Mittwoch, November 22

Der Gewinner des Corporate Startup Award in der Rubrik Beste Partnerschaft: Vaamo. Im Interview sprechen die beiden Gründer und Vorstandsmitglieder Dr. Thomas Bloch und Dr. Oliver Vins über ihre Zusammenarbeit mit der FIL Fondsbank, was Vaamo als erfolgreiches Unternehmen ausmacht und geben konkrete Tipps für die Zusammenarbeit zwischen Startup und Corporate.

Ich spreche mit den beiden Gründern bzw. Vorständen von Vaamo. Herzlichen Glückwunsch noch einmal für euren Gewinn des Corporate Startup Awards für die beste Partnerschaft. Wie funktioniert denn eure Zusammenarbeit mit der FIL Fondsbank und wie kamt ihr auch auf die Idee für diese Partnerschaft?

Ich glaube, grundsätzlich ist unser Ziel bei Vaamo, Privatkunden einen einfachen und intuitiven Zugang zum Kapitalmarkt zu bieten, damit wirklich jeder in der Lage ist, sein Geld sinnvoll und kostengünstig anzulegen. Dabei ist unser Fokus die Arbeit mit den Kunden, d.h. ein besseres auf Technologie basierendes Angebot für den Kunden zu schaffen. Dabei können und wollen wir im ersten Schritt natürlich nicht die komplette Bankdienstleistung erbringen. Entsprechend haben wir früh damit angefangen einen Partner zu suchen, der spezialisiert darauf ist, Depotführung, Transaktionsabwicklung und Zahlungsverkehr in einem solchen Geschäftsumfeld zu erbringen. Bei Gesprächen mit verschiedenen Partnern sind wir relativ schnell auf die FFB gekommen, als eine der führenden Fondsabwicklungsplattformen hier in Deutschland.

Was zeichnet Vaamo tiefergehend als Produkt aus und was ist genau das Prinzip von Vaamo ?

Der Thomas hat das gerade eben schon angerissen: Das Prinzip von Vaamo ist wirklich jedem einen einfachen Zugang zum Kapitalmarkt zu geben. Wir stehen defacto momentan auch schon vor der Situation, dass 85% der Deutschen überhaupt gar nicht an den ganzen Gewinnen, die momentan am Kapitalmarkt erreicht werden, partizipieren. Und das ist wirklich ein echtes Problem, wenn man berücksichtigt, wie hoch eigentlich der Vorsorgebedarf ist. Mit Vaamo schaffen wir es eben ein sehr vernünftiges Kapitalmarktprodukt anzubieten, dass wir mit der Goethe Universität zusammen entwickelt haben – zu sehr günstigen Kosten. Das besondere bei Vaamo ist aber, dass der Prozess sehr einfach ist. Das heißt, das Produkt ist für Jeden geeignet, auch wenn er wenig Finanzkenntnis hat, auch wenn er wenig Zeit damit verbringen will. Mit drei Klicks – das ist unser Versprechen – kann man hier in ein vernünftiges Produkt investieren.

Welche langfristige Perspektive seht ihr für diese Form der Anlageberatung, vielleicht auch vor dem Hintergrund der Risikobereitschaft deutscher Anleger?

Wir sehen langfristig einen enormen Bedarf für so ein Produkt. Wir sehen auch in anderen Ländern wie den USA, das diese Art der Anlageform (manche nennen das „Low-advice“ – also die Idee nicht gerade zum Anlegeberater gehen zu müssen, sondern ein vernünftiges Produkt durch intelligente Computeralgorithmen zu bekommen) in den USA schon ein ganz anderes Level erreicht hat. Also da sehen wir schon, dass viele Tausend Kunden das sehr zufrieden nutzen und wir sehen eben auch, gerade auch durch den Vertrauensverlust den viele Banken durchgemacht haben, ein ganz verändertes Kundenverhalten der jüngeren Generation, vor allem in den Ökonomiearten sehen wir enorme Chancen. Wir müssen ganz klar sagen, dass das das Modell der Zukunft ist, weil Privatkunden heute, wie andere Dienstleister eben auch, Finanzdienstleistungen mobil beziehen möchten. Eine kürzlich vorgestellte Studie zeigt z.B. auch sehr deutlich, dass 60% der jungen Berufstätigen bei Themen wie der Geldanlage sich gar nicht mehr in einem persönlichen Beratungsgespräch informieren möchten, sondern eben dies online tun möchten.

Welche langfristige Strategie verfolgt ihr hier, also wo geht die Reise langfristig hin?

Also zunächst wollen wir der führende Anbieter in unserem Bereich in Deutschland werden und als Alternative zu traditionellen Bankangeboten im Bereich Sparen und Anlegen wahrgenommen werden. Langfristig wollen wir aber sogar die führende Plattform im Euroraum sein, wenn es um Sparen und Anlegen und letztendlich Anlageberatung geht. Inhaltlich wird der Fokus bei uns sehr stark darauf liegen, den Prozess zu vereinfachen und noch mehr Beratung und Guides zu geben, so dass wirklich Jeder sehr einfach auch Informationen erhält, wie er Geld anlegen sollte. Das ist sicherlich viel stärker unser Schwerpunkt als das Investmentprodukt noch dramatisch auszubauen.

Welche konkreten Tipps könnt ihr den Startups geben hinsichtlich der Zusammenarbeit mit einem Corporate, welche Erfahrung habt ihr gemacht?

Also es ist glaube ich grundsätzlich sehr wichtig, sich für einen Partner zu entscheiden, der die gleiche Einstellung zu der zukünftigen Entwicklung des Finanzdienstleistungssektors hat, der bereit ist neue Wege zu gehen. Um das in einer Organisation letztendlich zu erreichen, ist es sehr wichtig auch mit dem Management zu sprechen und, dass eben das Management eine solche Zusammenarbeit mitfördert und in der Organisation durchsetzt.

Wie kann auf der anderen Seite ein Corporate, deutsche Banken also letztendlich, von der FinTech Szene und Startups wie Eurem lernen?

Ich glaube, wie wir mit unserer Partnerbank (der FFB) zusammenarbeiten, ist sicherlich ein sehr gutes Modell, um ein grundsätzliches Umdenken oder eine Offenheit für neue Geschäftsmodelle oder neue Arbeitsweisen zu erlernen, da wir nicht nur einen Kontaktpunkt wie z.B. Geschäftsführung oder die Strategieabteilung haben, sondern durch die Organisation hinweg mit der Kundenbetreuung, mit Operations und mit der IT zusammenarbeiten und so eigentlich verschiedene Gruppen im Unternehmen einen Einblick in unsere Arbeits- und Denkweisen bekommen und das auch sehr spannend finden.

Wie wird denn langfristig die Perspektive für FinTech allgemein, vor allem im deutschen Raum? Seht ihr das so, dass immer mehr Zusammenarbeit auch entstehen wird zwischen klassischen Banken und FinTech Startups oder wird es vielleicht eher in die Richtung gehen, dass Startups tatsächlich auch den Banken sehr viele Marktanteile wegnehmen werden?

Also ich glaube in Zukunft werden wir beides sehen, also wenn wir in fünf Jahren hier nochmal stehen dann werden wir gar nicht mehr so unterscheiden können in FinTechs auf der einen Seite und Banken auf der anderen Seite. Wir sehen heute schon viel Kooperation auf der Abwicklungsseite, genauso wie bei uns auch die FFB ist unsere Abwicklungsbank. Wir werden zukünftig aber alle Modelle sehen, wir werden Kooperationen für den Vertrieb sehen, wir werden FinTechs sehen, die in fünf Jahren Bankenlizenzen haben, wir werden Banken sehen, die sich wie FinTechs verhalten etc. Ich denke, dass sich das Ökosystem hier sehr stark weiterentwickeln wird und beide Seiten voneinander lernen werden und wir alle Modelle der Zusammenarbeit sehen werden.

Welchen Beitrag kann der Corporate Startup Summit aus eurer Sicht hier leisten?

Also zum einen stellt der Corporate Startup Summit natürlich den Kontakt zwischen Corporates und Startups her, zum anderen wird da auch über Erfahrungen, unterschiedliche Arbeitsweisen und Denkweisen diskutiert, es wird sich ausgetauscht. Insofern ist der CSS ein sehr wichtiges Bindeglied eigentlich zwischen der Startup-Szene und der Corporate-Welt und hilft natürlich auch dieses Umdenken voranzutreiben.

Thomas und Oliver, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview zu dem Partnerunternehmen von Vaamo, der FIL Fondsbank, können Sie hier lesen und anschauen!

About Author

Christopher Arz hält einen Master in Sales and Marketing und hat tiefgreifende Expertise in den Bereichen Product Management, Marketing und Innovationsmanagement. Im Rahmen seiner Master-Thesis beschäftigte er sich umfassend mit dem Thema Corporate Entrepreneurship.