innovationradicals – Mit dem Innovationsbus quer durch Deutschland

Mit dem Innovationsbus quer durch Deutschland – das ist die Mission von Marko Müller und den innovationradicals. Klingt innovativ? Ist es auch! Wir haben uns mit Marko Müller getroffen, um über das innovative Intra- und Entrepreneurship Programm innovationradicals zu sprechen und welche Auswirkungen der Corporate Startup Summit auf die Zusammenarbeit von Corporates und Startups hat.

 

Marko Müller – wer bist du, was machst du, was treibt dich an?

Mein Name ist Marko und ich habe verschiedene Stationen in meinem Leben durchlaufen, von denen ich kurz erzählen möchte. Mein Studium der molekularen Biotechnologie habe ich in Heidelberg und an verschiedenen Orten in Europa absolviert. Danach habe ich etwas völlig anderes gemacht und war Fellow bei Teach First Deutschland, mit anderen Worten habe ich zwei Jahre an einer Hauptschule im sozialen Brennpunkt in Köln unterrichtet & Projekte durchgeführt. Im Anschluss bin ich in die Startup-Szene eingetaucht und organisiere seitdem Innovationsevents auf Rädern bei denen Probleme durch digitale Geschäftsmodelle gelöst werden. Währenddessen war ich Berater bei Accenture und habe als Intrapreneur den Innovationsbereich z.B. durch den StartupBus und die Innovationsmethode Design Thinking erweitert. Bei der Ideenschmiede NUFARI habe ich im Anschluss intensiver im Kreativbereich gearbeitet und mich auf Design Thinking fokussiert.

Dabei merkte ich, dass ich das ganze in einer eigenen Firma kombinieren möchte: Design Thinking als methodisches Rückgrat und das Büro bzw. den mobilen Arbeitsplatz auf Rädern. Das Konzept aus der Startupwelt in die Corporatewelt hineintragen, um die großen Unternehmen davon profitieren zu lassen. Das war für mich der Auslöser, um mit zwei Freunden innovationradicals zu gründen.

Was treibt mich an? Die wahre Veränderung beginnt in meinen Augen beim Menschen. Ich möchte in großen Unternehmen die Leute finden, die den Mut haben zu sagen: „Ich will, dass Veränderung Wirklichkeit wird und das möchte ich umsetzen!“ Das sind die wahren Intrapreneure der großen Unternehmen mit denen wir zusammenarbeiten.

Das ist ja auch das Ziel des Corporate Startup Summits. Auf der einen Seite die Corporates zusammenzubringen, auf der anderen Seite die Startups zusammenzubringen, um voneinander zu lernen. Wie bist du auf den Corporate Startup Summit aufmerksam geworden?

Eigentlich schon im Dezember 2014, in dem ich verschiedene Innovationsmanager angesprochen habe. Das war auch die Wiege für den ersten Innovationsbus „Innovation on Wheels“ mit Bayer. Aufmerksam geworden bin ich damals über Facebook und den Startplatz in Köln, mit dem ich viel zusammenarbeite. Dieses Jahr erfuhr ich von Fabian-Carlos Guhl davon, der die NGO AMPION ins Leben gerufen hat, um in Afrika in Bussen Unternehmertum und digitale Geschäftsmodelle zu etablieren. Auf dem Corporate Startup Summit vertrat AMPION das Thema Entrepreneurship und wir das Thema Intrapreneuership. Eine super Idee, um zwei Busthemen gut zu platzieren.

Die perfekte Plattform, wo Mindsets aus verschiedenen Richtungen – der Startup- und der Corporatewelt – aufeinandertreffen, und sich austauschen können. Ich würde sagen, das ist der erste Schritt, ein Initiator, oder vielleicht sogar ein Katalysator, für ein Zusammenfinden oder, wie in unserem Fall, für die konkrete Zusammenarbeit.

Dieses Jahr hatten wir auf dem Corporate Startup Summit das erste Mal Slambeiträge, die aus der Praxis berichten und Workshops als Parallelprogramm. Wie hast du das wahrgenommen? Was ist dein Feedback dazu?

Ich fand das sehr gut, weil ich Makerspaces und Orte mag, an denen sich etwas bewegt und etwas passiert. Das Credo von innovationradicals ist auch: Mehr Machen und Tun, weniger Reden – mehr Produzieren, weniger Konsumieren! Zum Beispiel hat mir der Design Thinking Workshop im Parallelprogramm sehr gut gefallen. Zudem durften wir dort auch selbst präsentieren, d.h. Dr. Tom Maes (Innovation Manager von Bayer HealthCare) und ich haben #InnovationOnWheels vorgestellt. Ich fand die Stimmung super, da das ganze in einem kleinen Rahmen stattfand und somit viel persönlicher war. Das Publikum konnte direkt Fragen stellen, die auch mehr ins Detail gehen durften und ein bisschen mutiger waren.

Du hattest eben das Konzept innovationradicals erwähnt. Was genau steckt dahinter? Was ist das für eine Idee bzw. Konzept?

Wir als innovationradicals arbeiten im Hintergrund viel mit der agilen Innovationsmethode Design Thinking. Letztendlich nichts anderes als: ‚Machen!’ und dem Kunden Fragen stellen, um ihn zu verstehen; mit ihm zusammen etwas Neues kreieren, Prototypen bauen und immer wieder Feedback dazu einholen und einarbeiten. Das Ganze passiert nicht nur in einem Raum, sondern wir setzen diesen auf Räder, um die Teams damit herumzufahren. Wir statten ihn mit WLAN, Tischen und einem Drucker aus, so dass man im Bus arbeiten kann, während man sich von Ort zu Ort, von Kunde zu Kunde und von Standort zu Standort bewegt. Manchmal nehmen wir noch eine weitere Komponente hinzu, ob das 3D-Druck oder Internet-of-Things ist, kommt auf die Thematik des Kunden an. Die Ergebnisse werden intern auf einer Konferenz präsentiert, bei der durch internes Crowdfunding die Anschlussfinanzierung ermöglicht wird, um die Projekte weiterzuentwickeln.

Das heißt, dass der ganze Innovationsprozess beim Fahren im Bus stattfindet?

Genau! Und dabei entsteht Innovationskultur: Erlebt, durchlebt, gelebt und weitererzählt von Menschen, die diese Erfahrung erst kürzlich selbst gemacht haben und von dem Zeitpunkt an neben der eigenen Unternehmenssprache eine neue Sprache sprechen. Das bedeutet ‚Cultivating Intrapreneurship’.

Busfahren kann ja manchmal auch anstrengend sein. Wie verpackt ihr das in dem Konzept, so dass es auf der einen Seite produktiv ist und auf der anderen Seite die ‚Downs’ ein bisschen hochheben kann?

Nehmen wir beispielsweise eine 4-Tages-Tour. Alles hat seinen Platz: Der Klassenfahrtcharakter schweißt die Leute zusammen, die Fenster bieten immer wieder neue Impulse, Du bist ständig „neuen“ Orten, „neuer“ Luft, „neuer“ Temperatur und „neuer“ Sprache, in Deutschland „neuen“ Dialekten, ausgesetzt. Das schürt Innovationskultur und regt „neues“ Denken an. Probleme im Bus sind gewollt. Sie haben eine Daseinsberechtigung und sind da, um geklärt zu werden. Danach fließt es wieder und meist arbeiten die Leute oft besser zusammen. Wir standen bei einer Fahrt drei Stunden im Stau – das war top! Ein richtiger ‚Downer’, und von da an ging’s bergauf. Am nächsten Tag war wieder richtig Feuer drin! Es war wichtig, dass wir diesen ‚Downer’ hatten: Es gibt eben keine Berge ohne Täler. Beides ist gewollt und sogar erwünscht. Am Anfang wird die Komfortzone erweitert und am Ende wird man wieder aufgefangen; das ist Bestandteil des Konzepts. Während des Busfahrens arbeiten wir nach Design Thinking Methodik, d.h. es werden Kreativmethoden angewandt und Prototypen gebaut.

An den verschiedenen Stationen arbeiten die Innovatoren aus dem Bus mit Leuten anderer Standorte zusammen an echter „Co-Creation“. Ob mit Lego oder Papier, die ersten Prototypen werden bereits am ersten Tag präsentiert. Am nächsten Standort werden sie neuen Interviewpartnern vorgestellt und ebenfalls zu deren Problemen, Wünschen und Bedürfnissen interviewt.

Was passiert danach? Was ist das Feedback der Teilnehmer, nachdem sie eine solche Reise mitgemacht haben und was passiert anschließend mit diesen tollen Ideen?

Die Teilnehmer waren sehr begeistert. Einige meinten, für sie sei es eines der gefühlt besten Events gewesen, das Innovationskultur geschaffen hat. Es hat Menschen durch ein gemeinsames Erlebnis zusammengeschweißt, von dem sie erzählen können.

Daher ist auch eine nachhaltige Zusammenarbeit viel einfacher möglich. Man hat sich nicht nur gesehen (Videokonferenz), sondern ist sich vor Ort begegnet und hat miteinander gesprochen. Die Innovatoren aus dem Bus werden gefragt, ob sie die Zeit und Lust haben an ihrem Projekt drei Monate weiterzuarbeiten. Finanziert wird das Ganze durch den internen Crowdinvestment Marktplatz am Ende der Fahrt. Die Zuschauer und Manager der Abschlusskonferenz bewerten die Prototypen der internen „Startups“ mit ‚echtem Budgetgeld’.

Marko Müller, vielen Dank für das Interview!

Christoph Kornstaedt

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Marketing, PR und Web-Development in mehreren Startups sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und entwickelt hier den Bereich Content Marketing weiter. Zudem ist er für die Durchführung von neuartigen Growth Hacking Ansätzen zuständig und studiert International Business im Masterprogramm.