Montag, Dezember 18

Stefan Hoch, Geschäftsführer von Safari Consulting, erklärt in diesem aufschlussreichen Interview, mit welchen Herausforderungen reife Unternehmen in Innovationsphasen zu kämpfen haben und wie diese Phasen differenziert und angegangen werden können.

 

Stefan Hoch, was ist die Besonderheit hinsichtlich des Hervorbringens von Innovationen in etablierten, reifen Unternehmen?

Reife Unternehmen sind in ihrem Tagesgeschäft darauf ausgerichtet, das Bestands-Geschäftsmodell zu erbringen und die Bestandskunden zu bedienen. In den Innovationsphasen gibt es typischerweise andere Herausforderungen und andere Erfolgsfaktoren. Die größte Herausforderung ist, genau das in den Griff zu bekommen. Gerne erkläre ich das anhand des IGOR Modells.

 

Was sagt das IGOR-Modell genau aus, welche Phasen unterscheidet man hier?

Das IGOR-Modell ist ein Reifegradmodell. Dort werden Geschäftsmodelle bzw. Geschäfts- und Produktideen in ihrer Reifeentwicklung über die Zeit dargestellt. Es besteht aus vier Phasen:

In der Invent-Phase geht es darum, ein skalierbares Geschäftsmodell zu finden und zu beweisen. Darauf liegt der Hauptfokus, typischerweise gehen wir iterativ vor und nähern uns sukzessive an. Wenn eine Geschäftsidee nicht wie geplant funktioniert, ist es wichtig das Geschäftsmodell noch mal fundamental zu drehen.

In der Grow-Phase ist aber genau dieser Erfolgsfaktor tödlich. Es wird ein sehr großes Risiko eingegangen, das Geschäftsmodell in dieser Phase noch einmal substantiell zu drehen.

 

 

Hast du konkrete Praxisbeispiele für die verschiedenen Phasen?

Ein Beispiel ist Car2Go, der Carsharing-Dienst von Mercedes-Benz. In dem Projekt wurde bereits in zehn Lokationen weltweit bewiesen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Daher wollte der Kunde auf 50 Lokationen wachsen. Es mussten gewisse Dinge verändert werden, die in der Invent-Phase noch etwas prototypischer möglich waren. Die Skalierung konnte nicht in die Grow-Phase übertragen werden, weshalb sie entsprechend angepasst werden musste.

Ein anderes Beispiel für die Wachstumsphase ist Amazon. In dem Kundenprojekt im Bereich Digital Video ging es darum, möglichst viele Subscriptions zu generieren bzw. Kunden zu gewinnen. Dort gab es richtig Ärger , wenn am Ende des Monats die Marketingbudgets nicht ausgegeben wurden.

In der nächsten Optimize-Phase, kann sich das Unternehmen sowas nicht mehr erlauben. Doch hier geht es tatsächlich noch darum, das Geschäftsmodell im Detail besser zu machen.

 

Was ist in dieser Situation die Besonderheit, wenn es in die Re-Invent-Phase geht?

In der Re-Invent-Phase geht es vom Kern her um die gleiche Aufgabenstellung wie in der Invent-Phase, allerdings mit einem großen Unterschied: Das Unternehmen hat jetzt eine etablierte Organisation mit einem Bestandsgeschäft. Vor dem Hintergrund ist der zentrale Erfolgsfaktor, ein richtiges Umfeld für Innovationen zu schaffen. Das bedeutet beispielsweise die Herstellung einer gewissen Distanz zum Kerngeschäft. „Zu weit“ ist gefährlich, „zu nah“ ist aber auch hinderlich.

 

Stefan Hoch, vielen Dank für das Interview!

About Author

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Business Development Marketing, PR und Web-Development in mehreren Unternehmen im In- & Ausland sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und unterstützt die Teams im Bereich Business Model Innovation und Content Marketing. Sein Masterstudium in International Business Studies schloß er mit einer sehr erfolgreichen Masterarbeit über die Übertragung von agilem Management auf Organisationsstrukturen ab.

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