Mittelstand meets Startups – eine Gesellschaftsaufgabe!

Die erfolgreiche Verzahnung unserer (alten) Wirtschaft mit der innovativen Startup-Welt ist eine der zentralsten und wichtigsten Aufgaben der Zukunft! Nun gut, warum? Das werde ich öfter gefragt – und das ist meine Antwort:
 
Es geht um nicht mehr als unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationsfähigkeit. Im 20. Jahrhundert haben Skalierung und Internationalisierung unseren Wohlstand gesichert. Nun leben wir heute in vollkommen erschlossenen und gesättigten Märkten. Nur Innovation wird weiter Wachstum bescheren und unseren Wohlstand sichern. Zumal die Digitalisierung viele unserer bestehenden Triebfedern der Wirtschaft arg in Gefahr bringt. Wir stehen mit der Digitalisierung vor einem gewaltigen Paradigmenwechsel, der nicht einfach mit den Auswirkungen der Industrialisierung gleichgesetzt werden kann. Schaffen wir es aber, unsere alte Wirtschaft mit jungen innovativen Startups zu verzahnen, so kann das die nächste wirtschaftliche Kernfusion bedeuten, die auch auf die gesellschaftliche Ebene abstrahlt.
 

Innovation für die Wirtschaft:

Ich glaube, bei diesem Punkt kann ich mich kurz halten. Durch die Verzahnung der (alten) Wirtschaft mit jungen Startups kann eine klare Win-Win-Situation für beide Seiten entstehen. Reifere Unternehmen bekommen den dringend notwendigen Innovations- und Digitalisierungsimpuls, sowie zugleich auch den Zugang zur hippen Startup-Szene, um den so gravierenden Mangel an jungen innovativen Leuten besser adressieren zu können. Junge Startups könnten über Family Offices und weitere Arten der (finanziellen) Unterstützung profitieren. Aber auch der Zugang zu Assets, Know-How und Märkten ist unerlässlich, um als Startup wirklich durch die Decke zu gehen. Denken wir dabei zum Beispiel an unsere aufstrebende B2B-Startup-Szene oder die universitären Ausgründungen im Technologie-Bereich. Dort ist Geld nicht alles. Ohne den Zugang zur etablierten Wirtschaft könnten viele radikal neue Geschäftsmodelle niemals realisiert werden.

Berufsausbildung im Handwerk: Jugendlicher und Lehrer an einer CNC Maschine
 

Innovation für die Gesellschaft:

Aber auch auf gesellschaftlicher Ebene könnten wir so viel gewinnen!

Stellen wir uns jetzt einmal vor, wir würden es schaffen, die bis dato getrennten Ökosysteme zu fusionieren und vor allem den (ländlichen) Mittelstand mit der hippen urbanen Startup-Szene zu verzahnen?! Welche positive Folgen das für unsere Regionen haben könnte?! Kaum auszumalen, oder?! Schaffen wir zum Beispiel echte physische Begegnungsstätten auf halber Strecke – so wäre damit eine Revitalisierung der Regionen möglich. Denken wir doch einmal an Bayern und den so starken Mittelstand im weiten Speckgürtel um München herum! Beispielsweise Landshut, Augsburg, Rosenheim und Co..

Schaffen und fördern wir vor Ort, mit Hilfe der Politik, lokaler Bildungseinrichtungen und den dort ansässigen Unternehmen, echte physische Begegnungsstätten, so ließen sich dort beide Welten zusammenführen. Würden diese physischen Begegnungsstätten nun auch noch von den großen Münchner Konzernen als Sattelitenbüros genutzt, zusammen mit Mittelstand und Startups?! Stellt euch das mal vor! Das würde vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und halb Augsburg das Pendeln ersparen und anderen ermöglichen, aus der überfüllten und überteuerten Großstadt München heraus zu ziehen. Mit entsprechend attraktiven (politischen) Rahmenbedingungen für diese Begegnungsstätten und weiterführender Städteentwicklung ließe sich so der Druck aus den Ballungszentren nehmen, mit positiven Folgen für Mietmarkt, Pendlerstrom, Verkehr und CO2-Bilanz.

 

Wie und warum? Diese Begegnungsstätten wären de facto große Co-Working-Locations, die zusammen von ansässigen Unternehmen und öffentlicher Hand aufgebaut und finanziert werden könnten. Eine Art Public-Private-Partnership, die dafür sorgt, dass sich wirtschaftliches Treiben auch außerhalb der Ballungszentren wieder stärker entwickelt. Die Vermietung bestimmter Flächen an Startups würde die Innovationsfähigkeit des gesamten Konstrukts anheizen und den ernsthaften physischen Austausch beider Welten sicherstellen. Bauen wir diese Art von Begegnungsstätten satellitenartig um die Großstadt München herum, so ließe sich eine Dezentralisierung von wirtschaftlichen Aktivitäten fördern.
 
Network and Connection technology concept with Bangkok Expressway top view in panorama at sunrise, Thailand.
 
Und nur die konsequent geförderte Ansiedlung solcher Satteliten-Büros würde die so dringende Revitalisierung der Regionen ermöglichen. Mit dieser Aufwertung der Regionen ließe sich Landflucht und Pendelei, sowie Verkehr und CO2-Bilanz reduzieren. Eine Aufwertung der Regionen mit Arbeit und Lebensstandard würde auch ein Verlassen der Großstädte wieder attraktiver machen, mit positiven Folgen für explodierende Mietmärkte. Denn seien wir mal ehrlich! Bauen wir nur mehr Wohnungen, so ziehen auch immer mehr nach. Nur die Aufwertung der Regionen wird unsere Wohnmarkt-Dramatik nachhaltig entspannen.
 
Was meine ich mit attraktiven politischen Rahmenbedingungen? Lasst uns doch einmal radikal neu denken! Wie wäre es denn, wenn diese physischen Begegnungsstätten auch als Testlabore dienen könnten? Zum Beispiel für eine digitalaffinere Gesetzgebung in den Themenbereichen Arbeit, Datenschutz und Co.. Eine grüne Testwiese, auf der sich Konzern, Mittelstand und Startups treffen, um Zukunft zu wagen. Eine grüne Wiese, wo Konzern und Mittelstand einmal all das ausprobieren, was sie zuhause sonst nicht dürfen?

Eine Wiese, auf der Startups auch einmal Startups sein dürfen? Und dann schaut man gemeinsam, was funktioniert und was nicht. Warum ließen sich solche Testlabore nicht auch als Anstoß für gesellschaftliche Veränderungen nutzen? Die Politik wird ohne Best Practice niemals den Mut finden, darüber auch nur eine Debatte zu eröffnen! Lasst uns also unsere eigenen Best Practices schaffen! Testlabore für wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovation sozusagen? Wie bahnbrechend wäre das bitte?!

 

Bottom Line:

Ihr seht, das Thema ist hochbrisant. Aber ihr seht auch, dass dieses Thema ganz viele aktuelle Herausforderungen adressieren kann. Kein Land der Welt hat bessere Voraussetzungen dafür! Aber das heißt auch, dicke Bretter zu bohren und eine große Anzahl relevanter Stakeholder aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenzuführen. Diese gilt es zu finden. Diese gilt es zu vernetzen. Und diese gilt es zu unterstützen. Liebe Innovatoren, traut euch! Ich weiß, dass es euch da draußen gibt!

Christopher Meyer-Mölleringhof

Christopher Meyer-Mölleringhof hat einen Bachelor-Abschluss an der WHU Vallendar und einen Master-Abschluss an der IE University in Madrid gemacht. Bei Safari Consulting hilft er Unternehmen dabei, Innovationen zu realisieren. Seiner Meinung nach stehen Wirtschaft und Gesellschaft vor einem grundlegenden Paradigmenwechsel. Demnach verlieren alte Regeln an Gültigkeit und bedürfen einer Neubewertung. Christopher setzt sich dafür ein, Themen neu zu denken, anders zu machen und damit den Status Quo herauszufordern.

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