Lean Startup Konferenz 2015: Was Entrepreneure zu Corporate Innovation sagen! – Teil 2

Letzte Woche durfte ich spannende Inhalte und Erkenntnisse von der Lean Startup Konferenz in San Francisco berichten. Eine Erkenntnis war unter anderem „Be the Thought Leader“ zum Thema Innovation. Sie erinnern sich?

Das war die Lean Startup Konferenz 2015

Um den Worten Taten folgen zu lassen, habe ich mit Teilnehmern der Konferenz Kurzinterviews geführt, um deren wertvolle Erfahrungen zum Thema Lean Startup und Corporate Innovation zu sammeln und für Sie mit nach Deutschland zu bringen.

Am Mittwoch haben sie bereits Adam Berk und Grace Ng kennengelernt! Lesen Sie heute weitere Antworten zu den Fragen, warum die Lean Startup Methode für diese Teilnehmer in der digitalen Zeit der einzig richtige Weg ist, um Produkte zu entwickeln, was Ihre persönlichen Highlights waren und vor allem, was sie reiferen Unternehmen empfehlen, um ähnlich schnell und agil agieren zu können wie Startups.

Interview Cynthia Jäggi:

Cynthia ist Unternehmerin und Unternehmensstrategin, ihr Hauptaugenmerk ist auch immer auf das soziale Wohl gerichtet. In ihrer bisherigen Laufbahn hat sie immer versucht, die komplette Wertschöpfungskette von Datenanalyse bis hin zur Entscheidungsfindung zu betrachten. Ihre Leidenschaft, besteht nach eigener Aussage darin, seit mehr als 15 Jahren ein Model für Wachstum zu entwickeln, das die natürlichen Ressourcen nutzt und Menschen darin aufblühen lässt.

Aus genau diesem Zweck gründete sie GatherWell, dem „Think and Do Tank“ für praktische Idealisten die Unternehmen unterstützt die menschliche Entwicklung und regenerative Wirtschaft zu fördern. Sie ist hier als Gründer und Coach aktiv und weiß, was es heißt kundenzentrisch zu denken.

In weiteren Tätigkeiten hat sie ein Framework entwickelt, welchen es Managern ermöglicht, fakten-basierte Entscheidungen zu treffen. Vielleicht hat der ein oder andere schon von ihr gehört, da sie auf unzähligen Seiten bereits Artikel veröffentlicht hat. Unter anderem auf dem Business Insider und Lean Impact.

Uns hat sie ihre persönlichen Eindrücke zu Lean Startup und wertvolle Tipps für deren Implementierung in Unternehmen gegeben.

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Wie kamst du zu Lean Startup?

Ich bin schon seit einiger Zeit in diversen Unternehmer-Kreisen unterwegs und habe dadurch ein gutes Netzwerk zu Startups aufgebaut. Ich will immer neue Dinge kennenlernen. Von daher war ich sehr interessiert, als ich von Lean Startup Wind bekommen habe, da es genau die Arbeitsweise ist, die ich auch immer gepredigt habe. Mit den Kunden reden und dabei schnell zu lernen.

Was waren deine bisherigen Highlights und Herausforderungen mit dieser Arbeitsweise?

In der Beratungsbranche war es definitiv die Herangehensweise, den Kunden verstehen zu wollen. Bei Finanzinstituten waren es die verschiedenen Experimente, die uns dazu gebracht haben, über die Kunden nachzudenken. Der Ansatz, wahnsinnig empathisch zu sein und dabei den Kunden in einem neuen Licht zu sehen, half ungemein. Da ich auch schon in der Marktforschung gearbeitet habe, war es spannend zu sehen, wie eine Kombination aus qualitativen und quantitativen Customer Insights komplett neue Wege für tragfähige Geschäftsmodelle und profitable Dienstleistungen aufzeigt.

 

Kann man Lean Startup auch für große Unternehmen verwenden und was sind deine Empfehlungen für Konzerne?

Wie viele andere Dinge funktioniert auch die Lean Startup Methode, wenn man sie wirklich verwendet. Es ist ein Werkzeug, von daher hat es keinen Effekt, wenn man es nicht benutzt. Man muss Lean Startup durchgehend benutzen und leben!

Rein über Annahmen eine Idee zu entwickeln ist genauso, wie einen Hammer und einen Nagel in die Hand zu nehmen. Auch hier muss man ein Stück Holz nehmen und anfangen, den Nagel in das Holz zu hämmern, genauso wie man seine Annahmen am Kunden testen muss.

Natürlich hilft die Methode, allerdings muss man die jeweiligen Bedingungen und den Kontext des Unternehmens beachten. Lean Startup ist nicht die Antwort. Aber man braucht diese Methode, um zu einer Antwort zu gelangen, sie macht den Unterschied. Jedes Unternehmen, das versucht eine Methode als Tool zu implementieren, muss nachdenken, welche Resultate man zu welchen Konditionen erreichen will.

Übrigens Cynthias Mann ist Deutscher, sollte er diesen Artikel lesen: Recht herzliche Grüße !


Interview Lou Moore:

Lou arbeitet bei einem DER aktuellen Trend Startups. Wenn man Jawbone überhaupt noch als Startup bezeichnen kann. Lou ist dort Vice President für die Softwareentwicklung des bekannten Gesundheitstrackers, mit dessen Einführung nichts anderes als die Gesundheit der Menschheit verbessert werden soll.

Als Software Ingenieur betrachtet er Lean Startup nochmal von der anderen Seite und gibt Einblicke wie die frühzeitige Einbindung von Kunden helfen kann, Software in die richtige Entwicklung zu lenken.

In seinen vorherigen Tätigkeiten hat er auch schon Startups geholfen, mit Kundenfeedback ein besseres Softwareprodukt zu erzeugen. So wie ich Ihn kennenlernen durfte, ist er ein Vertreter der „einfach mal machen“ Generation, der schnell Dinge auf den Punkt bringt. Das kann natürlich auch Innovationen in Konzernen hin und wieder gut tun. Aber lest selbst was er zu sagen hat.

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Wie kamst du zu Lean Startup?

Meine Ehefrau hilft bei der Organisation der Veranstaltung, daher sitze ich gerade hier. Allerdings hat es auch mit meiner Zeit beim Startup Hi5 zu tun. Wie viele andere Unternehmen, die in der Mitte der 2000er eine richtig große Kundenbasis hatten, waren auch wir bereit, viele Experimente zu machen. Wir haben viel in Sachen Kundenentwicklung gemacht und Eric Ries hat uns mit seinem Buch einen Namen dafür gegeben. Zum Beispiel haben wir ein System entwickelt, indem einige Kunden, die unsere Website besuchten, auf eine Testseite kanalisiert wurden. Dadurch konnte jeder in der Firma mit einer guten Idee direkt am Kunden experimentierten. Dort konnten wir sehr schnell und fast täglich experimentieren und so sehen, ob die Idee gut oder eher schlecht war.

Was waren deine bisherigen Highlights und Herausforderungen mit dieser Arbeitsweise?

Dauerhaft im Gespräch mit Kunden zu sein und zugleich Experimente mit ihnen zu machen und das anschließende Feedback ist wirklich das beste am Lean Startup Ansatz.

In der frühen Phase bei Jawbone war die Softwareentwicklung für unsere Produkte essentiell. Daher war es für uns eine große Sache, eine Kultur für Softwareprozesse in der Firma zu implementieren. Diese Kultur haben wir sehr kundenzentrisch ausgerichtet. Wieso machen wir das? Weil wir dadurch in der Lage waren, wesentlich mehr Experimente mit einem kleinen Kundenstamm für unsere Hardwareprodukte zu testen und wertvolles Feedback zu bekommen.

Kann man Lean Startup auch für große Unternehmen verwenden und was sind deine Empfehlungen für Konzerne?

Auf alle Fälle! Mein Ratschlag ist, dass große Veränderungen in Unternehmen, und das ist Lean Startup auf alle Fälle, nicht über Nacht etablieren werden sollten. Das ist einfach zu schwierig. Daher sollte man sicherstellen, dass die richtigen Leute die Zügel in der Hand haben, dass man Sponsoren hat, die auch Leidenschaft für das Projekt und die Veränderung mitbringen und die Idee unterstützen. Zudem sollte man mit kleineren Projekten anfangen und aus diesen lernen. Es besteht nämlich immer die Chance, dass ein Projekt mal fehlschlägt. Lasst euch dadurch nicht entmutigen.

Es waren sehr spannende Gespräche mit allen Interviewpartnern und noch unzählige mehr in der großen Lean Startup Community. Ein gemeinsames Gedankengut treibt diese Menschen an und die ist, bessere Produkte für Kunden zu entwickeln und tatsächliche Probleme zu lösen. Ob dies mit einem Startup oder einem reifen Unternehmen geschieht ist dabei zweitrangig. Zu dieser Vision beizutragen treibt diese Menschen an.

 

Thomas Sontheim

Thomas Sontheim ist bei Safari zuständig für Produktinnovationen und erfolgreiche Geschäftsmodellentwicklung. Die Probleme deutscher Konzerne aus ihrem Kern heraus innovativ zu sein, beschäftigen ihn seit geraumer Zeit. Im Telekommunikations- und Medienumfeld sucht er als Projektmanager ständig nach neuen Lösungsansätzen für dieses Problem