Dienstag, Mai 22

Wir waren in den letzten Wochen unterwegs und haben uns verschiedene Corporate Innovation Programme angeschaut und sind dabei auf das Burda Bootcamp der Hubert Burda Media gestoßen. Wir hatten das Glück und konnten einen exklusiven Einblick in das Programm von Burda gewinnen und dabei richtig starke Eindrücke eines jungen, dynamischen und professionellen Teams bekommen, das wir hier auf dem Innovationsblog in den nächsten Wochen vorstellen. Diese 360° Content Strecke zeigt aus allen Blickwinkeln auf, wie erfolgreich Corporate Innovation bei Burda gelebt und erarbeitet wird und wie Burda zum Vorbild der Medienbranche werden kann.

Burda Bootcamp Corporate Innovation Safari
Hallo Natalia Karbasova, wir freuen uns heute bei euch sein zu dürfen. Wie entstand die Idee eines eigenen Innovationsprogramms innerhalb des Burda Konzerns und welches Ziel verfolgt Burda mit diesem Bootcamp?

Die Idee ist organisch aus unserem Hackathon gewachsen, den wir vor einem Jahr das erste Mal organisiert haben. Dabei haben wir uns folgendes gedacht: Wieso nehmen wir nicht diese Leute, setzen sie zusammen, arbeiten mit ihnen zusammen und lassen sie Apps, Webprojekte und digitale Tools entwickeln, die ihnen Spaß machen und uns weiterbringen.

 

Und nach welchen Kriterien wählt ihr die jungen Leute aus, die dann zusammen im Team die Innovationen erarbeiten?

Burda Bootcamp Corporate Innovation Safari

Das Wichtigste für uns ist es, dass wir unterschiedliche Skillsets haben. Das heißt, dass wir wahrscheinlich nie fünf Designer einstellen würden. Bei uns arbeiten die Teilnehmer in Crossfunctional-Teams zusammen. Dieses Mal haben wir 9 Leute im Bootcamp: Drei kommen von der Produktseite, zudem haben wir iOS- und Android-Entwickler, Frontend- und Backend-Entwickler, einen Hardware-Spezialisten und einen Designer.

 

Was müssen denn die verschiedenen Marken mitnehmen, um in das Bootcamp-Programm aufgenommen zu werden und mit welchen Erwartungen starten die jeweiligen Marken dann in das Programm selbst?

So ein Programm beinhaltet immer relativ viel Erwartungsmanagement. Die Burda-Marken, die im Bootcamp mitmachen, müssen verstehen, was auf sie zukommt und welche Projekte „Bootcamp-kompatibel“ sind. Das bedeutet einige Vorgespräche und Checklisten von unserer Seite.

Zudem ist es auch wichtig, dass die Marken bereit sind Zeit zu investieren – unsere Projekte entstehen so schnell, dass wir nicht eine Woche lang auf Feedback warten können. Das heißt: Wir arbeiten permanent mit Feedbackschleifen, die Bootcamper treffen sich jeden bzw. jeden zweiten Tag mit Markenverantwortlichen und evaluieren, ob alles in die richtige Richtung läuft und nach zwei Wochen ist das Projekt meistens abgeschlossen und es geht mit dem nächsten Projekt weiter.

 

Du hast gerade euren schnellen Zyklus erläutert. Kannst du uns dazu ein Beispiel von einem praktischen Ablauf einer Marke bei euch im Bootcamp geben? Wo fängt das Programm an, wo hört es auf?

Am Anfang muss man natürlich immer die Erwartungen abchecken und diese präzisieren. In der ersten Woche beschäftigen wir uns mit Ideenfindung, Brainstorming und Ideen-Zuspitzung, die Bootcamper erfahren mehr dazu, was sie in den zwei Monaten erwartet und lernen die teilnehmenden Marken kennen.

Am Ende der ersten Woche stehen alle Projekte fest. Wir haben dafür spezielle Scope-Definitionen erarbeitet, die uns später bei der Evaluierung der Projekte helfen. Bei uns wird gleichzeitig an zwei bis drei Projekten gearbeitet, Die Bootcamper können sich frei entscheiden, in welchen Teams sie zusammenarbeiten bzw. wer wem helfen kann. Jedes Team hat dabei einen Produktmanager, der die Kommunikation mit den Marken übernimmt, sich Gedanken über das Geschäftsmodell macht und später die Projektergebnisse präsentiert. Ein Produktmanager ist ein Übersetzer zwischen den Programmierern und den Marken und liefert außerdem regelmäßig Updates an mich.

Jedes Projekt beginnt mit einer Idee, die konkretisiert und zugespitzt wird, darauf folgen Mockups und Gespräche mit der Marke über die eingeschlagene Richtung. Falls alles passt und alle auf dem gleichen Stand sind, starten wir mit der tatsächlichen technischen Umsetzung.

Zudem erwarten wir von den Bootcampern, dass sie ihre eigenen Gedanken und Ideen miteinbringen. Es geht ja nicht darum, dass sie wie eine Agentur agieren und genau das umsetzen, was die Marke will. Es ist schon mehrmals passiert, dass die Marken die Ideen besser fanden, die beim Brainstorming entstanden sind. Dabei können die Bootcamper auch durchaus sagen, dass ein Projekt aus verschiedenen Gründen nicht funktionieren wird.

Ursprünglich wurde das Bootcamp als ein Rapid Prototyping Lab angedacht, in dem Prototypen zur Markt- und User-Validierung entwickelt werden. Wir haben das Konzept nun weiterentwickelt und einige Webprojekte bereits online gestellt – ein Beispiel dafür ist Citysider, eine Buchungsplattform für exklusive Stadttouren.

Kannst du uns vielleicht noch ein Best-Practice Beispiel aus den vergangen Jahren geben, gerne auch aus diesem Jahr?

Ein Beispiel, das ich persönlich sehr mag, ist die App „Bunte Star Quiz“. Es geht darum, dass die User kleine Quiz spielen können und dabei Promis raten müssen. Diese App war zu Anfang eigentlich gar nicht als App gedacht, sondern als die Bereinigung einer Datenbank unterschiedlicher Promis für die Website Bunte.de. Ein Bootcamper hat sich dann hingesetzt und diese Datenbank bereinigt, kategorisiert und mit DBPedia, einer maschinell lesbaren Version von Wikipedia verknüpft. Anschließend hat sich der Bootcamp-Designer noch einmal an die Arbeit gemacht und ein paar Designs erarbeitet, wie eine App, die mit automatisierten Daten arbeitet, aussehen könnte. Das hat den Kollegen bei „Bunte“ so gut gefallen, dass sie diese App sofort haben wollten und die Bootcamper mit der Entwicklung beauftragt haben.

Welche Vision erhofft sich Burda selbst durch das Bootcamp?

Wir verfolgen mehrere Ziele damit. Es ist uns wichtig zu lernen, wie man Ideen sehr schnell umsetzt und testet. Jedes Medienunternehmen soll auch ein Technologieunternehmen werden – und dafür ist die Inhouse-Technologiekompetenz ausschlaggebend.

Zudem ist auch Cultural Change nicht zu unterschätzen, damit unsere Marken lernen, mit Entwicklern zusammenzuarbeiten und „lean“ zu agieren. Abgesehen davon wollen wir uns als attraktiver Konzern für junge Menschen mit digitalen Kompetenzen positionieren. Zum Beispiel besuchen unsere Bootcamper „FOCUS Magazin“, FOCUS Online, Huffington Post oder auch Playboy – und bekommen dabei persönliche Führungen durch die Redaktion, oft von Chefredakteuren persönlich.

 

Vielen Dank für das Interview Natalia Karbasova, vielen Dank, dass wir hier zu Besuch sein durften!
Burda Bootcamp Natalia Karbasova Corporate Innovation Safari
Das Burda Bootcamp ist ein zweimonatiges Programm von Hubert Burda Media, das sich an Studenten von IT (Back-End, Front-End, App-Entwicklung, Hardware, Data Science), Design und Business Administration richtet. Im digitalen Labor in München werden Prototypen und Produkte (Apps, Webprojekte, interne Tools) zusammen mit Burda-Marken wie Bunte, BurdaStyle, Focus oder Chip entwickelt – auch ganz neue Startup-Ideen werden ins Leben gerufen.

Dabei arbeiten die Teilnehmer in interdisziplinären Teams und teilen sich selbst je nach Projekt und vorhandenen Skillsets auf. Ergebnisse des letzten Bootcamps: 2 Projekte online, 3 Projekte ready-to-launch, 3 im Prototypen-Status (werden weiterentwickelt). Alle Teilnehmer bekommen Einblicke in die Burda-Welt, von Führungen bei Playboy, Chip-Testlabor, Focus Online und Huffington Post bis Kaminabenden mit den Vorständen. Am Ende der zwei Monate werden alle Projekte beim Demo Day vor Burda-Vorständen, Geschäftsführern und Chefredakteuren vorgestellt. Erfolgreiche Teilnehmer bekommen eine Möglichkeit bei Burda-Unternehmen wie Xing, Holiday Check, TV Spielfilm oder Cliqz einzusteigen.


Das Burda Bootcamp

About Author

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Business Development Marketing, PR und Web-Development in mehreren Unternehmen im In- & Ausland sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und unterstützt die Teams im Bereich Business Model Innovation und Content Marketing. Sein Masterstudium in International Business Studies schloß er mit einer sehr erfolgreichen Masterarbeit über die Übertragung von agilem Management auf Organisationsstrukturen ab.