Dr. Michael Brandkamp im Video-Interview: „Es geht vor allem um Netzwerke“

Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer beim High-Tech Gründerfond, spricht im Rahmen unserer Serie zum Thema Corporate Entrepreneurship über den Stellenwert von Netzwerken und den Austausch zwischen Konzern und Startup.

 

Herr Dr. Brandkamp, was bewegt Sie, was treibt Sie an?

Ich bin seit 2005 Geschäftsführer des High-Tech Gründerfond und hatte auch das Privileg, den Business Plan schreiben zu dürfen, den wir heute exekutieren. Wir haben mit einem Team von drei Leuten angefangen und sind damit auch in gewisser Weise ein Startup, das aus der ersten Phase herausgewachsen ist. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, die wir in dieser Zeit gesammelt haben, sind jedoch bis heute wichtig. Der Aufbau eines jungen High-Tech-Unternehmens ist ein schwieriger und komplexer Prozess. Man muss sich hier von den spezifischen Aufgaben und Zuständigkeiten, die man aus dem Konzern kennt, trennen. Man ist einfach für alles verantwortlich. Dabei ist HR besonders wichtig, denn man muss zwingend Mitarbeiter an Bord holen, die die Vision des Unternehmens teilen. Wir wollen Mitarbeiter, die wirklich unternehmerisch getaktet sind. Dieser Ansatz ist für Investoren nicht unbedingt selbstverständlich. Viele Investoren sehen sich als reine Kapitalgeber. Der High-Tech Gründerfond sieht sich aber als Mitunternehmer, ohne dem Geschäftsführer letztlich zu sehr ins Handwerk zu fuschen. Unsere Mitarbeiter sollen den Instinkt haben, die richtigen Unternehmen zu finden und diese gleichzeitig wirklich voran zu bringen.

Dabei geht es vor allem um Netzwerke. Aufgrund der hohen Komplexität und den hohen Anforderungen, die mit der Entwicklung eines Unternehmens verbunden sind, reift sehr schnell die Erkenntnis, dass man es nicht alleine schaffen kann. Hier reicht es auch nicht aus, gute Leute einzustellen. Man muss einfach den richtigen Partner zum richtigen Zeitpunkt treffen. Je besser das aufgebaute Ecosystem, desto besser funktioniert das. Wichtige Partner sind insbesondere Investoren und Venture Capital Gesellschaften aus dem Ausland, aber auch Kunden, mit denen man eine Partnerschaft aufbaut um beispielsweise eine App zu implementieren. Wir machen in diesem Zusammenhang eine High-Tech Partnering Konferenz, wo wir die Großen mit den Kleinen in Verbindung bringen und zudem einen Family Day, bei dem wir die Startups untereinander vernetzen und sie zudem mit Investoren zusammenbringen.

Die Berliner Szene ist aktuell ein hervorragendes Beispiel für ein Ecosystem, das wirklich gut funktioniert. Unsere Aufgabe ist es, nicht nur dazu beizutragen, dass sich diese Ecosysteme weiterentwickeln, sondern dass sie sich auch mit anderen verdrahten. Ausländische Investoren, insbesondere aus Kalifornien, aber auch aus Asien, schauen zunehmend auf unser Ecosystem und auf unsere Startups.

 

 

Startups sind ja immer von einer gewissen Passion begleitet. Was fasziniert Sie am meisten, wenn Gründer auf Sie zukommen und ihre Idee vorstellen?

Mich fasziniert vor allen Dingen, dass Unternehmer ein Stück weit die Welt verändern möchten. Es geht nicht alleine darum, einen Haufen Geld zu verdienen, das ist nur das Resultat. Die Mission ist es eher, eine Wertschöpfungskette abzukürzen, Menschen in Netzwerken zusammenzubringen oder Krankheiten zu heilen, die bisher noch nicht heilbar sind. Das sind Missionen, die mit einem Unternehmen in Verbindung stehen und mich faszinieren.

Corporates sind ständig auf der Suche nach Innovationen und schauen hier zum Teil neidisch auf die Startups. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, wenn Konzerne und Startups zusammenarbeiten?

Die Herausforderungen sind vielfältig. Die beiden Welten sprechen eine komplett unterschiedliche Sprache, sie denken in unterschiedlicher Weise. Hier ergeben sich jedoch gleichzeitig die Chancen. Mitarbeiter von Konzernen sind zum Teil sehr In-House fokussiert, haben ihre eigene politische Agenda für ihre Karriere und vernetzen sich sehr stark intern. Beim Startup ist dies komplett umgekehrt. Hier hat mein ein kleines Umfeld und die interne Vernetzung ist völlig irrelevant, da man ohnehin jeden kennt. Stattdessen ist die Vernetzung nach außen ganz wichtig. Die Corporates sind aktuell sehr fasziniert von der flexiblen und dynamischen Arbeitsweise und dem Unternehmergedanken, der in den Startups herrscht. Deshalb suchen die Konzerne aktuell gezielt die Zusammenarbeit mit den Startups.

Welche Branchen sind gerade besonders im Umbruch und welche Entwicklungen werden wir in den nächsten ein bis zwei Jahren sehen?

Im Grunde kann man von den großen Megatrends die kleinen Trends ableiten. Hier haben wir vor allem die Digitalisierung. Diese erfasst natürlich sehr viele Bereiche. Industrie 4.0 beispielsweise, bei der es um klassische Sensorik und die Vernetzung von Maschinen geht. Zudem das ganze Thema Digital Health. Wir glauben, dass hier große Umbrüche entstehen werden, die getrieben sind von eHealth- und mHealth-Lösungen. Der Effizienzgewinn durch die Lösungen könnte etwa  45 Mrd. € für eHealth und 23 Mrd. € für mHealth betragen. Die Märkte sind also riesig. Schon heute gibt es 100.000 Apps, die sich rund um das Thema Gesundheit drehen. Gefördert wird dies noch durch ganz erstaunliche Partnerschaften zwischen den Krankenkassen und den Startups. Die Krankenkassen sind sehr an diesen Effizienzgewinnen interessiert und daran, dass sich der Patient emanzipiert. Ein anderer wichtiger Bereich ist natürlich die Publizistik, das ganze Verlagswesen verändert sich. Zudem das ganze Thema Shopping. Es wird immer mehr Vernetzung geben zwischen eCommerce und stationären Geschäften. In diese Trends investieren wir sehr gerne.

Sie sind Partner des Corporate Startups Summit. Was wünschen Sie sich für die Veranstaltung und was würden Sie als Message mitgeben?

Eine solche Veranstaltung kann einen wichtigen Impuls geben und verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass die Großen und Kleinen gemeinsam voran gehen und voneinander lernen. Wir hoffen, dass diese Veranstaltung die beiden Welten zusammenführt und hier auch konkrete Geschäfte heraus kommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Das Team des Corporate Startup Summit beim Interview mit Dr. Michael Brandkamp

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Der Corporate Startup Summit ist ein exklusives Networking Event mit dem Ziel, Corporates dabei zu unterstützen auch als Startup zu agieren. Auf die 250+ Teilnehmer warten interessante Vorträge, Workshops und Diskussionen mit erfahrenen Experten und anderen mutigen Intrapreneuren. Zusätzlich werden die innovativsten Unternehmen Deutschlands  im Rahmen eines exklusiven Gala Dinners mit dem Corporate Startup Award prämiert.

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Christopher Arz

Christopher Arz hält einen Master in Sales and Marketing und hat tiefgreifende Expertise in den Bereichen Product Management, Marketing und Innovationsmanagement. Im Rahmen seiner Master-Thesis beschäftigte er sich umfassend mit dem Thema Corporate Entrepreneurship.