make space – wie die Raumgestaltung Kreativität und Innovationskraft fördert

Wie beeinflussen Möbel und Raumgestaltung unsere Kreativität, Zusammenarbeit und Innovationskraft?

Dieser Frage sind die beiden Autoren Scott Doorley und Scott Witthoft von der Design School (d.school) der Universität Stanford in Ihrem Buch „make space: How to Set the Stage for Creative Collaboration“ nachgegangen.

 

Sie sind der Ansicht, dass unsere Kreativität von der Raumgestaltung stimuliert und gesteuert wird. Mit anderen Worten: Je außergewöhnlicher ein Raum gestaltet ist, desto kreativer sind die darin entstehenden Ideen.

 

Auch unser Safari Partnertag Mitte Juni stand ganz im Zeichen von Innovationsräumen. Unter dem Motto „Innovationsräume – Raum für Innovation“ wurden beim Safari Ideen-Slam viele spannende Vorträge zu diesem Thema gehalten, Erfahrungen aus dem Joballtag ausgetauscht und neue Erkenntnisse während eines Design-Thinking Workshops gesammelt. Zudem hatten alle Teilnehmer die Gelegenheit, während des Partnertages die flexible Raumgestaltung in unserem neuen Münchner Büro hautnah mitzuerleben.

Komfortable Ruhezone in unserem Münchner Büro
Komfortable Ruhezone in unserem Münchner Büro

Einige Raumelemente dort, wie Raumteiler, flexible Möbel und komfortable Ruhe-Zonen mit Sofaelementen, die zum Ausklang eines Gesprächs ebenso wie als Rückzugsort geeignet sind, finden sich auch in „make space“ wieder.

 

Häufig wird die stimulierende Wirkung von Räumen auf die Kreativität und Innovationskraft der Mitarbeiter von Unternehmen allerdings unterschätzt oder nur unzureichend im Arbeitsalltag berücksichtigt. Dabei ist es schon mit geringem monetären und zeitlichen Aufwand möglich, gewöhnliche Büros in „Kreativräume“ zu verwandeln – also in Räume, welche durch ihre Gestaltung die Arbeits- und Verhaltensweisen der sich im Raum befindenden Personen positiv beeinflussen.

 

 

Wie der Raum Innovation und Kreativität beeinflusst

Wie also kann man gewöhnliche Büros in kürzester Zeit in Kreativräume verwandeln?

Die beiden Leiter des Environments Collaborative Instituts der d.school zeigen es uns. Dazu haben sie zahlreiche Erkenntnisse eines mehrjährigen Experiments sowie etliche praxiserprobte Versuche von Professoren, Studenten und Projektpartnern in das Buch einfließen lassen. Doorley und Witthoft betrachten den Raum als etwas, das je nach Situation die Kreativität, das Ergebnis (Innovation) sowie die Zusammenarbeit der Gruppe positiv beeinflussen kann.

Ihrer Meinung nach stellen die Ideenfindung und der Ideenaustausch dynamische Prozesse zwischen den Beteiligten dar, die durch eine stimulierende Gestaltung der Räumlichkeiten, in denen diese Prozesse stattfinden, erheblich gefördert werden können. Für sie stellt der Raum weit mehr als nur eine rein physische Umwelt dar. In ihrem Buch vertreten sie die Ansicht, dass der Raum die Kultur, das Verhalten und Prioritäten der sich darin befindenden Personen widerspiegelt. Somit kann die Raumgestaltung auch erwünschte Gewohnheiten und Aktionen durch entsprechendes Design steuern und verstärken. Auch andere Experten wie Chris Flink, außerordentlicher Professor an der Stanford Universität und Partner bei der Innovationsschmiede IDEO ist dieser Meinung. Er bezeichnet den Raum als „die Körpersprache einer Organisation.“

 

Nützliche Anwendertipps für eine kreative und flexible räumliche Gestaltung

Um ihre Aussage zu untermauern, werden in „make space“ die über die Jahre gesammelten Erkenntnisse der Autoren in rund 100 Beispieleinheiten prägnant und übersichtlich für den Leser aufbereitet. So wird das Buch zu dem, was es laut der Autoren sein soll: Ein praktisches Werkzeug, mit dessen Hilfe der Raum dazu genutzt werden kann, die Kultur und die Gewohnheiten einer kreativen Gemeinschaft zu formen.

Nachdem ihr einen Überblick über das Ziel und die Kernaussage des Buches bekommen habt, schauen wir uns nun die fünf Kategorien an, in die es unterteilt ist:

Unter „Situations“ werden schnell zu erbauende, wiederholbare räumliche Konfigurationen wie z.B. „Theater in the Round“ erläutert. Bei dieser Anordnung werden Stühle je nach Situation zu einem Hufeisen oder Kreis geformt. Auf diese Weise kann man interaktive Diskussionen stimulieren anstatt eine Präsentation oder Vorlesung zu halten. Der Vorteil dieser Konfiguration besteht außerdem darin, dass man sie schnell auf- und abbauen oder verändern kann – je nach Wunsch des Vortragenden. Dieser kann zum Beispiel im Stuhl sitzend die Diskussionen unter den Teilnehmern ermutigen oder aktiv aus der Kreismitte heraus die Diskussion führen. Auch ob er währenddessen steht oder sitzt hat großen Einfluss auf die Diskussion. Dies sollte vom Vortragenden berücksichtigt werden.

Daneben werden auch andere Konfigurationen, wie z.B. ein Instant/Shared Studio beschrieben. Diese Art von Studio stellt einen gemeinsam nutzbaren Kreativraum dar, der in kürzester Zeit für Projektarbeit umfunktioniert werden kann. Nach Beendigung dieser Arbeit kann der Raum mit wenig Aufwand wieder in seinen Ursprungszustand zurückversetzt werden, um für das nächste Projekt einsatzbereit zu sein. Dies ist insbesondere unter dem Aspekt hilfreich, dass nur wenige Firmen genügend eigene Projekträume für ihre Projektteams besitzen.

Ein solcher Raum kann u.a. durch Whiteboard Sliders schnell in ein aktives Studio umgewandelt werden. Der Nutzen dieser „Schiebewände“ liegt einerseits in ihrer Funktion als ad hoc Trennwände. Andererseits eignen Sie sich auch perfekt, um spontan Ideen festzuhalten. Hängeoptionen (engl. „Hanging Options“) wie Klammern oder andere Haken an der Wand bieten daneben gute Möglichkeiten, um die erarbeiteten Ergebnisse Arbeit schnell und für jedermann sichtbar zu platzieren.

 

Die Kategorie „Tools“ beinhaltet neben den gerade vorgestellten Elementen wie Whiteboard Sliders oder Hängeoptionen viele weitere Tipps, Bauanleitungen und andere nützliche Informationen, die dazu motivieren, sofort selbst Möbel zu bauen oder Räume zu gestalten. Andere in dieser Kategorie vorgestellte Elemente sind Showerboards- also Tafeln mit einer beschreibbaren Wandfläche.

Eine modifizierte Ausführung eines Showerboards ist das „Z-Rack“. Dies ist nichts anderes als ein mobiler Kleiderständer, der mit einem Showerboard ausgestattet wurde, um z.B. als flexibel nutzbarer Raumtrenner eingesetzt zu werden.

Safari Mitarbeiter nutzen das Z-Rack während des Design-Thinking Workshops am HPI
Safari Mitarbeiter nutzen das Z-Rack während des Design-Thinking Workshops am HPI in Potsdam

 

Das Z-Rack zählt aufgrund seiner multifunktionalen Verwendbarkeit und seinem Kostenvorteil im Vergleich zu normalen Trockenlöschtafeln zu den am häufigsten benutzten Elementen innerhalb der d.school.

Ein anderer Klassiker innerhalb der d.school ist der „Foam Cube“: Das ist ein aus Schaumstoff bestehender Würfel, der sowohl leicht als auch solide gebaut ist und somit perfekt als Sitzfläche genutzt werden kann. Mit einem Sitzkomfort von 25 Minuten eignet er sich gut für Diskussionsrunden von kurzer oder mittlerer Dauer. In größerer Menge dient er oft als Bauelement für Trennwände oder 3D-Formen aller Art und kann aufgrund seiner Form bei Nichtgebrauch gestapelt und somit platzsparend verstaut werden. Als gute Startmenge sind 20 „Foam Cubes“ angegeben. In der d.school werden allerdings 150 Cubes für 50 Personen eingesetzt.

Eine komfortablere Version dieses Schaumwürfels stellt der „Sleeved Cube“ dar. Durch verbesserte Materialien sowie eine spezielle Sitzfläche erhöhen sich der Sitzkomfort und damit auch die maximale Sitzdauer. Somit steigen auch die Einsatzmöglichkeiten dieser Würfelart.

 

Die Rubrik „Insights“ soll den Leser zu eigenen Ideen inspirieren. Zum Beispiel liefert das Buch wertvolle Einblicke in Bezug auf die Konzeption und den Umfang von Stauraum. Generell sollte mindestens 30 % des vorhandenen Raums als Stauraum genutzt werden. Die darin verstauten Materialien sollten allerdings keinesfalls weggesperrt, sondern möglichst offen gelagert werden. Somit sind sie für alle Beteiligten im Raum jederzeit sichtbar und können bei Bedarf sofort Verwendung finden. Bei nur sporadisch genutzten Materialen kann man aber auch deren räumliche Auslagerung in Betracht ziehen, um den Raum anderweitig nutzen zu können.

 

Die Kategorie „Design Template“ erläutert dem Leser die Auswirkung von bestimmten räumlichen Eigenschaften auf Handlungen und Einstellungen der darin arbeitenden Menschen. Für ein besseres Verständnis ist diese Kategorie von den Buchautoren bewusst in vier Abschnitte unterteilt worden. Die ersten beiden Abschnitte „Places“ und „Properties“ beschäftigen sich inhaltlich vor allem mit der Raumaufteilung und den darin befindenden Elementen wie Möbel oder Personen. So ist es für eine bessere Raumplanung sinnvoll, die vorhandenen Räumlichkeiten in verschiedene Bereiche zu unterteilen. Der Flur oder auch Flächen, in denen sich Menschen versammeln und unterhalten können, stellen dabei solche Teilstücke dar. In den ersten beiden Abschnitten erfährt der Leser aber zum Beispiel auch, wie man durch Lichtanpassungen die Stimmung einer Gruppe im Raum beeinflussen kann, während sich die Abschnitte „Actions“ und „Attitudes“ mit den in den Räumen befindenden Personen und deren Handlungen befassen.

 

Die letzte Rubrik „Space Studies“ erzählt wahre Begebenheiten und Geschichten, wie gewöhnliche Räume in Kreativräume mit einer innovativen Arbeitsatmosphäre verwandelt wurden. In „make space“ werden zahlreiche Verwandlungen von Räumen mithilfe von Vorher-Nachher Vergleichen, Bildern und Erklärungen dokumentiert. So wird zum Beispiel dargestellt, wie ein in die Jahre gekommener und lange ungenutzter Container auf dem Campus dank mobiler Möbel und räumlicher Änderungsmaßnahmen nun wieder für den Universitätsbetrieb der d.school verwendet werden kann.

 

Kreative Ideensammlung für Manager, Mitarbeiter, Innovatoren und Erfinder

 

Dies ist nur eine Auswahl der zahlreichen Möglichkeiten der flexiblen Raumgestaltung, die in dem Buch erläutert werden. Es beinhaltet noch viele weitere spannende Ideen, anschauliche Tipps und nützliche Hinweise zur Raumgestaltung, etwa wo die jeweiligen Materialien beschafft werden können. Die im Buch vorhandenen Bauanleitungen sind sehr anschaulich und ermutigen dazu, durch kleine oder große Veränderungen der gewohnten Räumlichkeiten die menschliche Kreativität positiv zu stimulieren. „make space“ lädt Manager, Mitarbeiter, Innovatoren und Erfinder gleichsam dazu ein, sofort selbst anzufangen und zu experimentieren.

Junger Manager spielt am Schreibtisch mit bunten Bausteinen

Weitere Ideen zur kreativen Raumgestaltung und eine Antwort auf die Frage, wieso bei der Raumgestaltung auch immer die jeweilige Situation oder der Veranstaltungszweck berücksichtigt werden sollten, erfahrt ihr in dem nächsten Teil meiner Buchvorstellung.

Unter folgendem Link könnt ihr vorab mehr über das Buch erfahren und einige Auszüge daraus downloaden:

http://dschool.stanford.edu/makespace/

 

 

 

 

 

Quellenangaben:

 

Fotos:

Titelbild: HPI Academy, Potsdam 2015

Smartvillage, München

HPI Academy, Potsdam 2015

© Robert Kneschke/ Fotolia.com

 

Text:

Scott Doorley/ Scott Witthoft: make space: How to set the Stage for Creative Collaboration, John Wiley & Sons, Inc. , 2012

d.school, Stanford University: MAKE SPACE: THE BOOK

Jörg Seppel

Jörg Seppel arbeitet bei Safari Consulting als Berater im Bereich Product Innovation. Hierbei bringt er seine berufliche Erfahrung auf den Gebieten Innovationsmanagement, Strategie und Marketing zum Wohle des Kunden ein. Schon seit seinem internationalen Studium befasst er sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Innovation - insbesondere mit der Frage, wie Unternehmen ihre Innovationspotentiale optimal nutzen und ihre Innovationsfähigkeit nachhaltig verbessern können.