Mittwoch, November 22

Digitale Transformation ist was für Amateure – wir anderen wollen einfach nur unseren Job machen!

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Diese Antwort bekam ich vor Kurzem als ich einen meiner Produktmanager um ein paar Folien zur digitalen Transformation gebeten habe. Ja und verdammt noch mal, er hat einfach nur Recht…

Doch von vorne: Was ist eigentlich diese sagenumwobene digitale Transformation?

Ist das nicht ungefähr so wie Teenager Sex?

  • Jeder redet darüber
  • Niemand weiß wirklich, wie es geht
  • Jeder denkt, dass alle anderen es tun
  •  Alle behaupten, sie tun es

Wenn alle behaupten, sie tun es bereits, wieso hängen wir dann in Deutschland soweit mit den Veränderungsprozessen hinterher? Sind wir tatsächlich im Verzug, wie alle behaupten oder ist der Ausdruck „digitale Transformation“ einfach nur der falsche Fachbegriff für das, was es in Unternehmen wirklich zu tun gilt?

Die digitale Transformation schreitet schneller voran als je zuvor

Die digitale Transformation gibt es eigentlich schon sehr sehr lange. Angefangen von den ersten Zügen des Internets bis hin zur aktuellen Mobile First Revolution befinden wir uns doch im stetigen Prozess der technologischen Metamorphose. Aber warum kommt das Thema jetzt verstärkt auf die Agendas von Konferenzen, Vorständen, Unternehmern und Gründern?

Ganz einfach: Die Entwicklung der Informations Technologie schreitet schneller voran als je zuvor und dringt damit mehr denn je in das Bewusstsein der Menschen und Unternehmen ein. Viele Unternehmen haben das Gefühl, dass sie einfach nicht mehr hinterherkommen.

Abbildung: Digitale Transformation – sie schreitet schneller als je zuvor voran

Gab es früher beispielsweise nur fünf Marketing- oder Projektmanagement Tools, die eingesetzt wurden, so sind es heute über Tausend. Benutzte man damals eine Software für die Abwicklung der Unternehmensprozesse mit wenigen Schnittstellen zu Subsystemen und Dienstleistern, so gibt es heute hunderte von Möglichkeiten, gesetzlichen Restriktionen und Anbindungen, die „digital“ realisiert werden müssen. Waren es am Anfang ein paar Tausend Apps auf unseren Smartphones, so sind es heute Millionen von Apps.

Die Möglichkeiten im digitalen Umfeld sind also unendlich geworden: Herzlich Willkommen im Jahr 2017!

Search & Execute in der digitalen Transformation als essentieller Treiber für den Erfolg

Was fällt den Unternehmen heute eigentlich so schwer mit dieser immer schneller voranschreitenden digitalen Transformation? Zunächst einmal ist es die wichtige Erkenntnis, sich den technischen Möglichkeiten komplett offen gegenüber zu stellen und die digitale Metamorphose als Chance für den zukünftigen Erfolg seines Unternehmens wahrzunehmen. Allein dieses Umdenken ist für viele alt eingesessene Unternehmen nicht leicht. Ist diese Erkenntnis jedoch erst einmal ausgereift und sind sich alle Entscheider im Unternehmen darüber einig, dann ist ein essentieller Treiber für den Erfolg ein agiler und schneller Search & Execute Prozess.

Kurz: Das schnelle finden, vertesten und ausrollen sowie skalieren von potentiellen Produkt- oder Geschäftsmodellansätzen. Gegebenenfalls auch solche, die das eigene Kerngeschäft direkt angreifen.

Abbildung: Digitale Transformation – Search & Execute

Ja das ist hart zu hören, aber die Ausrede „Das war schon immer so und wird auch so bleiben“ zählt schon lange nicht mehr. Unternehmen müssen sich neuen (agilen) Methoden und Möglichkeiten zuwenden, um überlebensfähig zu bleiben, schnell zu sein oder ihre Marktführerschaft zu behaupten. Verändert man als Unternehmen seine innere Kultur nicht oder gar zu langsam, läuft man Gefahr von anderen Unternehmen überholt oder am Ende gefressen zu werden. Und dann haben wir immer noch nicht über den Part gesprochen, was der Kunde eigentlich will bzw. was sich digital immer stärker verändert.

Die digitale Transformation ist CEO Sache und der Impuls muss von außen kommen

Wenn ich für mich als Unternehmen erkannt habe, dass ich selbst für den technologischen Umwandlungsprozess nicht gewappnet bin (schon mal ein sehr wichtige Erkenntnis!), dann heißt das ja noch lange nicht, dass es für mich keine Möglichkeiten mehr gibt. Ganz im Gegenteil. Es gibt eine ganze Reihe von alternativen Handlungssträngen.

Der Zukauf von Unternehmen oder StartUps kann beispielsweise auch Teil der Strategie in der digitalen Transformation sein. Springer hat es erfolgreich mit Zukäufen wie z.B. Stepstone oder Idealo vorgemacht. Große Teile der heutigen Umsätze kommen bei Springer bereits aus dem Digitalgeschäft.

Beim Zukauf von Unternehmen sollte man jedoch nicht nur auf die Erfahrung der Teams achten, sondern auch auf die langfristigen Potentiale. Ebenfalls sehr wichtig ist die Schaffung von Freiräumen zur Entfaltung und die Erhaltung der benötigten Unternehmenskultur, um die technologische Metamorphose voranzutreiben.

Abbildung: Digitale Transformation – Impulse müssen von außen kommen

Darüber hinaus ist die digitale Transformation immer CEO Sache! Ohne eine konsequente Entscheidung des C-Levels, den Transformationsprozess auch wirklich anzugehen, wird man am Ende wohl viel Mühe verschwendet, innere unternehmenspolitische Kämpfe ohne konkrete Erfolge ausgetragen und eine Menge Geld verbrannt haben.

Eine weitere Möglichkeit und wichtige Voraussetzung, um dem technologischen Umbauprozess Herr zu werden, ist der Impuls von außen. Optionen hierfür sind der Zukauf von Unternehmen oder der Aufbau von eigenen Corporate StartUps. Gemessen an den vorbeiziehenden Chancen und potentiell verlorenen Umsätzen, wenn man sich den Impuls nicht von außen holt, scheint das Investment im Vergleich doch sehr gering. Immer mehr Unternehmen neigen beispielsweise dazu, sich eigene Corporate Venture Capitalists (CVCs) Programme aufzubauen. Microsoft geht mit seinem CVC Programm sogar soweit, dass es keine Anteile mehr an den teilnehmenden Unternehmen, sondern diese Unternehmen einfach nur als potentielle Kunden im Portfolio haben will, die den nächsten Cloud Service oder eine spezielle Software von Microsoft nutzen soll. Solche Ansätze werden das Spielfeld der digitalen Transformation dramatisch verändern.

Der Kampf um Ressourcen hat schon längst begonnen.

Digitale Transformation – Arbeiten in zwei Geschwindigkeiten

Doch wie geht man die digitale Transformation nun konkret an? Egal, ob es um den Zukauf von Unternehmen, den Aufbau eigener StartUps oder die Etablierung von Innovationsteams geht, muss man die neue Unternehmenskultur mit der aktuellen Unternehmenskultur verbinden. Menschen müssen abgeholt und in die neue Welt eingebunden werden. Im Unternehmensumfeld ein oft schwieriges Unterfangen, da es oftmals Widerstände gibt, wenn es schneller und transparenter werden soll.

Das Arbeiten in zwei Geschwindigkeiten kann daher ein wichtiger Erfolgsfaktor sein. Die einen sind schneller, laufen (agil) voran. Die anderen sind leicht langsamer, werden aber trotzdem regelmäßig abgeholt.

Abbildung: Digitale Transformation – Arbeiten in zwei Geschwindigkeiten

Letztendlich geht es auch in der digitalen Transformation um Menschen (zumindest heute noch) und genauso verträglich müssen neue Strukturen und Arbeitsweisen aufgesetzt, eingeführt sowie etabliert werden. Das braucht viel Feingefühl, Überzeugungsarbeit und ständiges nachschärfen. Insbesondere deshalb, wenn bei der Umstellung viele Fehler (im eigenen Unternehmen) aufkommen – denn das wird garantiert der Fall sein und damit muss man umgehen können. Ja, auch das ist Teil der digitalen Transformation. Viele verwechseln nämlich, dass es nicht nur um geile digitale Tools und digitale Produkte geht, sondern um uns – uns Menschen die einfach nur ihren Job machen wollen!

Digitale Transformation – einfach nur der falsche Fachbegriff?

Ist das Wort digitale Transformation der richtige Fachbegriff für das was es in Unternehmen wirklich zu tun gilt? Ich bin eher davon überzeugt, dass sich schon was ergeben wird, wenn wir einfach unsere Jobs so gut wie möglich machen. Dadurch werden sich weitere Möglichkeiten eröffnen und Türen auftun, von denen man nie zu träumen gewagt hätte, als wenn man nur herumgesessen und auf die große Eingebung zur digitalen Transformation gewartet hätte.

Kurz: Die digitale Transformation ist was für Amateure – wir anderen wollen einfach nur unseren Job machen! Und einfach nur unseren Job machen, können wir in Deutschland sehr gut…

Welche Meinungen und Erfahrungen habt Ihr zum Thema digitale Transformation? Bitte teilt den Artikel und diskutiert darüber! Je mehr und schneller wir uns den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen, desto mehr Chancen werden wir haben, die digitale Transformation für uns als Vorteil nutzen zu können…

About Author

Andreas Pihan hat langjährige Erfahrungen in den Bereichen Asset Management, Privatbanken und in der Verlagsbranche. Ganz besonders interessiert er sich für den Aufbau, die Validierung und die Realisierung von neuen digitalen Geschäftsmodellen sowie für neuartige Content-Marketing-Strategien.

Zudem gibt er Produkt-Positionierungs-Trainings und ist Autor von verschiedensten Publikationen zu Themen wie z.B. iBeacon, IoT und User Stories.