Mittwoch, Dezember 12

Im November 2015 war es wieder soweit. Die Entourage der Lean Start-Up Bewegung hat zur jährlichen Konferenz nach San Francisco geladen. Eric Ries und sein Team haben der Community eine Plattform gegeben, sich untereinander auszutauschen, voneinander zu lernen und die nächste Stufe in der Lean Start-Up Evolutionsstufe zu gehen. Einige hochkarätige Sprecher wie Alexander Osterwalder, Mark Little von GE sowie Eric Ries selbst haben sich die Ehre gegeben. Ich hatte die Ehre für Safari Consulting vor Ort die Stellung zu halten.


 

Es freut mich, dass ich hier auf dem Innovationsblog über die Learnings und die neuesten Erkenntnisse berichten darf. In der nächsten Woche folgen noch spannende Interviews und Tipps von erfahrenen Entrepreneuren zum Thema Corporate Innovation und wie man den Lean Start-Up Ansatz im Konzernumfeld einsetzen kann.

 

Von München ins Silicon Valley

Die Anreise war mit einigem Glück verbunden, nachdem die Flugbegleiter der Lufthansa für den Abreisetag alle Langstreckenflüge bestreiken wollten. Glücklicherweise war der einzig planmäßig durchgeführte Flug an diesem Tag der Flug nach San Francisco. Somit konnte es ohne großes Gedränge von München losgehen und schon bald das Ziel San Francisco erreicht werden.

Bevor es mit der Konferenz begann, hieß es noch einen kurzen Abstecher in das Herz des Valleys, nach Palo Alto bzw. Mountain View zu machen und dort von den Vorreitern des digitalen Wandels zu lernen. Ein Abstecher an der Universität von Stanford, gefolgt von dem Mythos facebook, sowie einer Stippvisite beim Branchenprimus Google.

Neben den auf den ersten Blick paradiesischen Arbeitsbedingungen fällt vor allem der Spirit der Mitarbeiter auf, hier täglich aufs neue etwas zu entdecken, Neues zu gestalten und vor allem täglich zu lernen.

Lean Startup Konferenz 2

Das war die Lean Startup Konferenz 2015

Das Programm der diesjährigen Konferenz war aufgeteilt in 3 Tage. Der erste Tag war exklusiv für Unterstützer des Kickstarter Projektes zu Eric Ries neuem Buch „The Leaders Guide“. Der offizielle Start an Tag 2 wurde durch mehrere Vorträge im großen Saal vormittags und kleineren gezielteren Vorträgen am Nachmittag durchgeführt. An Tag 3 war das Format analog zu Tag 2, jeweils mit ausreichenden Gelegenheiten zum Networking.

Am ersten Tag konnte man somit einen Einblick in den Arbeitsstand von „The Leaders Guide“ bekommen und dort in einem 3-teiligen Workshop die Inhalte ausprobieren und am eigenen Leib erfahren. Interessant zu bemerken, dass die Konferenz an dieser Stelle auch als MVP genutzt wurde, in dem ein Workshop-Format (ein Produkt) an Zielkunden getestet wurde. Ganz Lean Start-Up.

Das Highlight war der Empfang am Abend, der ausreichend Platz für Networking gab und zudem die Ignite Talks beheimatet. Dies ist ein Format, bei dem die Redner exakt 5 Minuten Zeit haben ihre vorbereiteten 12 Folien vorzustellen. Ergibt 30 Sekunden pro Folie. Und die Folien springen erbarmungslos.

Ein sehr gutes Konzept, welches die ein oder andere ungewollt lustige Situation hervorbringt. Mein Lieblingsvortrag war Lean Start-Up in 5 Minuten erklärt, und das auch noch gesungen!

Der zweite Tag begann mit einigen Talks im großen Plenum. Zum Einstieg hat Eric Ries die Verantwortung von unternehmerischen Denken herausgestellt und zwischen den Lebenszyklen eines Unternehmens in Sicherheit und extremer Unsicherheit unterschieden. Innovationsprojekte leben davon in extremer Unsicherheit zu arbeiten, während das Tagesgeschäft eine sichere Quelle darstellt. Trotz allem leben wir in einer schnelllebigen Welt und Sicherheit ist nur zu einem gewissen Grad dauerhaft. Dazu mein Lieblingszitat:

 

Direkt im Anschluss hat Mark Little von GE die Einführung von Lean Startup in seinem Unternehmen dargestellt. Das FastWorks Programm hat bereits einige Projekte nach der Methodik durchlaufen und er hat einige Beispiele genannt, sowie das Vorgehen und mögliche Stolpersteine aufgezeigt.

Lean Startup Konferenz 3

Nach einer Stärkung an den Food Trucks ging es nachmittags in kleineren Kreise weiter, ich selbst habe mich für den Vortrag von Dan Olson entschieden, wie man den Product – Market Fit (Playbook for achieving Product Market Fit) von seiner Idee zum Markt herstellen kann.

Am dritten Tag war das Plenum morgens gefüllt mit Beispielen aus der Startup Welt. So konnte man einen Einblick in die Entstehung von Dropbox, intuit, und weiteren aktuellen „Rising Stars“ bekommen.

Zudem gab es von David Binetti einen Einblick in das Thema Innovation Accounting und wie man für Innovationsprojekte einen ROI, Risikokennzahlen und weiteres sinnvoll erstellen kann und somit eine Argumentationshilfe für die Finanzierung zu bekommen.

Eine große Versicherungsfirma aus den USA, humana, hat im Anschluss eindrucksvoll ihren Weg zu Lean Startup beschrieben und den Alltag mit der Methode dargestellt. Dort war der AHA Effekt ein Workshop mit Kunden, der in nur 3 Tagen alle Probleme aufgezeigt hat vor dem das Unternehmen steht. Parallel dazu wurde über 6 Monate eine teure Analyse gestartet, welche dieselben Problemfelder identifiziert hat. Leider war dies wesentlich teurer und konnte noch keine Ansätze liefern wie man diese Probleme angehen kann. Ganz im Gegensatz zu dem Workshop, aus dem bereits erste Lösungsideen entsprungen sind und sich in der Umsetzung befinden.

Highlight an diesem Tag war jedoch der Vortrag von Alexander Osterwalder, welcher die Bedeutung einer Innovationskultur in der gesamten Unternehmenskultur verdeutlicht hat. Dazu hat er seine eigenes Frame entwickelt, wie man dort hin gelangen kann. Hierzu finden Sie auf dem innovationblog bereits eine ausführliche Beschreibung.

 

Mit der Culture Map eine Innovationskultur designen

 

Am Nachmittag gab es die Gelegenheit mit Rednern eine Einzelsession zu bekommen und sie direkt mit Fragen zu löchern. Dies konnte ich ausgiebig in Anspruch nehmen und in einer kleinen Interviewrunde für den Innovationsblog umsetzen. Bleiben Sie gespannt.

Alles in allem muss man sagen, dass die Methodik an sich nicht wirklich im Vordergrund stand. Es wurde vorausgesetzt, dass man bereits von Lean Start-Up gehört hat. Die Vorträge haben sich also eher auf ein Teilgebiet spezialisiert, Best-Practice Geschichten ausgetauscht, oder sich auf der Meta-Ebene bewegt. Nichtsdestotrotz sind die Tage im Flug vergangen und haben eine Menge Spaß gemacht, mit Gleichgesinnten zu sprechen und von Ihnen zu lernen. Neben den Austausch mit anderen Teilnehmern habe ich folgende Kernerkenntnisse mitgenommen.

 

Was sie für Ihr Innovationsprojekt mitnehmen sollten:

„How to play the corporate game“

Eines merkte man ganz deutlich an den Themen und Vorträgen, der Fokus innerhalb der Community geht immer mehr in Richtung der Konzerne und wie man in dem dortigen Umfeld die Freiheit bekommt, Innovation voranzubringen. Die Methode an sich, überraschend auf der Lean Start-Up Konferenz, ist dort relativ gesetzt. Es geht eher darum, die Methode auf das nächste Level zu bringen, um den alteingesessenen Vorgesetzten unwiderlegbare Argumente zu geben, so, dass die Konzernprozesse befriedigt werden. Unter anderem wird gerade daran gearbeitet einheitliche Innovationskennzahlen zu etablieren, welche die Chancen erhöhen sollen, dass Innovationsprojekte genehmigt werden.

 

Allow small ideas to grow big!

Jede große Idee hat mal klein angefangen. Denken Sie an Facebook. Was heute eine Multimilliarde Idee mit über 800 Millionen Nutzern ist, war ursprünglich ein stark segmentiertes Produkt, was nur auf einem einzigen Campus zum Austausch von Gedanken gedacht war. Ohne Fotos, ohne Beziehungsstatus, ohne Videos, ohne Werbung. Wenn also heute jemand sagt, er will das neue Facebook werden, dann denkt er sicher an das jetzige Produkt, aber nicht an den Start. In Konzernen ist es noch extremer, da jedes Innovationsprojekt dort einen Markt verändern soll und nur mit horrenden Umsatzzielen auch zur Umsetzung kommen kann. Aber man sollte nicht sofort an den zehntausendsten Kunden denken, sondern zunächst nur an den ersten. Ideen und Produkte brauchen manchmal Zeit um zu etwas sehr großem zu wachsen.

 

The vision is more important than the idea!

Eine weitere Erkenntnis bezieht sich auf das große Ganze. Ideen sind gut, die Allgemeine Vision dahinter, ist aber wesentlich wichtiger. Nehmen wir als Beispiel Lyft. Ein Startup, das ähnlich zu Uber die Fortbewegungsmöglichkeiten revolutionieren will. Was wie eine Kopie von Uber aussieht, unterscheidet sich in ihrem Ursprung und ihrer Vision relativ deutlich. Weil hier das zwischenmenschliche in der Fahrer-Kunde Beziehung auf ein ganz anderes Level gestellt wird, als bei Uber oder einem Taxi. Und das erkennt man an den rosa Zeichen oder an dem Verhalten untereinander, in einem Lyft.

Ideen können und müssen sich verändern, aber das Große und Ganze, warum man diese Idee verfolgt, sollte als leuchtender Polarstern unverändert bleiben. In Konzernen ist Innovationskultur und die Innovationsvision hierzu von elementarer Bedeutung. Der Ansatz von Alexander Osterwalder mit seiner Culture Map ist, hier die Innovationskultur visionär auszurichten.

 

Be the Innovation Leader!

Das große Highlight für mich war die Community zu erleben und zu erfahren. Der Austausch zwischen einander und die unzähligen Einzelgespräche, Ideen und Erfahrungen waren einzigartig. Die Lean Start-up Idee ist immer noch ein Samenkorn, welches wächst und gedeiht. Sei es in der Start-Up Welt oder in der Unternehmenswelt. Jeder Einzelne kann den Gedanken weitertreiben, indem er seine Erkenntnisse und seine Erfahrungen mit kundenzentrischer Produktentwicklung mit seinen Kollegen teilt und der gedankliche und methodische Innovation-Leader in seinem Unternehmen wird. Indem man Artikel wie diesen mit Ihnen teilt. Auch der Austausch untereinander in der Community ist wertvoll. Der Anfang ist mit dem Lesen hier schon getan.

Lassen sie uns voneinander lernen. Ich würde mich freuen Ihre Erfahrungen in Innovationsprojekten, mit der Lean Start-Up Methode, oder einem anderen methodischen Ansatz, in den Kommentaren zu lesen.

P.S. In der nächsten Woche gibt es auf dem innovationsblog spannende Interviews von Teilnehmern und Sprechern der Konferenz. Dort teilen Sie Ihre Erfahrungen mit der Methode und geben Tipps wie man diese auch im Konzernumfeld anwenden kann.

About Author

Thomas Sontheim ist bei Safari zuständig für Produktinnovationen und erfolgreiche Geschäftsmodellentwicklung. Die Probleme deutscher Konzerne aus ihrem Kern heraus innovativ zu sein, beschäftigen ihn seit geraumer Zeit. Im Telekommunikations- und Medienumfeld sucht er als Projektmanager ständig nach neuen Lösungsansätzen für dieses Problem