Mittelstand meets Startups – Deutschland Sorgenkind der Innovation

Das Corporate Startup Meetup München geht durch den steigenden Erfolg bereits in die fünfte Runde und wir freuen uns sehr darauf. Am 28. Juni kommen Zukunfts- und Innovationsinteressierte, Corporates, Gründer und Experten im WERK1 (Nahe Ostbahnhof München) zusammen, um sich dem nächsten Top-Thema anzunehmen: Mittelstand meets Startups – Deutschland Sorgenkind der Innovation? Wir haben einige Speaker dieses Abends unter der Moderation von Christopher Meyer-Mölleringhof genauer zum Thema Innovation im Mittelstand befragt und wollen euch diese Insights natürlich nicht vorenthalten.

 

Wieso das Thema Mittelstand?

Christopher: Profilbild_legere-e1491141872541Ich glaube Deutschland und vor allem der deutsche Mittelstand als Rückgrat haben ein Innovationsproblem. Der Mittelstand ist stark in den Bereichen Produktivität, Qualität und German Engineering. Aber wenn es um das Thema Innovation geht, hinkt er hinterher. Das sehen wir in der Praxis vor allem dann, wenn es darum geht aus Ingenieursleistungen auch innovative Geschäftsmodelle abzuleiten. Ich denke, dass wir Deutschen und gerade der Mittelstand sich im bewährtem Terrain zu Tode optimieren, es ihnen aber extrem schwer fällt, sich kreativ an neue Ufer heranzuwagen.

 

 

Und warum tut sich gerade der deutsche Mittelstand dabei so schwer?

Christopher: Das sind zwei Dinge. Vieles ist auf unsere Kultur zurück zu führen. Wir Deutschen sind sehr sicherheits-bedürftig. Innovation wird selten disruptiv gedacht, dafür ist die Angst viel zu groß. Die großen Visionen, aber auch eine Kultur des Scheiterns fehlen. Das führt im Prinzip dazu, dass sich auch explorative Herangehensweisen noch nicht durchgesetzt haben und die großen Dichter und Denker dieser Welt mittlerweile ihr Glück wo anders suchen.

Zum zweiten denken wir noch sehr stark in Silos. Was hätten wir nicht schon alles erfinden können, wenn wir unseren Blick mehr auf die Vernetzung und den Austausch zwischen Wissenschaften und Branchen gelegt hätten.

 

Wie glaubst du lässt sich dieses Problem lösen?

Christopher: Wir als Gesellschaft müssen in drei zentralen Bereichen umdenken:

Erstens müssen wir endlich Bildung neu denken. Unser Bildungssystem stammt aus dem 19. Jahrhundert und vermittelt nicht mehr die Kompetenzen, die wir in Zukunft im Kollektiv brauchen: Kreativität, Empathie und Problemlösungskompetenz. Wir dürfen Innovation in der Bildung nicht auf das iPad oder auf Informatikfächer reduzieren. Wir müssen meiner Meinung nach ein neues, innovatives Bildungskonzept erarbeiten, wonach die Kinder für die Zukunft lernen und nicht für die Vergangenheit.
Zum zweiten müssen Unternehmen endlich auf eine neue Führungskultur umstellen. Innovation heißt Kreativität. Kreativität heißt aber auch Regeln brechen. Ich glaube, dieser deutsche „Kadaver-Gehorsam“ bringt uns einfach nicht mehr weiter. Er erstickt Innovation im Keim. Wir reden in deutschen Unternehmen oft über Quoten. Wie wäre denn mal eine Querdenker Quote in deutschen Unternehmen?
Zum dritten müssen wir den Strukturwandel endlich ernst nehmen. Wir sehen ja jetzt schon Mittelständler die Schwierigkeiten haben Nachwuchs zu finden – oft einfach deswegen, weil sie in der Pampa ansässig sind. Das liegt daran, dass die Regionen unattraktiv sind, aber auch, dass die dort ansässigen Unternehmen rückständig denken und noch kein Austausch mit der Wissenschaft und der Startup Szene besteht. Ich glaube der Strukturwandel wird eines der zentralsten Themen der Zukunft werden und das muss dringend ganz oben auf die Agenda. Ich habe da Ideen, Überlegungen und auch Lösungsansätze und ich freue mich darauf, das mit den Gästen am 28. Juni zu diskutieren.

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Zudem haben wir auch den Unternehmer und Bundestagskandidaten Daniel Föst interviewt:

Es sagen viele, dass der deutsche Mittelstand nicht gerade innovativ ist und Schwierigkeiten hat in die Gänge zu kommen.

 

Daniel, was sagst du dazu?

Daniel: IMG_1365-e1490891358821Der deutsche Mittelstand ist immer noch einer der führenden Unternehmensbereiche der Welt, aber in der Tat tun sich viele Unternehmen schwer in die Digitalisierung einzusteigen. Unser Mittelstand hat Probleme mit neuen Geschäftsmodellen, die gerade entstehen. Das ist ein neues, disruptives Feld.

Ich denke, dass wir das in Deutschland deutlich verbessern müssen. Zum Beispiel brauchen wir eine von der Steuer absetzbare Forschungsförderung. Gerade einmal 2.6% des BIP fließt in Forschung und Entwicklung. Daraus müssen deutlich über 3% werden, damit wir auch als Gesellschaft und Wirtschaft innovativ bleiben. Außerdem müssen wir ganz dringend dafür sorgen, dass das Wissen, das in Universitäten, Fachhochschulen und Startups entsteht, in Verbindung kommt mit der „alten“ deutschen Wirtschaft, die schweißt und bohrt. Auch die braucht moderne Maschinenführung, auch die braucht Digitalisierungskonzepte. Das sind die zwei wichtigsten Punkte, wo Politik Rahmenbedingungen schaffen muss: Forschungsförderung und Wissenstransfer von Universitäten, Fachhochschulen und jungen Startups in die Wirtschaft.

 

 

Jedes Unternehmen hat ja mal als „Startup“ angefangen. Wir wollen uns ja auch dem Startup Thema öffnen, dabei die Frage:

 

Was muss in Deutschland passieren, damit junge Startups die Energie bekommen, um sich zu entwicklen und die nächste Generation des Mittelstands zu werden?

Daniel: Da können wir jetzt gerne eine Stunde reden. Die Gründungen in Deutschland sind auf dem niedrigsten Stand seit der Nachkriegszeit. Daher halte ich es für dringend notwendig, dass wir einen Gründer-Boom auslösen. Es gibt sehr viele Ansatzmöglichkeiten, die zwei wichtigsten sind:
Wir müssen das Thema Wirtschaft, Unternehmertum, Gründen und Digitalisierung schon in der Schule verankern. Schüler müssen den Umgang mit digitalen Medien, Netzwerken etc. schon in der Schule lernen: Was macht ein Unternehmer, was steht in seiner Verantwortung und was macht wirtschaftlich Sinn?

Der zweite wichtige Punkt ist ein Fachthema: Ich denke, dass wir dringend ein Venture Capital Gesetz brauchen, damit junge Unternehmen besser an Eigenkapital kommen können. Wenn sie richtig in den Markt einsteigen wollen, brauchen sie nun mal Geld. Und nirgendwo in der Welt tun sich junge Unternehmen so schwer an Venture Capital zu kommen wie in Deutschland. Deswegen brauchen wir ein Venture Capital Gesetz.

 

Man unterstellt dem deutschen Mittelstand, Schwierigkeiten zu haben sich digital zu transformieren. Dazu haben wir mit Lin Kaiser, selbst erfolgreicher Unternehmer, gesprochen:

 

 

Woran hakt es und was würdest du den Unternehmern raten?

Lin: Ich glaube, dass wir hier in Deutschland allergisch gegenüber Hypes sind. Vor allem in der digitalen Welt werden viele Dinge sehr stark „überhyped“. Viele Manager von Unternehmen sind daher eher zurückhaltend und reagieren eher ablehnend gegenüber neuen Themen. Ich glaube, dass man da sehr aufpassen und das Ganze differenziert betrachten muss und nicht sofort nur an einen Hype denken sollte. Denn dann besteht die Gefahr den Anschluss zu verlieren. Man muss aber auch mit der Tugend eines Gründers auf dem Boden bleiben und darf nicht sofort abheben. Elektromobilität und viele andere Dinge sind gute Beispiele dafür, dass manchmal einfach die Zeit reif ist für einen kompletten Umbruch. Wenn man dann als Unternehmer nicht genau aufpasst, kann man ganz schnell von der Bildfläche verschwinden.

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Danke Christopher, Daniel und Lin für die Interviews! Wir freuen uns euch und andere großartige Speaker auf dem Corporate Startup Meetup München am 28. Juni begrüßen zu dürfen! Alle weiteren Infos und kostenlose Anmeldung zu der Veranstaltung findet ihr unter www.corporate-startup-muenchen.de

Christoph Kornstaedt

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Business Development Marketing, PR und Web-Development in mehreren Unternehmen im In- & Ausland sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und unterstützt die Teams im Bereich Business Model Innovation und Content Marketing. Sein Masterstudium in International Business Studies schließt er derzeit mit seiner Masterarbeit zur Übertragung von agilem Management auf Organisationsstrukturen ab.