Dienstag, November 13

Das Austrittsreferendum Großbritannien aus der Europäischen Union ist nur noch wenige Tage entfernt, der Ausgang dennoch noch sehr unklar. Obwohl sich Europa sehr stark darum bemüht hat das vereinigte Königreich durch Zugeständnisse in der EU zu halten, kommt es nächste Woche Sonntag den 26. Juni zur Abstimmung. Die Folgen dieser Entscheidung sind nicht nur historischen Ausmaßes, sondern betreffen vor allem auch direkt die Bundesrepublik und die ganze Finanzwelt Europas. Welche Folgen hat ein möglicher Austritt Großbritanniens auf die EU und auf Deutschland?
 
Nur noch wenige Tage bis zur Entscheidung, das Schicksal des der stolzen Insel liegt offen auf der Waagschale. Die derzeitigen Wahlprognosen prophezeien einen spannenden Wahltag, derzeitige Wahlumfragen schwanken immer mal wieder knapp über die 50% für einen EU-Austritt.  Damit hat sich die Europaskepsis auf der Insel auf ein Rekordniveau befördert. Doch welche Folgen hat der mögliche Brexit auf Deutschland und Europa?

 

1. Brexit, Bremain – Über was genau reden wir hier?

Beide Wörter sind Fantasiewörter, zusammengesetzt aus den jeweiligen Ausgängen der Wahl:

Brexit – Britain & Exit, also dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Bremain – Britain & Remain, also dem Verbleib Großbritanniens in der EU.

Faktisch geht es dabei darum, ob Großbritannien in der Europäischen Union verbleibt oder nicht. Darüber wird in einem werden die Briten in einem demokratischen Referendum am 26. Juni direkt entscheiden. Das ist vor allem deswegen so interessant, weil nicht nur die Folgen schwerwiegend sind, sondern vor allem die EU bisher eher eine Einbahnstraße war. Austritte aus der EU sind sehr selten, bisher kam es nur 1985 zum Austritt Grönlands aus der EU.

 

2. Was bewegt die Briten dazu, aus der EU austreten zu wollen?

Das ist hauptsächlich der Wirtschaft zu verdanken. Großbritannien als relativ reiches Land der EU ist sehr attraktiv für Einwanderer. Sie denken hierbei vor allem an die Flüchtlingskrise? Falsch gedacht. Vor allem aus ärmeren Ost-EU Ländern und südlicheren Staaten kommen tausende Menschen nach Großbritannien, um dort zu arbeiten. Erst letztes Jahr erreichte dadurch die Zahl der Einwanderer einen Rekordwert. Damit musste sich die Regierung Camerons zudem eingestehen, mit ihrem Versprechen die Zuwanderung deutlich zu reduzieren, gescheitert zu sein. Vielen Briten wird es dadurch „zu voll“ auf ihrer Insel. Viele Briten sorgen sich darum, dass Einwanderer ihnen die Jobs wegnehmen und Löhne dadurch fallen. Zudem sind viele Eltern auch besorgt darum, dass nicht mehr genug Kita- und Schulplätze für die einheimischen Schützlinge vorhanden sein könnten. Von daher wollte die Regierung Camerons einen Einwanderungsstopp erlassen, wogegen sich aber Deutschland und Frankreich vehement wehrten. Von daher erwägt Großbritannien jetzt einen kompletten Ausstieg aus der EU.

 
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3. Doch welche Folgen und Risiken wären damit verbunden?

Nunja, die Briten wären damit wohl kein Mitglied des europäischen Binnenmarktes mehr, was vor allem dem Londoner Finanzmarkt schwer zu kosten kommen würde. Vor allem hätten die Banker Probleme damit, ihre Dienste in das europäische Ausland zu verkaufen. Schätzungen zufolge stehen damit bis zu 100.000 Stellen allein innerhalb des Finanzsektors auf dem Spiel. London als Finanzzentrum Europas hätte damit wohl ausgedient. Wäre das womöglich die Chance für Frankfurt? Die Chancen und möglichen Innovationen, die daraus resultieren könnten, sind hingegen schwer abzusehen.
Abgesehen von den Problemen im britischen Finanzsektor, wären Export- und Importzölle wieder möglich, was den internationalen Handel stark beeinflussen und verlangsamen würde. Die EU ist für viele Inselbewohner in erster Linie eine Freihandelszone, die wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Damit kommen wir zu einer ganz simplen Gleichung: Weniger Handel = Weniger Wohlstand → Womit wir wieder am Anfang des Problems wären…

 

4. Wie schnell würde ein Brexit von statten gehen?

Wenn die Briten nächste Woche für den Brexit stimmen, ändert sich nicht gleich die ganze Welt in der Nacht zum Montag. Minimum zwei Jahre würden die Exit-Verhandlungen mit der europäischen Union andauern. Dadurch würde Großbritannien als Nettozahler der EU ausfallen. Diese Bürde müsste dann von den anderen reichen EU Staaten kompensiert werden müssen. Konkret hieße das für Deutschland: 2,5 Mrd. Euro mehr in die EU Kasse einzahlen.
 
Sollte die EU daher stärker versuchen den Brexit zu verhindern und politische Anreize bieten, um den Scheidungsversuch der europäischen Ehe zu verhindern? Interesse dafür gibt es allemal. Dieser Versuch könnte aber auch schnell nach hinten losgehen. Dass die Briten bereits jetzt einige Vorteile und Sonderrechte genießen, wissen wir alle. Allerdings könnte durch eine direkte Einmischung der EU ein Präzedenzfall geschaffen werden. Wenn es Großbritannien weiterhin erlaubt werden würde, die wirtschaftlichen Vorteile der EU zu nutzen, ohne die Kosten und Pflichten der Mitgliedschaft zu tragen, wäre die Gefahr groß, dass andere Mitgliedsstaaten dann dem britischen Vorbild folgen und die EU komplett in sich zusammenbricht.

 

Die aktuellen Wahlprognosen können ziemlich genau im Bloomberg Brexit Tracker angeschaut werden.

 

Wir vom Innovationsblog bleiben an dem Thema dran und beobachten die Wahl nächste Woche ganz genau. Teilen sie uns doch gerne Ihre Meinung zu einem möglichen Brexit mit!

 

Unsere visuelle Quelle der FAZ: http://www.faz.net/-gqe-8i2eh

About Author

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Business Development Marketing, PR und Web-Development in mehreren Unternehmen im In- & Ausland sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und unterstützt die Teams im Bereich Business Model Innovation und Content Marketing. Sein Masterstudium in International Business Studies schloß er mit einer sehr erfolgreichen Masterarbeit über die Übertragung von agilem Management auf Organisationsstrukturen ab.

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