Corporate Startup Award Gewinner 2016 – Axel Springer Plug and Play Accellerator

Der Gewinner des Coporate Startup Award in der Kategorie „Bester Incubator Acellerator“ ist Axel Springers Accellerator-Programm. In einem Interview erläutert uns Daniel Dierkes die Idee hinter ihrem Erfolgsmodell und berichtet von seinen Erfahrungen mit Startups.

 

Herzlichen Glückwunsch an Axel Springer Plug and Play Accellerator für den Besten Incubator Acellerator. Wo kommt die Idee her?

Ganz, ganz interessante Idee. Wer das Haus Axel Springer kennt weiß, dass Axel Springer relativ früh angefangen hat M&A-Aktivitäten (Mergers & Aqusition) zu betreiben und wirklich Innovation einzukaufen aber eben Mehrheitsbeteiligung. Aber man hat dann vor einigen Jahren gesagt, dass man durch diese Aquisition zwar mehr oder weniger auf die Bottomline einzahlt, aber man nur geringfügig an Innovationskraft hinzu gewinnt. Und das heißt ein Team an Senior-Managern von Axel Springer ist vor 4 Jahren in den Silicon Valley gereist, hat sich dort mit Kunden und anderen Investoren getroffen und ist praktisch mit der Idee: „Wir gründen jetzt einen Acellerator“ aus dem Silicon Valley wiederkommen. Und so ist das Ganze entstanden.

 

Was ist euer Erfolgsgeheimnis? 

Ich glaube da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Ich glaube wie man es ganz gut zusammenfassen kann ist das Sprichwort „So nah und doch so fern“. Wir sitzen nicht in einem Gebäude von Axel Springer, sondern sitzen bewusst ein paar hundert Meter weit weg. Aber eben auch nur ein paar hundert Meter, sodass der tägliche Austausch trotzdem immer stattfinden kann. Wir sind aber nicht in Räumlichkeiten von Axel Springer, sodass eine gewisse Distanz gewährleistet ist. Durch die Joint-Venture-Struktur, die wir haben mit einem Partner, der wirklich klassisch institutionelle Investoren-Ziele verfolgt – Also der einen Return auf seine Investments machen will – sind wir auch so ein bisschen losgelöst von Axel Springer und können einfach freier in unserem Acellerator agieren.
Und Ich denke das hilft uns einfach auch im Auftreten nach außen, weil wir bei den Startups nicht direkt als strategischer Partner / Investor wahrgenommen werden, sondern eher als Partner. Und zwar eine starke Marke wie Axel Springer dahinter steht, die der Firma auch weiterhelfen kann. Aber wir werden eben nicht als Stratege wahrgenommen, der dem Startup ausschließt, dass sie sich mit anderen Firmen zusammenschließen im Anschluss.

Du hast die Erfolgsgeheimnisse so bisschen genannt und erläutert. Kannst du nochmal bisschen mehr zu euch erzählen. Was macht ihr, was zeichnet euch aus, wie agiert ihr?

Ja, also wir sind ein Accelerator-Programm.

Das heißt wir investieren pre-seed in der frühen Phase. Das heißt wir sind meist der erste institutionelle Inverstor für die Startups. Die haben noch kein anderes Investment bekommen. Und was wir den Startups anbieten, ist sie bekommen auf der einen Seite ein hundert-tägiges Programm von uns. In dem Programm bieten wir Mentoring an. Wir haben über 300 gründungserfahrene Mentoren die sich mit den Startups beschäftigen und ihre Erfahrungen weitergeben. Wir haben einen Pool an Experten. Das sind Leute aus Großunternehmen, die funktionale Expertise mitbringen und sie an die Startups weitergeben.
Wir bieten Workshops zu Themen an, die für Startups wichtig sind. Das geht von „Financial Business Modelling“, über wie hire ich meine ersten Employees, über was muss ich bei taxation beachten, wie mache ich bei euch meinen Sales auf. Also wirklich ein breiter Fächer an Themen und darüber hinaus öffnen wir einfach auch die Netzwerke für die Startups. Wir bringen die Startups mit relevanten Investoren zusammen, wir vernetzen die Startups mit anderen Großunternehmen für eine potentielle Pilotpartnerschaft oder eine Kooperation. Das ist das was wir im Programm haben und darüber hinaus kriegen die Startups 25.000 Euro von uns und wir kriegen für Programm plus 25.000 Euro, 5% der Anteile. Das ist das was wir machen.

Wie wählt ihr denn aus? Was muss ein Startup mitbringen, damit es gut für euch ist? 
Also da könnte ich jetzt sehr, sehr lange drüber referieren. Wir haben natürlich einen sehr, sehr langwierigen Entscheidungsprozess. Also nicht jetzt von der Dauer, wie lange es dauert bis wir eine Entscheidung treffen, aber einfach von den Kriterien die dahinter hängen. Wenn ich es irgendwie ganz kurz zusammenfassen müsste, würde ich sagen, es sind zwei Sachen die essenziell sind. Das eine ist: Die Gründer müssen uns vollkommen überzeugen. Und Gründer sind in dieser Phase wichtiger als die Idee. Denn eine Idee kann in dieser frühen Phase sich immer mal wieder verändern. Wir müssen einfach davon überzeugt sein, dass die Gründer in der Lage sind, nachhaltig ein vernünftiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen.
Die grundsätzliche Frage ist: Können wir diesem Startup helfen, mit dem was wir im Team als Expertise haben aber auch mit den Netzwerkpartnern, die wir auf unserer Plattform haben? Also kennen wir Investoren, die in solche Geschäftsmodelle investieren? Kennen wir Unternehmen die sowas spannend finden, für ein Partnering? Haben wir Mentoren die gleiche Geschäftsmodelle mal erarbeitet haben und da vielleicht irgendwie Learnings transportieren können. Wir müssen einfach davon überzeugt sein, dass wir die Firma auch signifikant beschleunigen können. Sonst macht das für uns keinen Sinn in die Firma zu investieren, weil wir haben ja auch einen Ruf zu verlieren.

Was war dein größtes Aha-Erlebnis, dein größtes Learning?

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Das sind so kulturelle Unterschiede zwischen Großunternehmen und Startups. Und so eine ganz witzige Anekdote ist: Wir haben mal ein Startup von uns mit einem Unternehmenspartner zusammengebracht und dann war es sein super Meeting. Ich war beim Meeting dabei, weil ich die Firma auch als Portfolio-Manager betreue und dann ist man am Ende auseinander gegangen mit: „Hey, this was cool. Let’s meet soon.“ also „Lass uns ‚bald‘ wieder treffen“ und dann kam das Startup nach – ich glaube – einer Woche zu mir und meinte: „Hey ich habe noch nichts von der Unternehmung gehört“. Ich habe dann auch mal ein Follow-Up bei der Unternehmung gemacht und es ist einfach so ein Missverständnis gewesen.
Weil dieses „soon“ für ein Startup bedeutet eigentlich „Wir sehen uns heute Nachmittag“ und für das Großunternehmen bedeutet das „soon“ aber „Wir planen das mal für das nächste Quartal ein“.

Und das ist jetzt nur eine Anekdote, aber da gibt es ganz, ganz viele Learnings von den kulturellen Unterschieden zwischen einem Startup und einem Großunternehmen. Das finde ich sehr spannend.

Welche Tipps würdest du mit auf den Weg geben? Zum einen Startups, zum anderen aber vielleicht auch anderen Unternehmen, die ebenso Programme planen.

Ich glaube also wir sind starke Verfechter vom Partnering-Modell. Also wir glauben nicht, dass wir alleine als Acceleratormodell ohne unsere Partner den Erfolg hätten, den wir jetzt haben. Das heißt, wir sehen uns mehr als Plattform auf der der Mehrwert gemeinsam mit unseren Partnern entsteht. Das heißt wenn ich einen Tipp für andere Programme haben würde, ist das zu Parnern, sich einfach externes Know-How reinzuholen. Weil das einfach bessere Programme macht.

 

Der ultimative Tipp für Startups?

Der ultimative Tipp für Startups. Also die Number-One-Rule die wir jedem Startup sofort an die Hand geben und das ist vorhin auch so ein bisschen in der Keynote rausgekommen, ist einfach so schnell wie möglich etwas launchen. Dann mit echtem Customer Feedback davon lernen, iterieren, neues Produkt rausbringen und das selbe wieder machen. Und das ist wirklich ein Punkt in Deutschland: Overengineering.
Also nicht so lange an einem Produkt feilen, bevor man damit rausgeht, sondern – wenn es mal eine Landingpage ist oder so – einfach mal rausgehen und davon echtes Customer Feedback kriegen und dementsprechend dann sein Produkt weiterentwickeln. Das ist worauf wir sehr viel Wert legen. Wir investieren in keine Firmen, die kein Produkt haben was sie irgendwie Leuten zeigen können. Wir investieren nicht in Gründer die vorher kein richtiges Feedback gesammelt haben.

 

Okay. Herzlichen Dank!

Danke dir für dieses Interview!

Christoph Kornstaedt

Neben einem abgeschlossenem Bachelor-Studium der BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement konnte Christoph Kornstädt bereits umfassende Praxiserfahrungen im Bereich Business Development Marketing, PR und Web-Development in mehreren Unternehmen im In- & Ausland sammeln. Dieses Know-how setzt er nun bei Safari ein und unterstützt die Teams im Bereich Business Model Innovation und Content Marketing. Sein Masterstudium in International Business Studies schließt er derzeit mit seiner Masterarbeit zur Übertragung von agilem Management auf Organisationsstrukturen ab.