Freitag, Oktober 20

Richard Gutjahr ist Moderator, preisgekrönter Journalist und Blogger sowie Berater des Münchner Start-Ups LaterPay. Im Interview sprach er mit uns über Innovationen und was sich in der Medienbranche ändern muss.

Wann warst Du das letzte Mal innovativ?

Richard: Ich war noch nie innovativ. Ich probiere Innovationen gerne aus. Das Erfinden überlasse ich anderen.

 

Was verstehst Du in Deiner Branche unter Innovationen, und ist die Medienbranche in Deinen Augen innovativ?

Richard: Die großen Innovationen in der Medienbranche stammen meist aus anderen Branchen, allen voran natürlich dem Silicon Valley: Der Apple Macintosh hat dem Desktop Publishing zum Durchbruch verholfen, Google hat die Gelben Seiten für das Web entwickelt, Facebook den Rückkanal zum Publikum geschaffen usw.

 

Was war die letzte große Innovation, die die Medienbranche hervorgebracht hat? Was sind die größten Probleme, mit denen die Medienlandschaft zu kämpfen hat?

Richard: Was den klassischen Medienhäusern in dieser historischen Zeit der Digitalisierung eingefallen ist, waren erst Gratis-Inhalte, dann Paywalls und schließlich das Leistungsschutzrecht. Traurig, wenn man sich diese Bilanz mal vor Augen führt.

 

Was müsste sich ändern, um die Branche innovativer zu gestalten?

Richard: Vom Kunden her denken. Nicht vom Verlag oder Sender her. Die Menschen wollen frei sein, keine singulären Zahlungsverpflichtungen eingehen. Sie wollen freie Auswahl haben, nicht nur an die Inhalte eines Titels oder Verlags gebunden sein. Sie sind bequem und haben keine Lust auf umständliche Registrierungs-Arien, am besten noch für jeden Verlag separat aufs Neue.

 

Siehst Du Dich als Innovator? Und wenn ja, warum?

Richard: Nein. Aber ich bin hungrig und muss alles ausprobieren.

Interview mit Richard Gutjahr

Du berätst das Start-Up Laterpay. Wie bist Du dazu gekommen, und was war der ausschlaggebende Moment für die Zusammenarbeit? Warum siehst Du das als innovativ an?

Richard: LaterPay und ich haben uns zusammengetan, weil wir die gleiche Philosophie vertreten: LaterPay hat verstanden, was das Publikum will: Ein Bezahlsystem, das schnell, bequem und einfach zu bedienen ist. Es bindet den Leser nicht an ein Abo oder ein Bündel an Inhalten, die ihn gar nicht interessieren. LaterPay erlaubt es, nur das zu bezahlen, was man auch tatsächlich lesen möchte. Zugleich gewöhnt es die Leser behutsam daran, für gute Inhalte wieder zu zahlen. Am Ende ist ein Leser sogar bereit, ein Abo abzuschließen, wenn er nach mehrmaligen Micropayments feststellt, was er hinter der Paywall alles verpasst. Das erreicht man aber sicherlich nicht dadurch, dass man ihm die Pistole an die Schläfe hält und sagt: Kauf gleich die ganze Zeitung (das Abo), sonst darfst Du den Text nicht lesen. Das wird nie funktionieren.

 

Was empfiehlst Du, um Innovationen umzusetzen?

Richard: Mit offenen Augen durch die Straßen gehen und beobachten, wie reale Menschen heute Medien benutzen. Davon lernt man mehr als durch Kuchendiagramme und Excel-Tabellen.

 

Mit welchen Methoden arbeitest Du, um innovativ zu sein? Welchen Vorbilder hast Du im Bereich Innovationen?

Richard: In jedem Medienhaus, das mir begegnet ist, treffe ich auf unglaublich viele tolle Mitarbeiter. Menschen die viel talentierter sind, als ich es jemals sein könnte. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie viele von ihnen bereits innerlich gekündigt haben, weil man ihre Talente nicht abruft.

 

Du wurdest bereits 2011 zu der Zukunft des Journalismus interviewt. Unter anderem meintest Du, dass es bereits in 5 Jahren kaum eine Unterscheidung zwischen altem und neuem Journalismus geben wird und es nur noch Journalisten und Medien gibt, die so arbeiten, wie es die Story verlangt. Darüber hinaus werden die vom Internet profitieren, die zunächst am lautesten geschrien haben. Wie siehst Du das heute? Wo siehst Du die größten Veränderungen in den kommenden 10 Jahren?

Richard: Naja, für einzelne Medienhäuser ist das ja bereits eingetreten. Schau Dir die Umsatzzahlen der letzten fünf Jahre von Springer an. Auch das Zusammenlegen der Newsrooms ist in vielen Fällen in Deutschland inzwischen Realität. Bei Springer hat sogar eine Umkehr stattgefunden: Das Beste aus dem Online-Angebot wird (noch) gedruckt. Insofern ist meine Prognose der Nichtunterscheidbarkeit von Alt und Neu tatsächlich eingetreten. Und was das Klappern betrifft, sehen wir ja am Erfolg von BuzzFeed oder Heftig, dass auch das bereits Realität geworden ist. Die größten Veränderungen in den nächsten 10 Jahren – Du meinst: 10 Jahre !? …Hahahaha!

Vielen Dank für das Interview 😉

Fotoquellen: Mathias Vietmeier ==>> http://www.gutjahr.biz/about/

About Author

Andreas Pihan hat langjährige Erfahrungen in den Bereichen Asset Management, Privatbanken und in der Verlagsbranche. Ganz besonders interessiert er sich für den Aufbau, die Validierung und die Realisierung von neuen digitalen Geschäftsmodellen sowie für neuartige Content-Marketing-Strategien. Zudem gibt er Produkt-Positionierungs-Trainings und ist Autor von verschiedensten Publikationen zu Themen wie z.B. iBeacon, IoT und User Stories.

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