Mittwoch, November 22

Kamera? Film? Kodak! Wir alle kennen Kodak noch als DEN Kamerahersteller aus unserer Jugend. Auch wenn heutzutage Smartphones vielen Kameras den Rang abgelaufen haben, fragt man sich: Wo ist Kodak geblieben? Kodak ist das Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man nicht an technologische Trends anknüpft – selbst wenn man Inventor einer neuen Technologie ist.

1999 noch einer der wertvollsten Marken der Welt, gut 10 Jahre später ständig in den roten Zahlen in Millionenhöhe. Damals kannte jeder Kodak, heute kennt man den „Kodak Effekt“. Wie gerät ein Weltmarktführer binnen weniger Jahre so sehr ins Wanken? Durch strategische Entscheidungen des Managements. Auch bei Kodak war Corporate Innovation ein Thema. Nur wurden daraus falsche Schlüsse gezogen, indem sich Kodak nur auf das operative Management und den derzeitigen Erfolg mit Fotokameras verlassen hatte. Strategische Entscheidungen über zukünftige systematische Veränderungen auf dem Markt wurden kaum beachtet. Obwohl Kodak eine der ersten Firmen war, die im Jahre 1975 Digitalkameras entwickelte, wurde dem Trend der Digitalisierung nicht nachgegangen, woraufhin Kodak im Wettbewerb schon bald nicht mehr bestehen konnte.

 

Was ist also passiert?

 

Obwohl Kodak durchaus eine starke Corporate Innovation besaß, wurde der Fehler begangen, den Wettbewerbsvorteil nicht auszuspielen. Kodak ist damit zum Paradebeispiel für Schwächen im strategischem Management bzw. der Corporate Innovation geworden, wenn es darum geht, an aktuelle Trends anzuknüpfen. Damit Ihnen das nicht passiert, wollen wir ein paar aktuelle Trends zum Thema Corporate Innovation für das Jahr 2016 aufzeigen.

 

#1 Feedback basierend auf Stärken

Es ist kein Geheimnis, dass viele gute Ideen aus den eigenen Reihen kommen. Die Frage ist aber, wie weit diese Ideen im Unternehmen getragen werden. Dass das Unternehmensklima und die Feedback-Prozesse in Unternehmen von entscheidender Bedeutung für die Innovationskraft eines Unternehmens sind, ist kein Geheimnis. Einer Studie der amerikanischen Kollegen von Gallup Consulting in Zusammenarbeit mit der Universität Iowa aus dem Jahr 2006 zeigt auf, dass Mitarbeiter bis zu 21% produktiver arbeiten, wenn sie Freude an ihren Aufgaben haben und ihre Fähigkeiten konkret unter Beweis stellen können. Das fördert nicht nur das Betriebsklima, sondern auch die Motivation der Mitarbeiter.

 

#2 Performance messen anhand von Ergebnissen

Das Engagement von Mitarbeitern kann ebenfalls gesteigert werden, wenn klar gemacht wird, dass es dem Unternehmen um Qualität, nicht Quantität geht. Es geht vorrangig um Ergebnisse, nicht viel Zeit dafür gebraucht wurde, solang sich der Zeitrahmen in einem „normalen Bereich“ befindet. Unnötige Zeitbeschränkungen führen bei vielen Menschen zu sehr viel mehr Stress, der nicht selten Auswirkungen auf die Qualität eines Ergebnisses hat. Was am Ende zählt ist hauptsächlich das Ergebnis. Diese Einstellung sollte an die Mitarbeiter weitergegeben werden. Aus Fehlern gestärkt hervorgehen ist die Prämisse. Fehlschläge sind nicht gleich Fehler, schließlich können daraus neue Erkenntnisse gewonnen werden, die oft entscheidend auf dem Weg zum Ziel sind.

 

#3 Mitarbeiter ortsunabhängig fördern

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich entscheidend auf Corporate Innovation auswirkt, ist die Personalentwicklung. Spätestens durch die immer steigende Qualität von Webinaren und Onlinekursen stehen der Förderung der Mitarbeiter kaum noch Grenzen im Weg. Besonders erfolgreich ist aber nicht nur das Belegen von Kursen für Zusatz- oder weiteren Qualifikationen, sondern das Coaching bzw. Mentoring. Vor allem Mentoring gibt dem Mitarbeiter ein Gefühl der Geborgenheit und ermöglicht den Wissensaustausch zwischen Mentor und Mentee. Vor allem die Erfahrung des Mentors und die Art, wie diese auf einem persönlichen Level vermittelt wird, wirkt sich durchgehend positiv auf die persönliche und berufliche Entwicklung des Mentees aus.

Business Workshop - Welcome on Board
Des Weiteren bieten Onlinedienste Kurse und Trainings rund um die Uhr an, wodurch es dem Mitarbeiter möglich ist, Weiterbildungsmaßnahmen wahrzunehmen, wenn er dafür Zeit hat. Jedoch sollte auch von Arbeitgeberseite dafür Arbeitszeit freigegeben werden, da die Entwicklung der Mitarbeiter letztendlich den Unternehmen zu Gute kommt. Selbst für potentielle Bewerber gelten Weiterbildungsmaßnahmen mittlerweile als eines der ausschlaggebenden Kriterien bei der Bewerbung und sollten damit besonderen Wert im Unternehmen erhalten. Damit stärken innovative Unternehmen ihren eigenen Mitarbeiterpool nachhaltig.

 

#4 Spiel und Spaß erzeugt Spannung

Microsoft fand 2013 in einer Studie heraus, dass die durchschnittliche Spanne der Aufmerksamkeit eines Kanadiers nur noch 8 Sekunden beträgt. Noch drei Jahre zuvor konnten sich Kanadier 12Sek. lang konzentrieren. Hier zeigt sich, laut der Studie, der direkte Einfluss digitaler Medien, vor allem von Smartphones. Um die Aufmerksamkeit von Mitarbeitern sowie von Kunden zurück zu gewinnen, müssen Unternehmen kreativ werden. Der Schlüssel liegt in der „Gamification“ – der spielerischen Darstellung und Anwendung von Inhalten, die Spaß machen, sowie dem Storytelling, Wissenswertes in Geschichten zu verpacken. Menschen wollen Spannung erleben. Damit bleiben Mitarbeiter in Schulungen oder Meetings länger gedanklich beim Thema. Zudem schweifen Kunden in einer unterhaltsamen Verkaufssituation nicht so schnell ab.

 

#5 Werbe-Ansätze neu erfinden und umsetzen

Unternehmen brauchen in Zukunft mehr denn je ein Top-Marketing. Vor allem für Onlinewerbung etabliert sich ein immer populärer werdender Trend: der Ad-Blocker. Er ermöglicht es Usern, Werbung generell oder gezielt zu blockieren. Die strategische Marktforschung wird mittels Kundenzufriedenheitsanalyse nicht nur Produktinnovationen, sondern auch Verbesserungen in der Interaktion mit Kunden hervorbringen müssen. Marketeers benötigen Vermarktungsideen mit Werbung, die nicht nur gezielt auf die Zielgruppe abgeschnitten sind, sondern vor allem nicht als Werbung empfunden werden. Dazu müssen die Werbemaßnahmen mit ausgeklügelten Konzepten direkt ein Bedürfnis bzw. ein Verlangen bei der Zielgruppe ansprechen. Mit gutem Beispiel voran, installierte z.B. M&C Saatchi das erste intelligente Poster in London. Es reagiert auf die Emotionen seines Betrachters und ändert entsprechend seiner Stimmung Layout und Schrift. Ein Trick, der das Gefühl von Nerv-tötender Werbung nimmt und sich vor allem viral verbreitet. Virales Marketing ist dabei eine Königsdisziplin des Marketings. Wer es schafft, eigene potentielle Kunden als Werbetreibende für das eigene Produkt zu gewinnen, generiert heutzutage durch die sozialen Medien eine unglaublich große Reichweite.

 

#6 Innovative Unternehmen verbinden ihre Kunden

Connection Economy

Hinter den Begriffen “Connection Economy” und “Sharing Economy” verbergen sich ebenfalls neue Trends zum Thema Corporate Innovation. Beide liegen dicht beieinander. Sie sprechen das gleiche Bedürfnis eines jeden Kunden an: Sich mit Gleichgesinnten zu verbinden. Dadurch entsteht aus einer Vielzahl von Kunden, die früher einfach nur ein Produkt kauften, eine ganze Community mit langfristigem Mehrwert – weit über den Kauf hinaus.
Facebook und Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo oder Kickstarter sind wohl zwei der bekanntesten Beispiele für die Connection Economy. Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen sind grundsätzlich verschieden. Dennoch verfolgen sie eine gemeinsame Strategie: Beziehungen und Verknüpfungen unter den Usern zu ermöglichen. Consumer mit Content zu verbinden und Käufer mit Verkäufern. Facebook ist einer der wichtigsten Social Media Kanäle, ohne einen einzigen Medieninhalt selbst zu produzieren. Crowdfunding Unternehmen bieten keine eigene Investmentprojekte an – sie bieten lediglich die Plattform für andere Projekte und deren Generierung von Investoren.

 

Sharing Community

 

Sharing Economy

Auch die neuen Platzhirsche Uber und AirBnB verfolgen ähnliche Strategien. So ist Uber eines der weltweitgrößten Taxi-Unternehmen, ohne ein einziges Fahrzeug zu besitzen oder einen Fahrer angestellt zu haben. AirBnB bietet den größten Pool an verschiedenen Unterkünften, ohne eine einzige Immobilie zu besitzen. Ihre Zielgruppe – Menschen die einen Mehrwert für alle Beteiligten
wünschen, um aus dem ‚Ich’ ein ‚Wir’ zu erschaffen – wächst stetig. „Teile, was Deins ist zum Wohle der Allgemeinheit – und verdiene damit Geld!“ Selbst große Hotelketten haben dadurch diese simple, aber disruptive Geschäftsidee einen starken Konkurrenten bekommen. Innovative Unternehmen unter den Hotels nutzen den Grundgedanken und werden Teil der Sharing Economy. Aus dieser Situation heraus gründete Hyatt die Marke One fine Stay und Wyndham Love home swap. Beide Marken verfolgen das gleiche Grundprinzip wie AirBnB, allerdings an den hohen Standard der Mutterfirma angelehnt.

 

#7 Individuelle Corporate Innovation 2016

Die Geschäftsmodelle in vielen Branchen verlagern sich immer mehr von einer Befriedigung des Massenmarktes auf die Eroberung von Nischenmärkten. Ob die Förderung einzelner Mitarbeiter mit besonderen Talenten, die Gestaltung innovativer und interaktiver Marketingmaßnahmen oder die Umsetzung von Produkten mit klar definierten USPs für den Kunden. Um sich im harten Wettbewerb behaupten zu können, ist die strategische Planung des Unternehmens und damit die Innovationsleistung von wesentlicher Bedeutung.

Kleine Start-ups mögen in dieser Hinsicht oft flexibler als etablierte Konzerne sein. Hintergrund dafür ist in vielen Fällen der fehlende Mut, der Tunnelblick der großen Unternehmen oder die Nichtverwendung von agilen Methoden. Das Hauptaugenmerk für viele Manager liegt auf dem operativen Geschäft – auf der Liquidität und dem Profit. Das sind ohne Frage wichtige Faktoren. Allerdings sollte der Horizont auch über das operative Management und damit dem derzeitigen Stand des Unternehmens hinausgehen. Strategisches Management und der damit verbundene Überblick über zukünftige Wettbewerber, auch aus offensichtlich anderen Branchen, und die Förderung von Corporate Innovation, ist zwingend notwendig, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Oft sind selbst die schärfsten Konkurrenten für Marktführer auf den ersten Blick nicht klar ersichtlich. Man denkt z.B. nicht daran, dass die größte Gefahr für Bohrmaschinenhersteller nicht andere Anbieter, sondern vor allem die asiatische Klebstoffindustrie ist. Frei nach der Leitfrage von Peter Drucker sollte man sich eine Kernfrage immer wieder stellen: „What business are we really in?“ – In unserem Beispiel: dem Geschäft mit dem Befestigen von A an B.

Darauf muss geachtet werden!

Kein Unternehmen möchte einen „Kodak Effekt“ erleben. Daher ist vor allem Corporate Innovation heutzutage wichtiger denn je. Inspiration dafür gibt es meist genug. Ob aus den eigenen Reihen oder von anderen Branchen inspiriert. Innovationen müssen nicht immer direkt disruptive Produkte sein. Auch Prozesse oder erfolgreiche Konzepte anderer Branchen können im eigenen unternehmerischen Kontext zu starken Innovationen führen. Daher sollte auch ein Augenmerk auf andere Branchen liegen. Der Schlüssel für den derzeitigen Erfolg eines Unternehmens liegt im operativen Management. Der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg allerdings im strategischen Management und damit vor allem in der Corporate Innovation eines Unternehmens.

 

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Quellenangaben

Bilder:

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About Author

Hendrikje Lyhs befindet sich im vorletzten Semester ihres Publizistik-/Wirtschaftsstudiums, welches sie parallel zu ihrer inzwischen abgeschlossenen Pilotenausbildung bei der Lufthansa studiert. Auf der Suche nach neuen Themen & Trends hat sie immer auch das „große Ganze“ im Blick .

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