Agile Weihnachten: Wie Sie in diesem Jahr lahme Geschenke, Beziehungskrisen und Familien-Katastrophen mit einem MVP vermeiden

Die vermeintlich beschauliche Adventszeit beginnt, es duftet nach Weihnachtsplätzchen und die Kerzen auf dem Adventskranz erhellen das Wohnzimmer während draußen die ersten Schneeflocken fallen. Doch der Schein trügt. Statt Besinnlichkeit und Harmonie baut sich in mir ein bis zum Weihnachtsfest überproportional ansteigender psychischer Stress auf. Die Tage sind gezählt, Weihnachten rückt immer näher und damit auch der Druck das verkorkste Geschenk an meinen Freund aus dem letzten Jahr wieder gut zu machen. Dabei waren Eierbecher doch so eine gute Idee. Praktisch, quasi täglich einsetzbar und selbstverständlich spülmaschinenfest. Ich verstehe bis heute nicht warum er direkt nach der Bescherung mit heruntergeklappter Kinnlade ins Bett verschwunden ist.

Manche von euch können sich vielleicht noch ein wenig an unseren Artikel zur Agilen Weihnacht erinnern, für viele ist unser Leitfaden aber neu. Daher wollen wir euch noch einmal aufzeigen, wie man nach der agilen Methode schnell zum passenden Geschenk für die Liebsten und Freunde kommt.

Auch dieses Jahr wird wieder alles besser, denn ich habe mein methodisches Vorgehen zur Geschenk-Selektion optimiert und ein agiles 3-Phasen-Framework zur Validierung des „Geschenk-Empfänger-Fit“ entwickelt:

Phase 1: Entwicklung eines Minimum Viable Present (MVP)

In der ersten Phase geht es darum ein MVP (Minimum Viable Present) zu entwickeln. Dazu werden klar definierte Hypothesen aufgestellt. Das Wichtigste und Schwierigste in dieser Phase ist es, echte Gespräche mit der zu beschenkenden Person (im folgenden Empfänger genannt) zu führen und dessen Feedback diskret zu dokumentieren ohne dabei Verdacht aufkommen zu lassen.

In dieser Phase ist es noch sehr leicht einen Pivot zu machen, da in der Regel erst eine “low-fidelity” Geschenkidee vorhanden ist, die auf einen optimalen „Geschenk-Empfänger-Fit“ zu prüfen ist, um daraus ein MVP entwickeln zu können. Durch eine permanente Validierung der gewonnen Erkenntnisse, werden Hypothesen ständig geprüft und angepasst. Dieses hochgradig iterative Vorgehen erhöht die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Weihnachtsfests signifikant.

Im Falle meiner Eierbecher hätte ich Michael zu seinen Eieressgewohnheiten befragen müssen, um dann festzustellen, dass das morgendliche Eieressen aus Champagnergläsern keinen „Pain“ für ihn darstellt und folglich kein konkreter „Need“ bestehet das Frühstücksei künftig aus einem Eierbecher zu löffeln. So hätte ich herausgefunden, dass kein „Geschenk-Empfänger-Fit“ vorhanden ist.

Somit hätte ich bereits in dieser frühen Phase der Geschenk-Ideen-Entwicklung die Möglichkeit gehabt einen Pivot von der Ursprungshypothese „Eierbecher sind ein passendes Geschenk für Michael“ auf zum Beispiel „Aschenbecher sind ein passendes Geschenk für Michael“ (Michael ist starker Raucher) zu machen. Diese frühzeitige Empfänger-Feedback und tiefgreifende Empfängerverständnis hätten die Erfolgswahrscheinlichkeit und Nachhaltigkeit meiner Geschenkidee erhöht und mir zu einer schnellen und sicheren Entscheidungsfindung verholfen.

Phase 2: Validierung der Geschenkidee

In der zweiten Phase sind gleich mehrere Tests nötig, in denen z.B. der Verkaufspreis, die Verfügbarkeit und die Beschaffung des potentiellen Geschenks validiert werden. Das MVP wird in dieser Phase meist zu einer “high-fidelity” Version ausgebaut. Am Ende dieser Phase sollte klar sein, ob ein Verlangen nach dem Geschenk besteht, was der primäre Nutzen ist und ob das Geschenk Potential hat bei Erhalt eine positive Reaktion durch den Empfänger auszulösen. Hier ist die letzte Chance noch vor der anstehenden Beziehungskrise zu pivoten.

Im Falle meiner Eierbecher hätte in dieser Phase ein A/B Test geholfen meine Ursprungsidee „Eierbecher“ gegen die veränderte Version „Aschenbecher“ zu testen und frühzeitig eine Iterationen vorzunehmen, um schnell nachjustieren zu können. Durch regelmäßiges Testing kann das Geschenk agil entwickelt und damit das Eintreten eines nachhaltigen Beziehungsschadens minimiert werden. Ganz nach Steve Blanks Motto „Keep failing fast till you succeed“ hätte ich noch ausreichend Zeit gehabt von meiner Ursprungsidee abzuweichen und mein fortwährendes Beziehungsglück zu sichern.

Phase 3: Skalierung der Geschenkidee

In der dritten Phase ist das Suchen nach einer Geschenkidee abgeschlossen und es dreht sich alles um die Skalierbarkeit der Geschenkidee. Eine skalierbare Geschenkidee deckt den „Need“ einer größeren Gruppe von Empfängern ab. Im Best Case Scenario lassen sich Synergieeffekte bei der Geschenk-Beschaffung nutzen, um Kostenvorteile zur realisieren. Unter der Voraussetzung, dass die skalierbare Geschenkidee validiert ist, ist in dieser Phase nun ein finanzielles Investment notwendig. Dabei ist es wichtig die Geschenkebeschaffung möglichst „lean“ zu halten. Eine weibliche Powershopping-Orgie unter hohem Ressourceneinsatz ist dringend zu vermeiden.

Wäre mir also bereits letztes Weihnachten das 3-Phasen Framework zur Verfügung gestanden, hätte ich nicht nur meine lahmen Eierbecheridee zugunsten eines Aschenbechers verworfen, sondern ich hätte festgestellt, dass meine Mutti, Oma Paula und Onkel Xaver ebenfalls starke Raucher sind und sich meine Geschenkidee entsprechend skalieren lässt. So hätte mir der Kauf eines Aschenbecher-Vierer-Packs zu einer bessere Verhandlungsposition gegenüber dem Händler verholfen, ich hätte Kostenvorteile im Beschaffungsprozess erzielen können und das Beste: Ich hätte die Einsparung in mein eigenes Weihnachtsglück – nämlich ein Paar neue Jimmy Choos – investieren können.

Wenn auch Sie agil in die Weihnachtszeit und voller Innovationsideen in das neue Jahr starten möchten, dann schauen Sie doch regemäßig auf unserem Blog vorbei. Fühlen Sie sich herzlich eingeladen zu kommentieren, aktiv mitzudiskutieren, kritisch zu hinterfragen und zukunftsweisende Denkanstöße zu geben. Wir freuen uns auf Sie!

In diesem Sinne eine agile Vorweihnachtszeit und viel Erfolg beim letzen Geschenkekauf und schöne Weihnachten :-)

 

 

Bildhinweis: © Filippo Bianchi / flickr.com

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