen Druck von außen selbst zu behaupten] oder auch ‘Anitfragilität’ [ ‘Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen’, Nassim Nicolas Taleb, 2013] aufzubauen. Lebenslanges Lernen und ein ‘Niemals stillstehen’, stellen sicher, dass Sie immer im schellen Fahrwasser der Weltwirtschaft bleiben.

Für Unternehmenswelt heißt es dennoch meist:

Auf dem neusten Stand der Entwicklungen zu bleiben

Die Unternehmenswelt um uns herum entwickelt sich rasend schnell! Das heißt Unternehmen sollten es auch tun. Welche Fähigkeiten werden gebraucht werden, welches Wissen wurde vernachlässigt? Aufholbedarf gibt es sicherlich!

Sich anzupassen

Zukünftig werden Unternehmen noch anpassungsfähiger sein müssen, um die Lücken zu schließen, die moderne Technologien auftun.

‘IT-Fest’ zu werden

Viele Unternehmen haben die jetzige IT Wirklichkeit noch nicht erreicht.

Die Mentalität verändern

Kontinuierliches Lernen und ständiges weiterentwickeln können nur von einer innerlichen Gesamteinstellung her kommen.

Der Deutsche Wirtschaftpreis ist daher auch eine Würdigung an die schnelle Anpassungs- und Lernfähigkeit der Bewerber.

 

Doch wie gut spiegelt die Auswahl der Nominierten die tatsächliche Lage der Deutschen Wirtschaft wieder?

Tatsächlich hat eine McKinsey Studie belegt, dass 44 Prozent der Unternehmen in Deutschland keine, oder nur sehr wenig Fortschritte im Bereich der Industrie 4.0 gemacht haben. Nur Jedes 10. Unternehmen gibt im Rahmen der Befragung auch an, Strategien bereits implementiert zu haben. Dennoch ist Deutschland im Vergleich zu den USA und Japan noch vorne.

 

Quelle: McKinsey Global Expert Industrie 4.0 Survey 2016

Quelle: McKinsey Global Expert Industrie 4.0 Survey 2016

Dennoch kann man nach dem anfänglichen Hype nun doch eine Ernüchterung feststellen. Doch noch ist der Optimismus in der Deutschen Wirtschaft immer noch nicht gebremst! Hierzulande geht jedes zweite Unternehmen davon aus, dass die Industrie 4.0 die Wettbewerbsfähigkeit steigern kann und immer noch als eine Chance als eine Bedrohung gesehen wird. Umsatzwachstum von durchschnittlich 10% und Kostenverbesserung werden erwartet. Zu viel? Vielleicht nicht! Denn die USA und auch Japan erwarten eigentlich mehr. Deutschland und seine Unternehmer sind da pessimistisch.

 

Quelle: McKinsey Global Expert Industrie 4.0 Survey 2016

Quelle: McKinsey Global Expert Industrie 4.0 Survey 2016

 

Bereits jetzt gibt jedes fünfte befragte Unternehmen an, gewappnet zu sein. Dennoch gibt des laut Dominik Wee “oft sehr triviale Hindernisse, die der Umsetzung von Industrie 4.0 im Weg stehen.”

 

Dazu gehören:

Fehlende Koordinierung – Zu ausgeprägte Grenzen zwischen den einzelnen Departments wie Produktions-, Entwicklungs-, IT- und Finanzabteilung eines Unternehmens machen die übergreifende Koordinierung eines Industrie 4.0 Projekts unnötig schwer.

Nicht ausreichend Mut zur Veränderung – Veränderungen bergen Risiken – aber auch Chancen. Tiefgreifende Veränderungen, die Projekte als Voraussetzungen brauchen werden meistens nicht angestoßen.

Nicht genügend Personal – Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten gerade die Stellen mit Anforderungsprofilen zu füllen, die aufgrund der schnellen Entwicklung des Arbeitsmarktes neu entstehen.

Cybersicherheit – Die massive Nutzung des Internets bei 4.0 Projekten stößt auf zunehmenden Zweifel, ob die eigene IT sicher genug ist. Externen Verbindungen wird nicht vertraut und zudem die Fähigkeiten der IT Sicherheit von anderen Unternehmen angezweifelt.

Nicht erkannte Geschäftsgrundlage – Investitionen werden nur zögerlich getätigt, weil Verantwortliche den zu erwartenden Profit nicht abschätzen können und ihnen damit die Rechtfertigungsgrundlage fehlt die erforderlichen Gelder bereit zu stellen.

 

In diesem Sinne ist der Innovationspreis auch eine Auszeichnung für außerordentlichen Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten die Visionen, die nun sicherlich mit den Anfängen der Revolution in den Kinderschuhen stecken Wirklichkeit werden zu lassen. Fühlen Sie sich auch mit der Kategorie Industrie 4.0 verbunden?  Was interessiert Sie an diesem Thema und warum ist es für Sie wichtig? Teilen Sie doch mit uns die von Ihnen gesehenen Chancen und Risiken für den Standort Deutschland.

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Matthias Henrici entwickelt seit Ende der neunziger Jahre wertschöpfende eCommerce-Projekte u.a. für deutsche als auch internationale Unternehmen. Seit 14 Jahren lehrt er als Dozent für Usability und Neuro-Marketing an deutschen Hochschulen und arbeitet als Conversion-Spezialist und Projektmanager für Safari sowie als freier Autor u.a. für den HighText Verlag, Computerwoche und die Wirtschaftspresse.

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