Montag, Juli 23

Im April 2015 wurde ich für eine Vorlesung zum Thema „Innovationen in großen Organisationen“ als Speaker angefragt. Da ich erst kürzlich wieder für nächsten Monat angefragt wurde, hab ich meine Notizen zu dieser Vorlesung einmal niedergeschrieben und meine Gedanken gesammelt.

 

Hierbei handelt es sich um einen Gastbeitrag, der von uns aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurde. Autor des Originalartikels ist Daryl Dunbar.

 

Daryl Dunbar

Daryl Dunbar

 

Auch große Unternehmen KÖNNEN innovativ sein – Obwohl die breite Meinung ist, dass große Organisationen nicht innovativ sein können, widerspreche ich. Natürlich gibt es viele Gründe, warum sie es schwerer haben:

 

• Es ist schwer für große Organisationen immer wieder innovativ zu sein
 
• Sie sind gut darin, „innovativ zu denken“, haben jedoch Probleme diese Innovationen zu implementieren – Neue Konzepte schaffen es nur selten zur Marktreife
 
• Sie sind erfolgreich geworden, konsistent und resistent gegenüber Disruptionen zu sein
 
• Wenn sie innovativ sind, verfolgen sie meist einem High Cost / High Risk Ansatz

 

Auf dem Papier hingegen sollten große Unternehmen gut darin sein, innovativ zu sein:

 

Große Unternehmen sind gut in der Umsetzung
+
Innovationen drehen sich fast ausschließlich um die Umsetzung
=
Große Unternehmen sind gut darin, Innovationen umzusetzen


 

Aber diese Gleichung geht nicht ganz auf – Wieso sind die meisten großen Unternehmen nicht sehr innovativ?

Es liegt an der Unternehmenskultur – Große Unternehmen haben konsistente Charakteristika (vor allem, wenn sie auf dem freuen Markt handeln), diese sind:

 

• Das Bestreben verlässlich und berechenbar zu sein
 
• Sie mögen keinen Wandel, vor allem keine Disruptionen
 
• Sie haben kurzfristige Ziele im Kopf
 
• Sie ersehen Sicherheit
 
• Sie haben eine „Scheitern ist keine Möglichkeit“ Einstellung

 

Diese Eigenschaften machen sie nicht zu natürlichen Innovatoren. Wenn sie dann doch einmal innovativ sein wollen, geschieht dies meist durch einen „Innovationssprung“. Dieser Sprung ist ein großes Event, mit einigen Sicherheiten, meist sehr teuer und Scheitern ist keine Möglichkeit. Diese Methode ist sehr hart (und teuer) zu wiederholen.

Man braucht einen Prozess für Innovationen – Unternehmen müssen die Möglichkeit haben, durchgehend neue Ideen, die wenig kosten, reproduzierbar sind und bei denen Scheitern ein Lernerfolg bedeuten, testen zu können. Das nennt man „Prozess Innovation“ und große, erfolgreiche Unternehmen verfahren genau nach diesem Prinzip. Aber können Unternehmen einfach so von einer „Sprung-Innovation“ zu einer „Prozess-Innovation“ wechseln, ohne dabei ihre eigene Unternehmenskultur zu gefährden?
 
Das Paradoxon des Erfolgs – Je größer ein Unternehmen in Unternehmensgröße und Ertragskraft wird, desto widerstandsfähiger werden diese gegenüber Innovationen, wie diese Grafik zeigt:

 

 

Kultur frisst Strategie zum Frühstück – Diese berühmten Worte stammen von Peter Drucker und sie treffen auch auf Innovationen zu. Mit Verlaub, Kultur frisst auch Innovationen zum Frühstück. Also was kann man machen, um die Unternehmenskultur grundlegend zu ändern, um eine neue, offene und innovationsfördernde Unternehmenskultur zu verankern?

 

Hier sind 5 Tipps, die dabei helfen:

1. Kümmere dich um Unterstützer – Starte kein neues Projekt ohne einen guten Unterstützer, je höher die Seniorität, desto besser. Halte das Risiko für den Unterstützer immer so gering wie möglich, denn man will ja, dass dieser einen weiterhin unterstützt, oder nicht? Immer einen Plan B in der Hinterhand haben – ein gescheitertes Projekt kann immer noch für eine gute Story herhalten! Man muss sich nun mal eingestehen, dass es manchmal okay ist, zu scheitern, solang man aus seinen Fehlern lernt.

 

2. Halte es so günstig wie möglich – Think big, but act small. Erstelle einen auf niedrigen Kosten basierendes Machbarkeitsnachweiß. Teste außerhalb der normalen (eigenen) Geschäftswelt. Nehmen wir Google AdSense als Beispiel – Alles begann damit, dass ein Ingenieur angefangen hat, Werbung in Gmail zu schalten. Google AdSense ist mitterweile eine der größten Einnahmequellen von Google.
 
3. Denk an den Kunden – Im Endeffekt kommt es bei jeder Innovation darauf an, ob der Kunde das Produkt mag. Versuche daher, die Reaktion des Kunden durch Prototypen, die so nah wie möglich am Endprodukt liegen, im vornherein festzuhalten. Nutze anschließend diese Daten dafür, einen Business Case zu erstellen. Amazon ist dafür das perfekte Beispiel. Jedes Projekt beginnt damit, dass eine Pressemitteilung zu einem potentiellen Launch veröffentlicht wird – mit welchen Eigenschaften, welchen Vorteilen? Und wieso sollte der Kunde dieses Produkt haben wollen? Erst danach baut Amazon überhaupt einen Prototypen.
 
4. Erfasse die Landminen – Erkenne die Weichensteller bereits aus der Ferne. Am besten ist es, die Hürden so früh wie möglich zu wissen. Dabei sollte man auch internen Wettbewerb nicht aus dem Auge lassen. Dabei ist Xerox-PARK und deren X Windows System, das 1980 gelauncht wurde, wohl das beste Beispiel. Es war eine fantastische Innovation, aber das Projekt hat keine Finanzierung erhalten, weil es im Wettbewerb zum Kerngeschäft einiger Großkunden lag. Das Projekt selbst schlug fehl, wurde aber wenig später von Apple und Windows kopiert.
 
5. Lass es vertraut erscheinen – Die Aufteilung der Investments ist ein ausschlaggebender Punkt jeder Unternehmenskultur. Man muss verstehen, wie Finanzierungen zustande kommen und wie der Auslieferungsprozess zu Stande kommt. Daher sollte man die Anfrage eines Investments für eine Innovation wie jede andere Investitionsanfrage aussehen lassen.

Also wie verändern wir die Unternehmenskultur nun? – Gar nicht! Am ehesten scheitert man die Unternehmenskultur zu verändern, indem man es versucht, die Kultur direkt zu verändern. Aber das geht nicht so schnell, man kann nicht einfach das ändern, was man halt so macht. Man muss sie schrittweise verändern, genauso wie man auch nur schrittweise seine Verhaltensweisen ändern kann. Die Implementierung von Innovationen wird die Wahrnehmung über das Mögliche im Unternehmen verändern. Von daher spielen Innovationen die Rolle eines Katalysators beim Thema Kulturwandel.

 

Große Unternehmen können Innovationen dazu nutzen, die eigene Unternehmenskultur zu verändern, aber nicht vice-versa.

 

Dazu würden wir in Kommentaren gerne eure Meinung hören!

About Author

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Business Development Marketing, PR und Web-Development in mehreren Unternehmen im In- & Ausland sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und unterstützt die Teams im Bereich Business Model Innovation und Content Marketing. Sein Masterstudium in International Business Studies schloß er mit einer sehr erfolgreichen Masterarbeit über die Übertragung von agilem Management auf Organisationsstrukturen ab.

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