Mittwoch, November 22

Ein effektiver Austausch unter Intrapreneuren. Eine Mischung aus Konzernumfeld und Startup Kultur. Und nicht zuletzt spannende Vorträge und Diskussionen über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland und zur Frage: Wie werden Innovationen im 21. Jahrhundert hervorgebracht? Das alles bietet der Corporate Startup Summit. Am 07. Juli 2015 fand das Event zum dritten Mal statt. Erneuter Gastgeber: die Deutsche Bahn. Der Silberturm in Frankfurt am Main bot erneut ein würdiges Ambiente. Der diesjährige Summit war aus drei Gründen außergewöhnlich. Erstens wurde am Abend zuvor erstmals der Corporate Startup Award verliehen und damit eine feierliche Einstimmung auf den Summit geboten. Zweitens ließen sich die Teilnehmer durch neue Formate begeistern. Allen voran die Slams, bei denen man in kürzester Zeit tiefe Einblicke in fremde Konzernumfelder gewinnen konnte. Und drittens regten auch diesmal wieder hochkarätige Redner und spannende Beiträge zu Diskussion und Networking an. Wir haben das Event begleitet.

Aller Anfang ist schwer?

Nicht für Dr. Michael Kettner und Prof. Dr. Julian Kawohl. Die beiden Redner eröffneten den Summit und legten einen dynamischen Start vor. Dabei zeigte Michael Kettner, Leiter „Unterstützung CTO/ CIO Vorstandsressort Infrastruktur“ der DB Netz AG, vor allem die hohe Relevanz von Corporate Entrepreneurship vor dem Hintergrund einer digitalen Revolution, die zunehmend Fahrt aufnimmt. Auch für die Deutsche Bahn ein äußerst wichtiges Thema.

Julian Kawohl ist Professor für strategisches Management und Case Studies an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und thematisierte in seinem Vortrag die Besonderheiten bei Partnerschaften zwischen Corporates und Startups. Dabei sei es essenziell, dass sich die Beteiligten über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Welten im Klaren sind und diese gezielt zur Ergänzung der eigenen Fähigkeiten nutzen.

 

Slams und Speed Dating

Erstmals wurden beim Corporate Startup Summit auch Slam-Formate genutzt, um den Teilnehmern in möglichst kurzer Zeit möglichst vielfältige Eindrücke zu vermitteln. Im Rahmen der vorgegebenen Themen „Intrapreneurship meets Startup-Thinking“ und „Creating Intrapreneurs” schilderten die Referenten praxisnahe Erfahrungen und Beispiele.

 

Slam

 

Darüber hinaus stand in den Pausen das Speed Dating Format zur Verfügung. Interessierte konnten sich in kurzen zeitlichen Abschnitten gezielt über Themen wie „der Stellenwert von HR bei Corporate Entrepreneurship“ austauschen und so in kürzester Zeit eine kontroverse Diskussion führen.

 

Innovationen aus der Vorstandsperspektive

 

Thilo Schuhmacher

 

Ein Highlight nach der Mittagspause war der Vortrag von Dr. Thilo Schuhmacher, Vorstand des Versicherungskonzerns AXA. Selbstkritisch diskutierte er die Defizite des eigenen Unternehmens hinsichtlich des Hervorbringens von Innovationen und zeigte gleichzeitig auf, dass die Digitalisierung auch die Versicherungsbranche zunehmend unter Druck setzt. Altlasten, sowohl technologisch als auch kulturell, behindern das Erschließen neuer Geschäftsfelder. Dennoch sei es zwingend notwendig, neue Wege zu gehen. Ein Beispiel: die Gewinnung von „BOOK A TIGER“ als neuen Kunden. Das Portal bietet eine Plattform zur Vermittlung von Reinigungskräften. Das Problem dabei: die Haftungsfrage, wenn etwas zu Bruch geht. Für AXA ein Ansatz für ein neues Versicherungsprodukt. Darüber hinaus stellt Schuhmacher klar, dass der Konzern, und auch er persönlich, sehr offen ist für externe Startups mit guten Ideen. Er verspricht: „In keinem Konzern sprechen Sie als Startup so schnell mit dem Vorstand wie bei AXA.“

 

Praxis pur: Innovationsprogramme in deutschen Konzernen

Matthias Patz, Digital Strategist bei der DB Systel, präsentierte die innovativen Ansätze der deutschen Bahn. Darunter auch die „Startup Safari“, ein Programm, das am Abend zuvor bereits den Award für das beste Corporate Entrepreneurship gewonnen hat. Zudem stellte Patz den hohen Stellenwert von Methoden wie Lean Startup und Design Thinking heraus und betonte die Notwendigkeit der Nutzung im Konzernumfeld.

Die Deutsche Telekom gilt bereits als deutsches Best Practice, wenn es um Innovationsprogramme im Konzern geht. Neben UQBATE und Hub:raum, dem Vorzeigeprojekt der Deutschen Telekom, sind auch Partnerschaften mit externen Unternehmen ein probates Mittel, um neue Produkte zu entwickeln. Allen voran die mit Octoshape, einem Anbieter für Peer-to-Peer-Media-Streaming-Server und -Client Lösungen, mit der sich Audio- und Videostreams komprimiert und somit bandbreitensparend übertragen lassen. Marc Nierwetberg, Leiter Vorstandsstab Europa & Technik, und Jens Herrmann, Business Development Manager, erläuterten, wie eine solche Partnerschaft funktionieren kann. Aber auch, welche Hürden es im Konzernumfeld gibt. In diesem Zusammenhang muss man Intrapreneure dafür sensibilisieren, dass sie gegen Widerstände aus den eigenen Reihen zu kämpfen haben. Ebenso wie beim klassischen Entrepreneurship muss man auch im Rahmen von Corporate Entrepreneurship fest an seine Idee glauben und sie wirklich durchsetzen wollen. Oftmals agiert man dabei unterhalb des üblichen Konzernradars, ohne konkreten Projektauftrag und zusätzlich zu den Aufgaben des Tagesgeschäfts.

 

Diskussion Inkubatoren

 

Das Stichwort Mobility fällt in der Startup-Szene immer häufiger. Das merken natürlich auch die Konzerne und möchten sich die neuen Ideen zu Nutze machen. Allen voran BMW mit der Startup Garage. Gregor Gimmy erläuterte den Ansatz: „Wir möchten Venture Client statt Venture Capital Geber sein.“ Was heißt das genau? Laut Gimmy sei es nahezu unmöglich, ein Startup davon zu überzeugen nach München zu kommen, wenn es auch in Silicon Valley arbeiten kann. Deshalb beteiligt sich BMW nicht an den Startups bzw. unterstützt sie nicht finanziell sondern kauft ganz einfach ihre Produkte. Denn nach Gimmy brauchen Startups vor allem eines: Kunden. Interessant sind dabei nicht nur Unternehmen aus der Automobilbranche sondern auch solche mit Technologien, die auf fahrzeugtechnische Anwendungen übertragbar sind. Dabei muss auch die branchenspezifische Besonderheit beachtet werden, dass eine Innovation langfristig auch von der Konkurrenz genutzt werden sollte, um die Herstellkosten zu senken.

Das Thema Mobility der Zukunft beschäftigt natürlich auch die Lufthansa. Der Innovation Hub soll es ermöglichen, neue Ideen aus dem Konzern heraus auf die Straße zu bringen. Dabei möchte man vor allem näher an die Startup- und Technologieszene heranrücken. Sebastian Herzog, Project Lead & Co-Creator des Programms, gab auf dem Corporate Startup Summit unter dem Stichwort „Rethinking Travel“ einen exklusiven Einblick in die Arbeitsweisen im Rahmen des Programms. Eines der Grundprinzipien: Lean Startup und die Entwicklung von MVPs (Most Valuable Product). Das kreative Zentrum liegt in Berlin-Kreuzberg. Hier entstehen derzeit vor allem digitale Produkte für eine optimierte Reiseplanung.

 

Das Fazit: ein wertvoller Austausch unter Intrapreneuren

Teilnehmer des Corporate Startup Summit empfinden es als besonders wertvoll, wenn sie Gleichgesinnte treffen und sich mit Ihnen austauschen können. Zu sehen, dass es anderen ähnlich ergeht, dass andere ähnliche Probleme haben, aber auch ihre eigenen Lösungen dafür entwickeln. Es geht darum, voneinander zu lernen und die Projekterfahrungen aus anderen Unternehmen mit in den eigenen Alltag zu nehmen. Aber es geht auch darum, das Thema in Deutschland voranzutreiben. Die digitale Revolution hat längst alle Branchen erreicht – und die etablierten Konzerne sind sich dessen bewusst. Nun gilt es, die Diskussion aufrecht zu erhalten und gemeinsam die angesprochenen Lösungen und Methoden weiterzuentwickeln, um die Innovationskraft der Konzerne nachhaltig zu steigern. Welches Format wäre dafür besser geeignet als der Corporate Startup Summit?

 

Teilnehmer

 

Wir freuen uns auf das nächste Event – TO THE CRAZY ONES!

About Author

Christopher Arz hält einen Master in Sales and Marketing und hat tiefgreifende Expertise in den Bereichen Product Management, Marketing und Innovationsmanagement. Im Rahmen seiner Master-Thesis beschäftigte er sich umfassend mit dem Thema Corporate Entrepreneurship.