Mit der Culture Map eine Innovationskultur designen

Die Tatsache, dass Innovationskraft für den wirtschaftlichen Aufstieg und den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens eine entscheidende Rolle spielt, ist seit langem unbestritten. Doch wieso schaffen es bestimmte Firmen, ihr Geschäftsmodell zu verbessern, es ständig an veränderte Marktbedingungen anzupassen oder sich komplett neu zu erfinden, während dies anderen Unternehmen sichtlich schwer fällt?

Alexander Osterwalder, Autor der Bestseller Business Model Generation und Value Proposition Design glaubt die Antwort zu kennen. Der Erfinder des Business Model Canvas entwickelte nun zusammen mit Dave Gray, dem Verfasser von The Connected Company, ein weiteres Werkzeug für Innovatoren, Visionäre und Game-Changer, um die Innovationskraft von Unternehmen zu stärken und erfolgreichere Firmen zu designen:

The Culture Map

Was genau die sog. Culture Map ist, wie das Tool funktioniert und wieso Dave Gray die Organisationskultur als „elephant in the room“ bezeichnet, erfahrt ihr in den nächsten Absätzen…

 

Culture –The Elephant in the Room

Viele Unternehmer und Akademiker sind sich der großen Bedeutung von Innovation bewusst. So war z.B. Steve Jobs davon überzeugt, dass Innovation den Unterschied zwischen Leadern und Followern ausmacht (Bessant/Tidd). Zudem kommen zahlreiche Studien zu dem Ergebnis, dass innovative Firmen wirtschaftlich erfolgreicher agieren als ihre weniger innovativen Wettbewerber (PwC, 2015).

Um heutzutage jedoch dauerhaft innovativ und nachhaltig erfolgreich agieren zu können, reicht dies laut Alexander Osterwalder alleine nicht mehr aus. Um langfristig auf dem Markt bestehen zu können, müssen Firmen den sog. „Kodak Moment“ vermeiden. Damit bezeichnet er die Entwicklung von innovativen Firmen wie Kodak, Nokia oder Blackberry, die innerhalb weniger Jahre zu unbedeutenden – wie er es nennt „disposable companies“– geworden sind. Trotz Innovationen sind diese Firmen bankrott gegangen. Was war der Grund dafür? Solche Unternehmen haben sich nur auf die Verbesserung ihres existierenden Geschäftsmodells fokussiert, anstatt ihre Ressourcen auch für die Suche nach zukünftigen Geschäftsmodellen zu verwenden.

"ambidextrous organizations": Mit Beidseitigkeit zum Erfolg
ambidextrous organizations: Mit Geschicklichkeit zum Erfolg

Alexander Osterwalder ist der Meinung, dass sich Firmen zu sog. ambidextrous organizations entwickeln müssen. Darunter versteht man Unternehmen, die zum einen inkrementell agieren und ihre Geschäftsmodelle stetig verbessern (eng. improve). Zum anderen befinden sie sich auf ständiger Suche nach andersartigen Geschäftsmodellen (eng. invent) und erschließen auf diese Weise neuartige Wachstumsmotoren (sog. growth engines). ambidextrous organizations müssen also zur gleichen Zeit sowohl inkrementell als auch radikal innovativ agieren. Den Spagat zwischen einer sog. „improve“ culture und einer „invent“ culture zu meistern, stellt Firmen vor eine große Herausforderung.

 

The right culture can change the art of what`s possible in Organizations“

 (Yves Pigneur – Autor und Professor)

 

Somit müssen Unternehmen, die dauerhaft und nachhaltig erfolgreich sein wollen, auch ihre Organisationskultur entsprechend anpassen. Aber was genau versteht man darunter? Sie wird alsdie Grundgesamtheit gemeinsamer Werte, Normen und Einstellungen, welche die Entscheidungen, die Handlungen und das Verhalten der Organisationsmitglieder prägen“ verstanden.“ (Gabler Wirtschaftslexikon)

Kultur ist ein kollektives Phänomen und schwer greifbar, da es viele Elemente umfasst
Der Begriff Kultur umfasst viele Elemente und ist daher schwer zu definieren

 

Es wird schnell klar, dass der Begriff der Organisationskultur ein komplexes und deshalb nur schwer greifbares Konstrukt darstellt. Der Begriff Kultur ist immer ein „kollektives Phänomen“ und schwer zu verändern (G. Hofstede). Nicht umsonst bezeichnet Dave Gray die Kultur als „elephant in the room“ – Ihr Zustand wird häufig nicht einmal thematisiert, er ist meist sogar nicht diskutabel. Trotzdem stellt die Kultur die größte Herausforderung innerhalb eines Veränderungsprozesses dar.

Um also eine Veränderung einer bestehenden Kultur herbeizuführen und eine innovative Startup Culture zu designen, die sich u.a. durch Zusammenarbeit, eine gesunde Fehler- und Lernkultur, Experimentierfreude und „Rapid Prototyping“ auszeichnet, bedarf es praktischer Werkzeuge wie z.B. der Culture Map.

 

Was ist die Culture Map?

 

If you want to understand a culture, you need to map it

(Dave Gray, Autor und Unternehmer)

 

Eine Unternehmenskultur zu verstehen, sie abzubilden und dadurch einen Kulturveränderungsprozess anzustoßen und zu vereinfachen, ist das Ziel der Culture Map. Das von Dave Gray entwickelte und zusammen mit Alexander Osterwalder angepasste Werkzeug ist ein praktisches, verständliches und einfach zu handhabendes Tool, um erfolgreichere Firmen zu designen.

Es hilft Einzelpersonen, Arbeitsgruppen und ganzen Unternehmen eine interne Analyse ihrer Firmenkultur durchzuführen, diese zu bewerten und nötige Schritte hin zu einer erwünschten Lean Startup Culture einzuleiten. Allgemein stellt die Culture Map ein Change Management Werkzeug dar und kann als zentraler Ausgangspunkt für viele Transformationsprozesse dienen. Deshalb bezeichnet Dave Gray die Culture Map auch als „Keystone of the arch“– als elementaren Eckpfeiler und Fundament solcher Veränderungsprozesse.

 

Wie funktioniert die Culture Map?

 

Die Culture Map ist in drei horizontale Felder eingeteilt. Als Startpunkt der Culture Map dienen die internen Verhaltensweisen (eng. Behaviours) eines Individuums, eines Teams bzw. einer Organisation wie z.B. konkrete Verhaltensmuster und Interaktionen.

Diese führen je nach Ausprägung des Verhaltens zu positiven oder negativen Ergebnissen (eng. Outcomes), welche in der oberen Box der Culture Map eingetragen werden. Um eine Lean Startup Culture zu implementieren, sollte zum Beispiel das Erschaffen neuer „Growth Engines“ sowie andere Maßnahmen im Vordergrund stehen, etwa innovationsbegeisterte, talentierte Mitarbeiter an die Firma zu binden.

Schließlich wird die dritte Box befüllt. Sie bietet Platz für die positiven und negativen Gegebenheiten (eng. Enabler/Blocker), die die firmeninternen Verhaltensweisen letztendlich bedingen. Damit sind sie mitentscheidend dafür, inwieweit sich eine Unternehmenskultur zum Positiven oder Negativen verändert. Beispiele hierfür sind z.B. Unternehmensregeln, -strategien, Routinen oder Gewohnheiten, die sich positiv oder negativ auf interne Verhaltensweisen auswirken. So stellt etwa ein gutes Bonussystem einen sog. Enabler dar, während ein zu geringes Budget für dringend benötigte Materialien wie z.B. Sticky Notes als Blocker aufzulisten wäre. Ziel einer Lean Startup Culture muss es sein, die Zahl der Enabler zu erhöhen und gleichzeitig die identifizierten Blocker zu eliminieren. Hier könnt ihr die Culture Map downloaden. (Quelle:www.xplaner.com)

Um ein möglichst ganzheitliches und reales Bild einer Unternehmenskultur zu erhalten, sollten jedoch auch mögliche Beziehungen und Abhängigkeiten der drei definierten Elemente sowie der jeweiligen Felder zueinander berücksichtigt und diskutiert werden.

Einige Best Practices, um die Culture Map zielführend anzuwenden, sollten ebenfalls berücksichtigt werden:

 

Arbeite Schritt für Schritt:

Um effektiv zu arbeiten und sich nicht in endlosen Diskussionen zu verlieren, sollte man „Schritt für Schritt“ vorgehen und immer nur ein Kulturelement fokussiert diskutieren.

 

Sorge dafür, dass die Culture Map sichtbar ist:

Nach Fertigstellung der Culture Map sollte sie für jedermann sichtbar platziert werden – etwa im Büro oder Konferenzraum, um alle Beteiligten an erwünschte Veränderungen oder verteilte Arbeitspakete zu erinnern.

 

Entwickle die Culture Map stetig weiter:

Die Culture Map sollte nicht als „fertiges Dokument“ betrachtet, sondern stetig weiterentwickelt werden. Nur dann kann sie zu einer Kulturveränderung beitragen. Zum Beispiel sollte sie in wiederkehrenden Abständen überprüft und in unternehmensinterne Abläufe und Prozesse integriert werden.

 

In diesem Video zeigt euch Alexander Osterwalder, wie man am besten eine Innovationskultur etabliert:

 

 

Fazit

Firmen investieren viel Zeit und Geld in das Thema Innovation, um einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu erreichen. Dies wird durch das Erschaffen einer innovationsfördernden Unternehmenskultur erst möglich. Dave Gray bezeichnet diese auch als „elephant in the room“: Ein komplexes und unscharfes Konstrukt, deren Transformation einen äußert schwierigen sowie langwierigen Prozess darstellt. Firmenintern wird sie häufig nicht einmal thematisiert, stellt aber zugleich die größte Herausforderung in einem Veränderungsprozess dar.

The Culture Map: Durch eine veränderte Unternehmenskultur erfolgreichere Firmen designen
The Culture Map: Durch eine veränderte Unternehmenskultur erfolgreichere und innovativere Firmen designen

An diesem Punkt knüpft die Culture Map an. Sie ermöglicht Einzelpersonen, Teams und ganzen Organisationen, ihre Firmenkultur zu analysieren, abzubilden und unterstützt die Transformation hin zu einer Lean Start-Up Culture, welche u.a. Kreativität, Zusammenarbeit und eine positive Fehler-und Lernkultur belohnt. Das Innovationstool soll Firmen dabei helfen, den sog. „Kodak Moment“ zu vermeiden und somit nachhaltig erfolgreich zu sein. Alexander Osterwalder ist der Meinung, dass Firmen hierzu sowohl eine improve culture als auch eine invent culture besitzen müssen.

Jedoch ist der Gedanke der „ambidextrous organizations“ in der Literatur nicht neu. Dies gilt auch für den Zusammenhang zwischen einer „positiven“ Unternehmenskultur und dessen Leistungsfähigkeit. Trotz dieser Tatsache besteht die Leistung von Alexander und Dave meiner Meinung nach darin, ein komplexes Konstrukt wie die Organisationskultur in einem visuell einfach dargestellten, verständlichen und intuitiv zu bedienenden Tool abzubilden und somit erfassbar zu machen. Die Culture Map dient daher als guter Startpunkt für einen Transformationsprozess und stellt ein wichtiges Element auf dem Weg zu dem erfolgreichen Design einer innovativen Unternehmenskultur dar. Natürlich ist es auch hilfreich, zu sehen, wie andere Personen den Begriff der Organisationskultur definiert haben, etwa E.H. Schein, ein Vorreiter in Bezug auf dieses Thema.

 

Weiterführende Links und nützliche Informationen

Ihr wollt mehr über die Culture Map erfahren und Alexander Osterwalder live erleben? Dann sichert euch ein Ticket für den Corporate StartUp Summit in Zürich!

Zu dem kompletten Video von Alexander Osterwalders Auftritt auf der Lean Startup Conference 2015 zum Thema: „How to intentionally design a Start Up Culture?“ gelangt ihr hier.

Hier findet ihr einen spannenden Artikel sowie ein Interview von Dave Gray zum Thema Culture Map.

Weitere Best Practices zur Verwendung der Culture Map findet ihr unter folgendem Link.

Was denkt ihr über die Culture Map? Stellt sie eurer Meinung nach ein hilfreiches und praktisches Tool dar, um den Transformationsprozess sowie das erfolgreiche Design einer innovativen Unternehmenskultur zu unterstützen? Ich bin gespannt auf eure Kommentare und freue mich auf euer Feedback!

 
 
 
 

Quellenangaben:

Text:

Bessant John / Tidd Joe (2007): Innovation and Entrepreneurship, 2nd Edition, John Wiley&Sons, Chichester, UK, S. 4ff.

PricewaterhouseCoopers (2015): Innovation – Deutsche Wege zum Erfolg (2015)

Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Unternehmenskultur, online im Internet:

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/55073/unternehmenskultur-v7.html

Hofstede, G. (2010): Culture and Organisations – Software of the mind: Intercultural Cooperation and its Importance for Survival ; 3nd ed. , McGraw Hill; USA

www.strategyzer.com: The Culture Map: A Systematic Intentional Tool For Designing Great Company Culture

www.strategyzer.com: Best Practices: How To Use The Culture Map

www.strategyzer.com: Why Your Company Might Be About To Have A Kodak Moment

www.xplaner.com: Culture Map; pdf

www.xplaner.com: Culture Mapping

The Lean Startup Conference 2015: Alexander Osterwalder, How to Intenionally Design a (Lean Startup) Culture

Schein, E.H. (1992): Organizational Culture and Leadership, 2nd ed., San Francisco, USA.

Fotos:

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Jörg Seppel

Jörg Seppel arbeitet bei Safari Consulting als Berater im Bereich Product Innovation. Hierbei bringt er seine berufliche Erfahrung auf den Gebieten Innovationsmanagement, Strategie und Marketing zum Wohle des Kunden ein. Schon seit seinem internationalen Studium befasst er sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Innovation - insbesondere mit der Frage, wie Unternehmen ihre Innovationspotentiale optimal nutzen und ihre Innovationsfähigkeit nachhaltig verbessern können.

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